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 [SWTOR] Vhem - Ein Vermächtnis für die Ewigkeit

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LeKüken
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BeitragThema: [SWTOR] Vhem - Ein Vermächtnis für die Ewigkeit   Fr 30 Nov - 17:07

"Tarnsysteme online. In vierzig Sekunden sind wir drin, mein Lord."

Darth Vhem betrachtete die Raumstation, ohne Planetennachbarn allein im schwarzen Sternenmeer des Alls gelegen, und nickte knapp. Sie wandte sich vom Lyth ab, verließ das Cockpit der Revenge. Die dünnen Sohlen ihrer kniehohen schwarzen Schuhe verursachten dabei kaum Geräusche. In der Finsternis der Revenge stachen die glühend gelben Augen der HK-54 Einheit heraus. Der Attentäter begleitete die Darth auf ihrem Weg zur Rampe.

"Analyse: Die Verteidigung der Raumstation ist der Besatzung dieses Schiffes zu 124:1 überlegen."

Ohne die Worte des Droiden mit einer Antwort zu würdigen wartete Vhem darauf, dass die Landestützen der Revenge ausfuhren und der Abfangjäger in einem der Hangars der Raumstation aufsetzte. Bis der Alarm die gesamte Anlage in Bereitschaft versetzt hatte, würden etwa drei Minuten vergehen. Bis dahin mussten sie die Hangartüren überwunden haben.
Sonst würde eine Entlüftung dieser Aktion ein schnelles Ende bereiten.

Routinierte Handgriffe zogen den schwarzen Mantel vor der Brust zusammen und knöpften ihn zu. Dazu wurde die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, wodurch die feuerroten Haare nur durch einzelne Strähnen sichtbar waren. Ein sanfter Ruck fuhr durch die Revenge, als das Schiff im Hangar landete. Dann wurde die Rampe mit einem leisen Zischen gelöst und zu Boden gefahren.

Lyth eilte vom Cockpit aus zur Rampe, noch bevor diese zur Hälfte hinabgesenkt war. Ihr Scharfschützengewehr lag bereit in ihren Händen, wobei sie noch kurz das Visier heraus klappte. Mit einem kurzen Nicken bedeutete die Chiss ihre Bereitschaft. Ohne großartig auf den Attentäterdroiden zu achten, dieser war schließlich jederzeit bereit, stieg Darth Vhem die Rampe just in dem Moment hinab, in dem sie den Boden berührte.

HK und Lyth stürmten zu ihren Seiten vorbei, um hinter einigen Kisten und Zylindern Deckung zu suchen. Drei republikanische Soldaten fanden als erstes ihren Weg zum Fury-Abfangjäger, sodass sie genauso als erste die Gelegenheit bekamen, mit einer Geste seitens der Darth durch die Luft zurückgeschleudert zu werden. Dumpf krachten sie nach einigen Sekunden Flug am anderen Ende des Hangars auf den Boden, und blieben dort regungslos liegen.

Der Hangar war hell beleuchtet und war mittels zwei breiter Schleusentore mit dem Rest der Station verbunden. Jeweils zwei Schützenplattformen über jeder Tür waren mit E-Netz-Geschützen besetzt, wo die Verteidiger bereits Munition einpflegten um in den nächsten Sekunden ein Schnellfeuer auf die Eindringlinge prasseln zu lassen. Ein Angriff, dem selbst Vhem nicht lange etwas entgegenzusetzen hätte. Trotzdem ging sie mit entspanntem Tempo in Richtung des rechten Schleusentors.

Die Geschütze wurden gerade ausgerichtet, da ertönten zwei leise Schüsse hinter der Darth. HK und Lyth hatten jeweils einen Schützen ausgeschaltet. Zwangsläufig waren ihre Kollegen von dieser in ihren Augen sicher grausam präzisen Art schockiert. Zwei Sekunden, in denen sie noch nicht feuerten.
Zwei Sekunden, in denen genau so viele Schüsse den verbleibenden Verteidigern den Garaus machten.

Darth Vhem ging in aller Seelenruhe zu dem Schleusentor, und behinderte mittels der Macht den Schließmechanismus, während das andere Tor gehorsam schloss. Lyth und HK schlossen schnell zu der Sith auf.

"Kommentar: Sie haben die Schläfe erwischt. Mit einer solchen Ungenauigkeit gefährden sie meinen Master."
"Tot ist tot."
"Erklärung: Resultate sprechen nicht zwangsläufig für Effizienz."

Das kalte Schweigen der Darth brachte beide, sowohl die Chiss als auch den Droiden, zum Schweigen. Gemessenen Schrittes traten sie alle drei durch das nach wie vor geöffnete Schleusentor. Die Gänge waren hell beleuchtet, beinahe weiß. Deshalb stachen die schwarzen Linsen der vier Kameras, eine an jeder Ecke, umso mehr heraus. Ein kleiner Designfehler. Vhem beachtet die beobachtenden Augen nicht, als sie einmal quer durch den Gang trat und die nächste Schiebetür mit einer dezenten Geste unter dem geschlossenen Mantel öffnete. Ihre Stiefel gaben bei den Schritten kaum Geräusche von sich, Lyth und HK dagegen sehr wohl. Nur ein Punkt, an dem sie sich bei ihrer Begleitung störte. Umso besser, dass sie trotzdem Verwendung für sie hatte.
Sie hielt inne, und gab leise ihre Befehle.

"Ich gehe ins Zentrallabor. Einer sorgt dafür, dass niemand in der Station überlebt, der andere für Ablenkung."

Damit ging sie auch schon weiter, öffnete die Schiebetür und verließ den Gang. Sie hörte hinter sich, wie Lyth einen alternativen Weg suchte, und beiläufig die fortgeführte Debatte der beiden.

"Information: Ich werde die psychologischen Protokolle für eine Ablenkung aktivieren."
"Ich gehe durch den Lüftungsschacht. Wie willst du sie ablenken?"
"Antwort: Ich habe einen Flammenwerfer. Organiker sind allergisch gegen Feuer."

Vhem suchte sich in den folgenden Minuten unbeirrt ihren Weg durch die Station, wobei sie sich lediglich auf ihr Gespür für die Macht verlassen musste. Ihr Ziel war klar erkennbar. Eine perverse Mutation der Macht, weder der hellen noch der dunklen Seite zugeordnet. Abstrakt, faszinierend und potenziell gefährlich.
Sie spürte sich selbst.

Hinter der nächsten Tür, nach einer gefühlten Ewigkeit des Gängelabyrinths, fand sie endlich, was sie suchte. Ein gewaltiges Labor, mit drei gefüllten Tanks und unzähligen Laborstationen. Wie so oft musste Vhem anerkennen, dass die Manipulation des Lebens selbst ein interessantes Feld war, sie jedoch kein Gespür dafür hatte. Sith-Alchemisten konnten Kreaturen jenseits der Vorstellungskraft eines normalen Mannes erschaffen. Meistens auch jenseits ihrer eigenen Vorstellungskraft.

Zu ihrer Freude war der Alarm der Station noch nicht ertönt. Lyth oder HK, einer von beiden hatte mitgedacht. Irgendwie vermutete die Darth erstere. Im Labor trieben sicherlich mehr als ein dutzend Wissenschaftler ihr Unwesen, nahmen in ihrer Arbeit nicht einmal ansatzweise Notiz von der Darth in ihrer Mitte. Die beiden Wachen im Inneren des Labors waren da schon aufmerksamer.
Zu dumm, dass ihnen beiden das Genick brach, bevor sie ihre Blastergewehre ziehen konnten.

Das laute Knacken ließ dann schließlich jeden Einzelnen im Labor aufhorchen, und gen Eingang spähen. Einige keuchten erschrocken, andere blickten lediglich schuldbewusst drein, sich wohl der Situation schon seit längerem bewusst gewesen. Erst jetzt erkannte Vhem, was sich in den Tanks im Labor befand.

"Wie ich sehe, haben Sie die Arbeit der Doktorin fortgeführt." sprach sie laut, an keinen und doch jeden gerichtet. Die Doktoren, Assistenten und sonstigen Biochemiker wichen mit kleinen Schritten vor ihr zurück. Nur einer traute sich, einen Schritt vorwärts zu machen. Einer mit ergrauter Halbglatze und Oberlippenbart.

"Es ist im Dienste der Galaxis!"

Dr. Edgar. Vhem erkannte ihn sofort, nachdem sie sich ausführlich über den Mann informiert hatte, der zuerst Marielle erschaffen, und dann die Klone ihrer selbst ermöglicht hatte. Genau drei dieser Klone schwammen noch in den Tanks, das feuerrote Haar verhältnismäßig kurz gehalten. Es schien, als würden sie friedlich im trüben Wasser schlafen.

"Fein..." antwortete die Darth ruhig. "... dann führen sie diese Arbeit jetzt im Dienste des Imperiums fort, nachdem sie alle Daten über mich gelöscht haben."

Einige der Wissenschaftler machten sich sofort daran, die Befehle der Sith zu befolgen um den eigenen Hintern zu retten. Edgar dagegen blieb stehen, verschränkte sogar trotzig die Arme vor der Brust.

"Ich habe die Legitimierung Eures Vollstreckers erhalten. Des Reinblüters. Was erlaubt Ihr Euch, jetzt hier einzubrechen und..."

Es brauchte wiedermals nur eine kleine Handbewegung, um das Genick ihres Gegenübers brechen zu lassen. Edgar brach regungslos auf dem Laborboden zusammen, ein Raunen ging durch die verbleibende Besetzung des Labors.

"Gibt es weitere Einwände? Nein? Dann fahren Sie fort und nehmen danach ein Shuttle um meinem Schiff zu folgen. Tun Sie das nicht, werde ich Sie finden. Und ich werde dafür sorgen, dass Sie um den Tod betteln."

Vhem wusste, was die Angst in einem Wesen hervorbringen konnte. Trotzdem ging die Arbeit der Wissenschaftler erstaunlich schnell voran, als sie jeden noch so kleinen Datenrest über die Darth aus den Computern löschten, und die Tanks der Klone abstellten. Die Sith wusste nicht, wie sie sich fühlen sollte, als sie sah wie ihre Klone in den Tanks langsam an Atemnot verstarben. Elendig und allein.

Ihr Blick fiel auf einen kleinen, durchsichtigen Kasten, an dem sich gerade noch eine Frau im weißen Kittel zu schaffen machte. Als die Darth nähertrat erschrak die blonde Frau, hob sofort die Hände von den Schläuchen, an denen sie herumgefummelt hatte.

"Mein Lord, verzeiht mir bitte, ich..."

Die Wissenschaftlerin hielt inne, während Vhem sich über den Kasten beugte, und das kleine Baby im Inneren musterte. Keine zwei Monate alt, sicherlich. Die Schläuche, welche mit dem Kasten verbunden waren, sorgten offenbar für die Lebensversorgung des... Jungen, wie Vhem erkannte. Anscheinend wollte die blonde Frau das Kind eben noch auslöschen, so wie den Rest der Geheimnisse in diesem Labor.
Zufrieden richtete die Darth sich wieder auf.

"Was ist das hier?"
"E-ein... Baby... mein Lord."

Ungeduldig legte sie einen ungefährlichen, aber deutlich spürbaren Griff um den Hals der augenscheinlich jungen Frau. Sie weitete die braunen Augen, fuhr schnell fort.

"Es wurde vor einigen Wochen zur Adoption auf Coruscant freigegeben. Wir haben es genommen, um Eure Gene... auszuprobieren. Es passte perfekt in Euer Schema, mit einigen wenigen Manipulationen."

Wieder betrachtete Vhem das Baby, wie es an zwei Schläuche angeschlossen war und zu schlafen schien. Noch waren keine Haare an dem blassen Leib zu sehen.

"Meine Gene sind in diesem... Ding?"
"J-ja, mein Lord. Die Überlebenschancen sind... passabel. Aber keine Sorge, es wird verschwinden, so wie..."
"Nein. Nehmen Sie es mit, und sorgen Sie bei Ihrem Leben dafür, dass es überlebt."

Die blonde Frau schluckte, nickte dann eifrig während sie den Kasten reisefertig machte. In der Ferne erklang der Alarm, das Labor tauchte in blinkendes rotes Licht. Eine strenge, synthetische Frauenstimme erklang, rund fünfzehn Minuten nach der Landung der Revenge. Nachlässigkeit oder Expertise der Begleiter Vhems.

"EINDRINGLING. ALARM. EINDRINGLING. ALARM. DIES IST EIN NOTFALL. NOTVERRIEGELUNG AKTIVIERT. ALLE VERFÜGBAREN EINHEITEN ZU BLOCK 43-X. ALLE VERFÜGBAREN EINHEITEN ZU BLOCK 43-X. DIES IST KEINE ÜBUNG. ICH WIEDERHOLE: DIES IST KEINE ÜBUNG."

Dicke Tore schlossen sich vor dem einzigen Eingang zum Labor, riegelten es effektiv vom Rest der Station ab. Panisch sah die blonde Wissenschaftlerin zu Darth Vhem, welche für einen kurzen Moment die Hände unter dem geschlossenen Mantel zu Fäusten ballte.

"Was jetzt, mein Lord?!"

Vhem antwortete nicht, setzte sich im Gehschritt in Bewegung.







_______________________________________________________






"Erinnerung: In vier Minuten wird sich diese Raumstation mit Nervengas füllen."
"Ich weiß."
"Analyse: Die Überlebenschance des Masters sinkt mit jeder Sekunde um 0,34%."
"Mhm."
"Kommentar: Das ist alles Ihre Schuld."

Lyth ging vor der geöffneten Rampe der Revenge auf und ab. Die Triebwerke liefen bereits, alles war bereit für den Aufbruch. Nur die Darth, die ließ noch auf sich warten. Die Revenge brauchte genau vierzig Sekunden um abzuheben. Bis dahin musste Darth Vhem erschienen sein, sonst...
Die Chiss schüttelte den Kopf. Sie würde ja doch nicht ohne die Darth losfliegen, egal ob Nervengas oder nicht.

"Zusatz: Ein Fernzünder hätte das Problem ebenfalls gelöst."
"Ja."
"Theorie: Sie haben den Master vielleicht dadurch eliminiert."

Gerade war die Pilotin kurz davor, dem HK eine passende Erwiderung an den metallenen Kopf zu werfen, da verzerrte sich für einen Augenblick der Raum vor dem geschlossenen rechten Schleusentor des Hangars. Eine Sekunde war wieder alles wie gehabt, dann sprang das Tor aus der Fassung und flog im hohen Bogen einmal quer durch den Hangar. Ohne Hast betrat Darth Vhem den Hangar, gefolgt von einer blonden Menschenfrau mitsamt einem durchsichtigen Kasten. Lyth erkannte den Kasten. Solche Geräte verwendete man auf Krankenstationen, um Frühgeburten ausreichend zu versorgen.

Tatsächlich schlummerte im Geburtskasten ein kleines Kind, völlig ungerührt von der durchdringenden Stimme des Alarms oder dem Chaos um es herum. Eilig schob die blonde Frau den Kasten die Rampe hinauf, dicht gefolgt von Darth Vhem, welche HK und Lyth ohne ein Wort passierte. Während die beiden folgten, konnte HK seinen Vokabulator nicht halten.

"Erinnerung: Eine Minute und dreiundfünfzig Sekunden später, und Sie wären von Ihrer eigenen Pilotin eliminiert worden, Master."

Die Rampe der Revenge schloss sich mit einem leisen Zischen, und ließ die vier, beziehungsweise fünf, Insassen in der undurchdringlichen Dunkelheit zurück. Lyth fand ohne Probleme ihren Weg zum Cockpit. HK und die Darth scheinbar auch. Wo die blonde Frau mit dem Kind blieb war jedoch für die Chiss in Geheimnis.
Es war ihr auch egal, zuerst musste das Schiff den Hangar verlassen.

"Gut, dass die Hangartore noch geöffnet sind. Sogar die Schilde sind unten."
"Anmerkung: Das war mein Verdienst, nachdem Sie so gedankenlos den Alarm ausgelöst haben."
"Wer stürmte denn mit einem Flammenwerfer die Kaserne?"
"Prä-pubertäre Erwiderung: Wer hat sich denn in mein perfektes Massenmordprotokoll eingemischt?!"

Die Revenge schwebte aus dem Hangar, hielt direkt auf das schwarze Sternenmeer zu. Ein wenig entspannte sich Lyth auf ihrem Pilotenstuhl, dann blinkte ein rotes Licht auf den Scannern auf.
"Wir werden verfolgt."

Darth Vhem wandte sich vom Cockpit ab.
"Gut. Zeig ihnen den Weg nach Dromund Kaas. Ich wünsche, nicht gestört zu werden."

Damit verließ die Sith das Cockpit, ließ Lyth mit dem HK allein. Nachdenklich tippte sie die Koordinaten für den Sprung nach Dromund Kaas ein. Das war eine dieser typischen Missionen gewesen, die nach einer halben Stunde vorbei waren, und nach denen man sich fragte, was man eigentlich genau getan hatte.

Wie immer, wenn sie diese Gedanken befielen, tat sie sie mit einem Schulterzucken ab.

Darth Vhem würde schon wissen, was sie tat.
Mit diesem Gedanken ließ Lyth die Revenge in den Hyperraum eintreten.
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LeKüken
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BeitragThema: Re: [SWTOR] Vhem - Ein Vermächtnis für die Ewigkeit   Sa 2 Feb - 12:35

Es war verrückt.

Nichts anderes ging Darth Vhem durch den Kopf, während sie in einem scheinbar X-beliebigen Hochhaus von Kaas-City aus dem Aufzug stieg. Das Baby in ihren Armen schlief zum Glück, sie hätte wohl keine Ahnung, wie sie den Jungen beruhigen sollte, wenn er anfangen würde zu schreien. In einfache Tücher gehüllt schlummerte der Säugling, rief beim Anblick ein unbestimmtes Gefühl von Liebe in der Sith hervor, deren Schritte sie routiniert zu diesem einen Apartment führten.

Verrückt... Besser konnte man es nicht beschreiben. Dieses Ding wurde im Glas erzeugt, nicht in ihrem Leib. Und doch war es ein Teil von ihr, ein Abdruck ihres Blutes. Es war IHR Junge, auch wenn sie ihn nicht selbst auf die Welt gebracht hatte.
Ihr Junge. Trotzdem würde sie ihn nicht aufwachsen sehen. Vermutlich würde sie nicht einmal wirklich Worte mit ihm wechseln.

Der Gang, ein ewiges tristes Grau, erhellt durch mehr oder weniger schlecht gewartete Lampen an Wänden und Decke, endete vor einer geschlossenen Tür. Vhem kannte diese Tür, sie kannte die Kombination des Tastenfeldes, wenn es in den vergangenen Jahrzehnten nicht geändert worden war. Sie wusste ganz genau, was dahinter lag. Jeden Zentimeter.
Das alles hinderte sie nicht daran, wie eine Fremde auf den kleinen Knopf über dem Tastenfeld zu drücken, welcher die Türglocke im Inneren des Apartments aufschreien ließ. Eine beißendes nervöses Gefühl stieg in der Darth bei der Warterei auf. Dieses Gefühl hatte sie vor kurzem wieder für sich entdeckt. Auf Nar Shaddaa.

Megdana. Eine Paradoxon. War sie nicht zugegen sorgte die alleinige Erwähnung des Namens für einen bodenlosen Fall von Vhems Laune. Wenn die Reinblüterin jedoch da war ging es ihr... gut. Sehr gut sogar.

Die Schiebetür des Apartments schnappte auf und offenbarte eine dezent umfangreichere Frau. Vhem als schlanke Person hätte wohl dreimal in den Körper dieser Frau gepasst. Zum Knoten gebundenes, stellenweise ergrautes brünettes Haar, die einfache Schürze über Hemd und Hose... nur die Falten waren neu.

"Was... wollen Sie?" fragte die Frau, musterte Vhem erst misstrauisch, dann das Kind in ihren Armen. Schlagartig bemerkte die Darth, dass sie die Kapuze ihrer schwarzen Robe immer noch tief ins Gesicht gezogen hatte, um dem imperialen Geheimdienst nicht allzu viel neues Futter zu bieten. Schlussendlich steckte hinter dem Geheimdienst doch nur wieder ein anderer Darth, welcher sein Wissen schamlos ausnutzen würde.

Ein kurzer Handgriff warf die Kapuze in den Nacken zurück, offenbarte Vhems feuerrotes Haar offen über die Schultern. Die Frau im Türrahmen blinzelte kurz aus braunen Augen, zog dann hysterisch die Luft ein.

"Elizabeth!"

Bevor Vhem antworten konnte hatte die Frau sie schon ergriffen und dicht an sich gepresst. Mit etwas Glück wurde das Kind nicht nur nicht zerquetscht sondern schlief auch einfach weiter, wie schon während der gesamten Reise. Eine einfache Hoffnung, der sich die Darth hingab während sie die Umarmung der wesentlich breiteren Person erwiderte.

"Hallo, Mutter." Eine Millisekunde später kamen ihr die Worte plump und dämlich vor. Sie schienen ihre Pflegemutter jedoch nicht zu stören, die hielt einfach weiter die Arme um Vhem geschlungen. Sekunden. Eine Minute. Länger.

"Ich bin immer noch da, du kannst mich loslassen."

Es brauchte eine ganze Weile, bis ihre Mutter dieser Bitte auch nachkam. Andere imperiale Bürger wagten es nicht einmal sie anzusehen, diese Frau jedoch warf sich ihr sofort und ohne Zögern an den Hals. Auf eine befremdliche Art und Weise rührte Vhem dieses Verhalten.

"Dein Vater und ich dachten schon, wir würden dich niemals wiedersehen. Komm rein!"

Auch wenn es nicht zum Plan gehörte nahm die Darth das Angebot an, betrat den Flur des Apartments. Drei Räume grenzten direkt an, der Wohnbereich, die Küche und das Badezimmer. Den Rest der Wohnung erreichte man dann wiederum über angrenzende Räume. Im Flur selbst stand nichts weiter als eine kleine Kommode an der Wand, mit einem Kerzenständer darauf. In der Kommode befanden sich, wenn sich das nicht geändert hatte, diverse Gesellschaftsspiele. Von "Fang den Twi'lek" bis "Vort'aque" war alles dabei.
Völlig normal. Völlig fremd. Ihre Pflegemutter folgte Vhem in die Wohnung, schloss mit einem Druck auf das innere Tastenfeld die Schiebetür hinter ihrer Tochter.

"Willst du Tee?"
Vhem schüttelte den Kopf.
"Kuchen?"
Wieder Kopfschütteln.
"Was zu essen? Ich mach dir den Braten, den du so gern hast."
Kurzes Zögern, dann nur wieder Kopfschütteln. Enttäuscht seufzte die breitere Frau, sah ihre verschollene Tochter recht ratlos an. Diese wiederum begnügte sich damit, ihr das Kind in die Arme zu drücken. Wesentlich steifer als beabsichtigt.

"Wer ist der Glückliche?" fragte ihre Mutter völlig unvermittelt, betrachtete den immer noch schlafenden Jungen mit dem Stolz einer Großmutter, auch wenn es wohl nichts gab was Ferner lag. Vhem konnte wieder nur den Kopf schütteln, was die rechte Augenbraue ihrer Mutter nach oben steigen ließ.

"Niemand?"
Bestätigendes Nicken.
"Hast du sonst niemanden?"
Kurz überlegte Vhem, ob sie den Kopf schütteln und sich damit mehr oder weniger selbst belügen sollte. Die Nachdenklichkeit hielt länger an als gewollt. Ihre Mutter interpretierte das wohl für sich.

"Darum bist du also hier."
Endlich konnte die Darth wieder mit einem Nicken antworten. Es war befremdlich. Sie war eines der mächtigsten Wesen der Galaxis, eine Sith, und trotzdem fühlte sie sich in diesem Moment einfach nur hilflos. Dieses Mal wurde das Schweigen nicht unterbrochen, Mutter und Tochter standen sich einfach gegenüber. Von draußen war das entfernte Grollen eines Donners zu hören, Teil des ewigen Gewitters von Dromund Kaas.

"Irgendwann wird man die Macht bei ihm entdecken, genau wie bei mir. Bis dahin darf er jedoch nicht bei mir bleiben."
"Ich bin zu alt für Kinder, mein Schatz."
"Dann habt ihr zwei eben ein Waisenkind übernommen."

Vhem beobachtete, wie ihre Pflegemutter auf ihren Sohn herabsah, erst mit einem Lächeln, dann nur noch traurig. Sie fühlte sich machtlos, unfähig irgendetwas zu tun. In diesen Räumen war sie keine Darth, sie war tatsächlich wieder das Mädchen, welches vor Jahrzehnten hier lebte.

"Ich habe immer gehofft, weißt du?"

Die Stimme ihrer Mutter wirkte merkwürdig brüchig, als sie sprach.

"Habe immer gehofft, dass du irgendwann einmal zurückkehren würdest. Uns zeigen würdest, dass es dir gut geht."

Schließlich sah ihre Pflegemutter, die sie immer wie ein eigenes Kind behandelt hatte, mit Tränen in den Augen zu ebenjener Ziehtochter auf.

"Jetzt wünschte ich, du wärest nie zurückgekehrt. Dann hätte ich das Elend nicht sehen müssen, welches du mit dir herumschleppst."

Ein eiskalter Dolchstoß traf Vhem mitten in die Brust, ließ sie beinahe nach Luft schnappen, könnte sie nicht wie immer auf ihre Selbstbeherrschung vertrauen. Diese half aber nicht dabei, eine passende Erwiderung aus ihrem Verstand zu kramen.

"Ich... werde regelmäßig nach ihm sehen. Nach euch."

Ihre Mutter schüttelte entschieden den Kopf.
"Nein. Du wirst gehen und nicht wiederkommen, wenn du diesem Jungen wirklich eine Kindheit schenken willst."

Wie betäubt beobachtete Vhem ihre Mutter dabei, wie sie langsam rückwärts zum Tastenfeld ging, die Schiebetür zum Apartment öffnete und ihre Tochter auffordernd ansah.

"Mom..."
"Geh, Kind. Du wolltest dem Kind etwas Gutes tun, also halte auch daran fest."

Langsamen Schrittes verließ Vhem das Apartment, drehte sich gerade zur Hälfte um, um sich zu verabschieden, da schnappte die Schiebetür bereits wieder zu. Für einen winzig kleinen Moment kämpfte sie mit sich selbst, nicht zum Tastenfeld zu huschen und den alten Code für die Eingangstür auszuprobieren. Schließlich riss sie sich jedoch zusammen, wandte sich von der Tür ab und ging den tristen grauen Gang entlang.

Längst vergessene Erinnerungen stiegen in ihr hoch, von diesen wunderbaren Erwachen, wenn ihre Mutter, die sie eben vor die Tür setzte, sie mit einem dicken Muffin und einem Ständchen zum Geburtstag geweckt hatte. Sie hatte immer neue Strophen zusammengedichtet, die sich zwar nicht immer gereimt haben aber dafür stets etwas persönliches nur für sie, Elizabeth, gewesen sind.

Sie erinnerte sich an ihren Vater, der sie oft zur Jagd in den Dschungel von Dromund Kaas mitgenommen hatte. Die Narbe ihres ersten Fehlschusses zierte immer noch ihre rechte Hand.

Ein Kloß stieg Vhem in den Hals, als sie in den Aufzug stieg und das Erdgeschoss in die Steuerkonsole eintippte.

Erst nach drei Stockwerken gelang es ihr, ihn herunterzuschlucken. Sie atmete einmal tief durch. Ihre Macht war gesichert, für den Fall der Fälle auch über die Grenzen ihres Vermögens hinaus. Dass ihre Pflegemutter diese Macht mit Elend verwechselte war nur natürlich für ein solch beschränktes Wesen.

Die Aufzugtüren sprangen im Erdgeschoss auf. Vhem verließ die kleine Kammer, betrat die Lobby mit unangenehm vielen Imperialen, die sie glücklicherweise aus Selbstschutz so wenig beachteten, wie sie sie aus Gleichgültigkeit nicht beachtete.

Vhem trat in den strömenden Regen von Kaas-City hinein und war wieder die Darth, die sie sein sollte.
Auf abstrakte Weise befreit.
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