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 [SWTOR] Vhem - Vindictus' Erbe

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LeKüken
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BeitragThema: Re: [SWTOR] Vhem - Vindictus' Erbe   Sa 10 Aug - 17:17

Eine von der Macht berührte Bestie zu spüren war für eine geschulte machtsensitive Person normalerweise kein Problem. Das instabile Flackern einer Präsenz in dem goldenen Fadengeflecht glich einem aktivierten Peilsender, unfehlbar und beim Näherkommen nur noch genauer. Im Grab von Naga Sadow jedoch gab es so viele Schwingungen, dass ein einzelnes Wesen in einer Flut aus Eindrücken verschwand, was ein genaueres Erspüren beinahe unmöglich machte.

Aus diesem Grund verließ sich Elizabeth auf ihre anderen, handfesteren Sinne, um sich im Grab zurechtzufinden. Ihr Herz pumpte erwartungsvoll, und löste damit ein leichtes Zittern bei der Menschenfrau aus. Angst, die sie nutzte, indem sie ihre Umgebung schärfer wahrnahm und ihre Einflüsse in sich aufsog. Es roch nach frischem Blut. Nicht verwunderlich, wenn der Bestienmeister den Drexl tatsächlich einige Tage hungern ließ. Elizabeth wurde den Gedanken nicht los, dass es sich bei diesem Biest um eine ohnehin schon grausige Bestie handelte, welche durch Sith-Alchemie und die dunkle Seite der Macht nur noch gefährlicher und wilder geworden war. Ein Raubtier, das vielleicht schon längst die Fährte der Akolythin aufgenommen hatte. Nicht unwahrscheinlich, dass es sie schneller fand, als umgekehrt.

Die Menschenfrau zog ihre Vibroklinge aus ihrer Halterung am Gürtel und hielt sie fest in der rechten Hand, während sie sich an die kalte, steinerne Wand einer Ecke drückte und in den nächsten Gang horchte. Beständiges, leises Heulen, als würde scharfer Wind wehen. Unwahrscheinlich, wie Elizabeth befand. Sie hatte nun schon einige Treppen und Gänge hinter sich gebracht, sodass die Außenwelt es schwer haben würde, ihr zu folgen. Wind war davon nicht ausgeschlossen. Als sie sonst nichts weiter hörte, ließ die Akolythin von der Wand ab und ging um die Ecke. Der vor ihr liegende Gang sah genauso aus wie der vorige, und wie der davor auch. Natürlich würde sie sich verirren, die Prüfung sah nichts anderes vor.

Ein bisschen Dreck rieselte von der Decke, erfasste Elizabeth an der Schulter und jagte ihr dabei einen Schrecken ein. Blind schlug sie in einem weiten Schwung ihrer Klinge um sich, nur um zu erkennen, dass dort nichts und niemand war, der sie bedrohte. Angespannt atmete sie ein und aus, versuchte, ihren Atem unter Kontrolle zu halten, damit sie sich weiterhin auf die vor ihr liegenden Aufgaben konzentrieren konnte. Drexl finden, erlegen, Herz entnehmen, aus dem Grab herausfinden. Und das alles, ohne von Madison umgebracht zu werden. Von der Zabrak war keine Spur mehr gewesen, seit sie sich am Eingang des Grabes getrennt hatten. Beruhigen tat Elizabeth das keineswegs. Nein, eher war die trügerische Ruhe für sie ein sicheres Anzeichen dafür, dass etwas bald gewaltig schiefgehen würde.

Gemessenen Schrittes bewegte sich die Akolythin vorwärts, ignorierte dabei das hintergründige Heulen. Ob es von den vielen Toten stammte, die in diesem Grab ihr ewiges Gefängnis fanden? Oder war es nur ihre Einbildung, eine Halluzination, die ihr Verstand im Angesicht der Angst und Aufregung heraufbeschwor? Elizabeth warf diese Gedanken recht schnell beiseite. In diesem Moment brauchte sie ihre Konzentration für andere Dinge.

Der Gang mündete in eine etwas breitere Kammer, eine Zwischenstation im gewaltigen Labyrinth des Grabes. Ohne besonderen Zweck, könnte man gemeint haben, als der Boden noch nicht von den Knochen derer belagert worden war, die nun davon zeugten, dass diese Annahme nur ein gewaltiger Irrtum sein konnte. Tatsächlich, so erkannte Elizabeth, kam dieser Kammer ein einziger Zweck zu: Der Beherbergung von Fallen, um Grabräuber einem schnellen Ende zuzuführen. Die Menschenfrau sparte sich den Aufwand, die Leichen zu zählen, dafür waren ihre Knochen ohnehin zu verstreut. Stattdessen ging sie in die Hocke, und tastete die ersten größeren Bodenplatten der Kammer ab. Keine Druckpunkte, keine versteckten Mechanismen. Wie sich diese Fallen auch immer auslösen mochten, Klischees wie Druckplatten im Boden waren es nicht.

Das wäre auch zu einfach gewesen...

Elizabeth schloss die Augen und weitete ihre Sinne in der Macht aus. Die dunkle Seite dominierte diesen Ort, wild und unbeherrscht wie ein Monster im Käfig. Sie machte es schwer, die Konzentration zu wahren und im Geiste nach unsichtbaren Auslösern in der vorliegenden Kammer zu suchen. Im Gegenteil, die intensive Präsenz der dunklen Seite lockte dazu, sich einfach fallen zu lassen und dem berauschenden Gefühl der Macht hinzugeben. Eine Falle für sich. Wer auch immer dieser Verlockung nicht widerstehen konnte, wurde von jenem wilden Monster verzehrt, das die dunkle Seite darstellte. Wahnsinn, Tobsucht, Tod. Das waren die Folgen solcher Willensschwäche.

Kaum hörbares Kratzen riss die Akolythin aus ihrer Konzentration, und ließ ihre Aufmerksamkeit wieder in die physische Welt zurückkehren. Blitzschnelle, kaum erfassbare Eindrücke prasselten auf sie ein. Hunger, Verlangen und Vorfreude. In direkter Reaktion ließ Elizabeth sich zur Seite in Richtung Wand fallen, kurz bevor zwei gewaltige Pranken dort aufschlugen, wo sie eben noch hockte. Der Angriff kam aus heiterem Himmel, hätte sie das Kratzen nicht gehört, wären die Eindrücke glatt an ihr vorbeigegangen. Sie wäre nun nichts weiter als ein zerschlagener Körper auf dem Boden.

In dieser Erkenntnis pumpte Elizabeths Herz Adrenalin durch ihre Adern. Eine gebeugte Bestie auf zwei kräftigen Beinen stand direkt vor ihr, mit ledriger, violett schimmernder Haut, Stacheln auf dem Rücken und wahnsinnigen, rot leuchtenden Augen. Selbst in der gebückten Haltung erreichte das Biest gute drei Meter, schätzte Elizabeth, kurz bevor ihr Überlebensinstinkt sie aus ihrer Beobachtung erwachen ließ. Sie hob die linke Hand, krümmte die Macht zwischen ihren Fingern und wob einen Machtschub, der die Bestie dazu zwang, zurück an die gegenüberliegende Wand zu taumeln. Genügend Zeit für Elizabeth, damit sie sich an der Wand hochdrücken und wappnen konnte. Sie hatte so ein Ding noch nie gesehen, weshalb sie schloss, dass es sich um den Drexl handeln musste. Die Pranken sahen zumindest nicht danach aus, als wollte sie mit ihnen in Berührung kommen.

Die rot leuchtenden Augen des Drexl erstachen die Akolythin förmlich, während sich die Bestie leucht vorbeugte, in Vorbereitung auf den nächsten Angriff. Elizabeth wich mit langsamen Seitwärtsschritten in die Fallenkammer hinein, nahm tiefe Atemzüge, um Panik aus ihrem Inneren zu verbannen. Sie wartete, bis der Drexl ohrenbetäubend brüllte und einen Satz nach vorn machte im erneuten Versuch, die Menschenfrau unter der eigenen Masse zu zerquetschen. Die schiere Lautstärke des mutierten Wesens führte beinahe dazu, dass Elizabeth zu spät zur Seite auswich. Nur knapp entkam sie durch eine Rolle zur Seite, wobei sie darauf achtete, auf den bereits überprüften Bodenplatten der Kammer zu verweilen. Langjährige Übungen mit Madison machten es ihr leicht, in einer knienden Position zu landen, von welcher sie ohne größere Probleme einen weiteren Machtschub auf den Drexl jagen konnte. Dieser stolperte dadurch tiefer in die Kammer hinein, löste zu Elizabeths Enttäuschung jedoch keine Fallen aus. Ihr war lediglich eine etwas längere Verschnaufpause vergönnt.

Während sich die Bestie in der Mitte der Kammer wieder aufrichtete, musste die Akolythin einsehen, dass Glück allein ihr nicht weiterhelfen würde. Sie ging nicht davon aus, dass der Drexl lernresistent immer wieder auf ihre Ausweichmanöver hereinfiel, bis er eine Falle auslöste, die ihn dann nicht einmal mit Sicherheit ausschaltete. Also beschloss sie, etwas konventioneller vorzugehen. Obwohl es große Mühe erforderte übte sie sich in Geduld, wartete bis der mindestens drei Meter große Jäger wieder auf sie zustürmte, dieses Mal ohne Satz nach vorne. Bei einer weiteren Seitwärtsrolle würde er Elizabeth zu packen kriegen, weshalb der Menschenfrau etwas besseres einfallen musste. Sie ging leicht in die Hocke, ließ die Macht durch ihren Körper fließen und über ihre Beine wirken, indem sie im folgenden Sprung für mehr Auftrieb sorgte. Der richtige Winkel sorgte dafür, dass sie in sicherer Höhe drehend über den Drexl hinwegsprang. Die Drehung bot genügend Schwung, um die Vibroklinge mit aller Kraft in Richtung der Bestie zu werfen, bevor sie auf der ehemaligen Position des Jägers in der Mitte des Raumes landete. Erneut in knieender Position griff Elizabeth mit der Macht aus, ließ die geworfene Klinge wirbeln und direkt auf den Hals der Bestie zusteuern, die knapp vor der Kammerwand zum Stehen kam.

Der Drexl drehte sich um, setzte zur nächsten Attacke an. Im nächsten Augenblick wurde die wirbelnde Vibroklinge unter der unsichtbaren Hand der Menschenfrau tief in seinen Hals getrieben. Auch wenn dieser Treffer den Kopf des Jägers nicht vollständig abtrennte, so sorgte er trotzdem dafür, dass dieser ungesund zur Seite wegklappte, bevor der Körper folgte und in diesem Zuge zuckend zu Boden fiel.

Erleichtert atmete Elizabeth auf. Es kam ihr vor, als hätte sie während dieses gesamten Überlebenskampfes keine Luft bekommen, obwohl sie nach ihr geschnappt hatte. Nun, da der Drexl geschlagen war, beruhigte sich auch ihr Herz wieder etwas. Das Adrenalin flaute ab, hinterließ ein aufgeregtes Kribbeln im ganzen Körper, das zu weiterer Tat anspornte. Die Akolythin stand auf, nur um beinahe wieder hinzufallen. Ihre Beine zitterten wie verrückt, sodass Elizabeth sie nur mit aller Willenskraft dazu zwingen konnte, den Stand zu wahren. Sie biss die Zähne zusammen, beugte die Macht erneut zu einem Sprung und spürte dabei, wie die Präsenz des Grabes diese Regung, ihre kurze Erschöpfung nach dem Kampf gnadenlos ausnutzte. Ein leichtes Schwindeln ließ sie beim Landen hinfallen und auf beide Knie sinken. Das Heulen, welches sich bisher im Hintergrund gehalten hatte, wurde nun lauter und hallte beständig in ihrem Kopf wider, bis es so laut war, dass Elizabeth die Hände an ihre Schläfen legen musste in der Vorstellung, ihr Kopf könnte schlichtweg explodieren. Sie schrie, schaffte es dabei aber doch nicht, die aufkeimenden Stimmen zu übertönen.

"Komm..." ... "Eine von uns..." ... "Sei..." ... "Los...lassen..." ... "Hilfe..."

Elizabeth schrie bis zur Heiserkeit, dann erst war ihr Erlösung vergönnt.
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LeKüken
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BeitragThema: Re: [SWTOR] Vhem - Vindictus' Erbe   Mo 8 Sep - 9:16

„Elizabeth, erkenn doch, was für ein Geschenk dir da gemacht wird!“
„Mutter, ich will da nicht hin! Ich will zu meinem Abschlussball und weiter auf die Akademie gehen.“
„Und ich kann nicht zulassen, dass du diese Ehre ablehnst. Es wäre dein Ende, Liebes!“
„Mutter!“




Diese und viele andere Stimmen aus vergangenen Zeiten hallten noch in Elizabeths Schädel nach, als sie aus ihrer Bewusstlosigkeit erwachte. Sie riss die Augen auf, sah jedoch in den ersten Sekunden nur Dunkelheit und japste nach Luft, während ihre Sinne nach und nach wieder den Dienst antraten. Frische Luft, wenn auch ein fauliger Geruch in ihr lag. Ziemlich kühl war es auch. Und still, herrlich still. Eine Hand ruhte auf ihrer Brust, hinderte sie effektiv daran, sich in eine sitzende Position aufzurichten.

„Ruhig bleiben.“ sprach eine vertraute Stimme.

Als letztes kehrte die Sicht wieder zu Elizabeth zurück und ließ sie den dunklen Sternenhimmel über der Einöde von Korriban erleben. Ohne jegliche Lichtquelle verblieb die Gestalt, die neben ihr saß, nichts weiter als ein schwarzer Schatten. Doch an der Silhouette konnte Elizabeth ohne Zweifel erkennen, dass es sich um Madison handelte. Mit einem Schlag kamen die Erinnerungen an die letzte Prüfung, das Grab und den Drexl zurück, spannten die Menschenfrau an und ließen sie kurz nach Fassung des Atmens ebenjenen schon wieder anhalten. Sie befanden sich nicht mehr im Grab. Was war geschehen? Wie lange war sie weggewesen?

„Ich tue dir nichts.“ versicherte Madison, nachdem sie Elizabeths angehaltene Atmung bemerkte. Aus irgendeinem irrigen Grund glaubte die Menschenfrau ihr, auch wenn alle Szenarien, die ihr zur Füllung der Bewusstlosigkeit in den Sinn schossen das Gegenteil anrieten. Vorsichtig stieß sie die angehaltene Luft aus, wehrte sich nicht gegen die zurechtweisende Hand auf ihrem Oberkörper. Ihr Haupt lag auf den Schoß der Zabrak gebettet, eindeutig beabsichtigt. Außerdem nicht ungemütlich, wie sie mit leichter Verzögerung feststellen musste. Kontrolliert atmete sie ein und aus, sortierte ihren Kopf und ließ die Minuten vor ihrer Bewusstlosigkeit noch einmal Revué passieren. Der Kampf mit dem Drexl, die Stimmen, welche sie danach beinahe wahnsinnig gemacht hatten. Dann Dunkelheit.

„Was… ist geschehen…?“ fragte Elizabeth nach und bemerkte dabei, wie trocken ihre Kehle eigentlich war. Sie musste schon seit Stunden nichts mehr getrunken haben. Dies schien auch Madison bewusst zu sein, denn keine zehn Sekunden später legte die Zabrak ihr eine Feldflasche in die Hand, ehe sie zu erzählen begann.

„Du warst bereits ohnmächtig, als ich zu dir gelangte. Der Drexl lag tot neben dir. Ich nahm sein Herz und brachte dich raus ins Freie. Seitdem sitze ich hier und warte darauf, dass du aufwachst. Hab’s mit dem klassischen Kuss probiert, aber darauf kam keine Reaktion.“

Elizabeth brauchte nicht viel Fantasie um sich vorzustellen, wie der Schalk in Madisons Augen lag. Schon seit Anbeginn ihrer Bekanntschaft verfolgte die Zabrak immer mal wieder Avancen, die allerdings niemals wirklich Reaktion gefunden hatten, da Elizabeth nicht für sich herausfand, wie sie darauf reagieren sollte. Sie war eben kein guter Flirt. Auch dieses Mal überging sie sie die Andeutung wieder, neigte den Kopf zur Seite und erkannte einen schwarzen Flecken neben Madison auf dem öden Boden. Ein Bündel, gut dreimal so groß wie eine ausgeprägte Faust. Schätzungsweise ging von ihm der strenge Geruch aus. Das Herz des Drexl? Wahrscheinlich.

„Warum bist du nicht einfach mit dem Herz abgehauen?“ Die Frage brannte auf Elizabeths Zunge, weshalb sie sie sogar noch vor dem ersten Schluck aus der Feldflasche stellte. Eigentlich war sie sich mit Madison einig gewesen, dass der Beginn der letzten Prüfung das Ende ihrer Partnerschaft markierte. Wäre sie an der Stelle der Zabrak gewesen, hätte sie keine Skrupel gehabt, ebendies zu tun: Das Herz zu nehmen und den Gewinn dafür einzustreichen. Ob Madison das ahnte? Elizabeth beschloss, diesen Punkt erst einmal unter den Tisch fallen zu lassen, um das eventuell vorhandene Wohlwollen nicht durch Unbedachtheit zu bombadieren.

Die Antwort der Zabrak ließ etwas auf sich warten, wodurch Elizabeth mehrere Züge aus der Flasche nehmen konnte. Das schale Wasser fühlte sich herrlich in ihrem ausgetrockneten Hals an und machte den Eindruck, als würde es ihren ganzen Körper ein Stück weit beleben.

„Der Gedanke kam mir.“ begann Madison schließlich, „Konnte ihn aber nicht umsetzen. Du bist wie eine Schwester für mich geworden, Liz. Ziemlich dumm, oder?“

Ein großer Teil der Menschenfrau wollte die Frage prompt mit ‚Ja‘ beantworten, doch ihr Verstand hielt sie davon ab. In den vergangenen Jahren war Madison eine bessere Mentorin für sie gewesen als die Aufseher oder Ausbilder, da sie ihr die Dinge beibrachte, die man normalerweise nur auf äußerst schmerzhafte Weise erfuhr. Wie oft sie ohne die geflüsterten Warnungen der Zabrak auf die Tricks ihrer Konkurrenten reingefallen wäre, konnte und wollte Elizabeth nicht zählen. Außerdem hätte sie ohne Madison niemals gelernt, sich von den allzu weltlichen Moralvorstellungen und Prinzipien abzuwenden, die das Denken unbewusst derart begrenzen konnten.

Vielleicht hatte die Zabrak ihre Lehren bei all dem letzten Endes ein bisschen zu gut weitergegeben. Elizabeth sah nämlich keinen Grund, ihr trotz dieser Vergangenheit nun irgendetwas zu schenken. Madison war auch in diesem Augenblick, in dem sie ihr anscheinend das Leben gerettet hatte, vor allem eines: Die letzte Konkurrentin. Die Menschenfrau wusste, dass sie sich von derartig romantischen Vorstellungen wie Freundschaft lösen musste, wenn sie wirklich eine Sith werden wollte.

Es gibt keine Freunde… rief sie sich in den Kopf. … Nur Rivalen.

Bedacht begann Elizabeth, in einem diplomatisch-verhaltenen Tonfall zu antworten: „Das hängt davon ab, was du dir jetzt vorstellst. Wir können nicht beide zur Akademie zurückkehren. Sie würden uns töten.“

„Ja, da hast du wohl Recht.“ Madison seufzte leise und hob die Hand, mit der sie die Menschenfrau eben noch vom aufstehen abhielt. Nun half sie ihr dabei, war ihr eine Stütze bis sie sicheren Stand hatte und nahm ihr danach auch die Feldflasche wieder ab. Elizabeth wusste trotz der Dunkelheit der Nacht, dass sie und die Zabrak sich in diesem Moment reichlich unbeholfen ansahen. Keine von ihnen sprach ein Wort, eine angespannte Stille legte sich über diesen speziellen Teile der Einöde. Spontan wünschte sich Elizabeth, ihre Vibro-Klinge in greifbarer Reichweite zu haben, allerdings musste diese im Grab zurückgeblieben sein. Ein seltsames Gefühl von Nacktheit überfiel sie ohne den Griff einer Waffe in ihrer Hand und machte die Situation nicht gerade einfacher.

Schließlich ging Madison in die Hocke, hob das stinkende Bündel vom Boden auf und wog es in der Hand.  Unwillkürlich ballte Elizabeth die Hände zu Fäusten, machte sich bereit, notfalls auch unbewaffnet um diesen Preis zu kämpfen. Mithilfe der Macht war sie auch mit bloßen Händen keine leichte Beute, wie sie ganz genau wusste. Gerade als ihre Anspannung den Zenit erreichte, streckte Madison ihr das Bündel jedoch schlicht entgegen. Perplex blinzelte die Menschenfrau, für den Moment regelrecht überfordert von der Geste, unfähig, sie sofort anzunehmen.

„Nimm es.“ sprach Madison platt und derart eindringlich, dass Elizabeth gehorchte.
„Warum… machst du das?“ fragte sie dennoch, während ihr unangenehm auffiel, dass das Bündel nicht nur stank, sondern auch noch verdammt schwer war. Außerdem hatte sie das gruselige Gefühl von Regung auf ihren Handflächen, als ob das Herz unter der Ummantelung immer noch schlagen würde.

„Weil ich dich sowieso nicht töten würde, selbst wenn ich gewänne.“ antwortete Madison mit einem dezenten, selbstironischen Unterton. „Du dagegen bist dazu in der Lage, also steht das Ende dieses Kampfes schon von vornerein fest. Da nehme ich lieber meine Chance, mich auf eigene Faust durchzuschlagen, während du zur Akademie zurückkehrst.“

Elizabeth blaffte ungläubig: „Deine Chance? Das ist dein Todesurteil, Mad. Dort draußen erlebst du keinen zweiten Nachthimmel.“
„Immer noch besser, als hier und jetzt zu sterben. Ich weiß, was ich kann, und was ich nicht kann. In der Wüste überleben? Weniger ein Problem, auf meinem Heimatplaneten ist das Standard. Dich töten? Das bringe ich  nicht über meine Herzen.“

„Das ist wirklich dumm, Mad.“ stellte Elizabeth nochmals fest, nachdem die Zabrak diesen Punkt selbst schon erwähnte. Sie wusste nicht, wie sie sich bei dieser Sache fühlen sollte. Einerseits war es eine Erleichterung, nicht ohne Waffe kämpfen zu müssen. Andererseits fühlte es sich unheimlich unverdient an, Madison dieses Herz nun einfach abzunehmen.

„Wem sagst du das.“ Die Zabrak lachte leise, freudlos, ehe sie mit der Hand Hand in eine der Himmelsrichtungen wies. „Die Akademie liegt in dieser Richtung, eine Stunde von hier entfernt. Ich werde in die entgegengesetzte Richtung fliehen. Wenn du mir einen letzten Gefallen tun willst, dann sag dem Aufseher, dass ich tot bin.“

Elizabeth nickte und machte einen ersten Schritt zurück in die Richtung, in die Madison zeigte. Dann noch einen, und noch einen. Die Zabrak blieb an Ort und Stelle stehen, sah ihr nach, soweit sie das einschätzen konnte, aber rührte sich nicht vom Fleck. Für einen Moment kam ihr der lächerliche Gedanke, zum Abschied zu winken, wie sie es am Ende der Lehrtage immer getan hatte, kurz bevor sie in ihre kleine Kammer eintrat. Dieses Mal würde es jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach kein Wiedersehen geben, was die Geste überflüssig machte.

„Ich werde dich vermissen.“ sagte Madison noch, kurz bevor die Menschenfrau außer Hörreichweite gelangte. Für den Augenblick blieb Elizabeth stehen, senkte den Blick auf das Bündel in ihren Händen und sinnierte über eine passende Erwiderung. Als sie eine gefunden und den Kopf wieder gehoben hatte, war der Schemen von Madisons Gestalt jedoch bereits verschwunden.

„Ich dich auch.“ murmelte Elizabeth daraufhin in sich selbst hinein, drehte sich um und machte sich auf, zur Akademie zurückzukehren. Ihre Schritte wurden begleitet von widersprüchlichen Gedanken über Freundschaft und Rivalität, Ehrgeiz und Verbundenheit, sowie Treue und Verrat.
… und über Möglichkeiten, den unbewaffneten Kampf zu erlernen. So nackt und unbeholfen wie gerade eben wollte sich die Menschenfrau niemals wieder fühlen.
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