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 [WoW] Raxelle/Jerya/Melvelith/Erandon/Lavyria - Das Arathibecken

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LeKüken
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BeitragThema: [WoW] Raxelle/Jerya/Melvelith/Erandon/Lavyria - Das Arathibecken   So 20 Nov - 22:05

Der Regen prasselte in Strömen in das Arathibecken nieder. Dazu gesellten sich Blitz und Donner, welche es nur schwer schafften den schwarzen Himmel gelegentlich zu erleuchten. Man konnte kaum drei Fuß weit sehen, was bei der Tageszeit ein Wunder war. Gerade erst… später Nachmittag.
Irgendwann würde der Regen das Arathibecken mit Wasser füllen wie… ein Becken eben. Dieser Gedanke verfolgte Melvelith nun schon seit einer halben Stunde. Eben jene halbe Stunde, welche im großen verfallenen Rathaus hinter ihr benötigt wurde um die letzten Schlachtpläne fertig zu stellen.

Eigentlich unnötig, blieb doch die Strategie immer dieselbe. Angreifen, und keinen Flecken Boden mehr verlieren.
Versagen wurde nicht toleriert.
Worauf hatte sie sich da nur eingelassen?

Das Rathaus war umgeben von einem einfachen Holzzaun, welcher schon bessere Zeiten erlebt hatte. Die Jahre des Krieges und des Kampfes hatten ihm zu schaffen gemacht. Und trotzdem war er der schlichte Sammelpunkt für die Verlassenen, welche es nicht wagten den Zaun ohne einen Befehl zu überqueren.
Die blasse Elfe sah nach links und erhaschte durch einen günstig einfallenden Blitz einen Blick auf Lavyria und Raxelle, welche dicht nebeneinander standen und etwas deplatziert auf die anderen Verlassenen sahen. Beide waren sie gerüstet, und bereit für die bald beginnende Schlacht.

Sie hatte absolut keine Ahnung, wieso Lavyria den letzten Gefallen welchen sie bei Melvelith hatte, für einen Trip ins Arathibecken verschwendete. Ihr, als ranghohe Verlassene, war es gestattet Streiter außerhalb der Reihen der Verlassenen einzuschleusen. Trotzdem verirrten sich nur wenige Lebende auf dieses Schlachtfeld, welches nun schon seit Jahren keinen Sieger fand.
Gerade als die Todesritterin darüber sinnierte, ob hinter Raxelle und Lavyria mehr steckte, ermahnte sie sich selbst. Das war unnötig.

Ihr Blick wendete sich nach rechts. Zwei der Verlassenen, welche sich dort sammelten, fielen Melvelith ins Auge als erneut ein Blitz den Platz erhellte.
Erandon Demour stand dort mit seinem dunklen Herzen, auch bekannt als Jerya. Beide tuschelten untereinander, wobei die Perfektion mit ihrer eisigen Miene ein recht gelangweiltes Gesicht machte. Der Todesritter war dezent in seiner Waffenwahl umgestiegen. Statt der altbekannten Zweihandwaffe hatte er eine längliche Flinte in der Hand, welche mit zahlreichen Runen versehen war.
Jerya war wie immer in ihre Apothekerrobe gekleidet. Irgendwie wollte sie nicht in das Szenario hineinpassen. Allerdings wusste Melvelith genau, welchen Wert die feurige Untote haben konnte.
Leises Schmatzen, dann sah die Todesritterin wieder geradeaus auf das Schlachtfeld, welches durch den schwarzen Vorhang des Unwetters verdeckt wurde.
Bald würde die Schlacht beginnen.


„ZUM ANGRIFF!“
Der Kommandant brüllte so laut er konnte, um gegen das Prasseln des Regens anzukommen. Alle Verlassenen, begleitet von Lavyria und Raxelle, machten sich auf den Weg. Beritten preschten sie gegen die Allianz vor. Nun, zu aller erst allerdings gegen den Regen welcher beim Ritt neckend ins Gesicht klatschte.
Ihr Todesstreitross trug die blasse Elfe schnell wie der heulende Wind im Arathibecken voran. Wage Umrisse bezeichneten den verlassenen Hof, welcher der Stellung des Rathauses am nächsten lag. Melvelith ignorierte das schwarze Abbild und ließ die blau flammenden Hufe des Rosses weiter im Galopp vorstürmen.

Wieder erhellte ein Blitz die Landschaft. Eine Weggabelung tat sich direkt vor der Todesritterin auf. Der linke Weg führte bergauf zum Sägewerk des Beckens, welches Holzvorräte für die Unterstadt versprach. Der rechte Pfad führte über eine Brücke zu einer Insel in der Mitte eines kleinen Sees. Auf dieser Insel thronte die Schmiede des Beckens.
Melvelith folgte dem linken Weg, hinauf auf die Anhöhe. Hinter ihr erklangen, übertönt durch das Prasseln des Regens, die Kriegsschreie der Verlassenen. Eine kleine Schar Reiter folgte der Todesritterin zum Sägewerk hinauf, welche sie vom Geräusch des Hufgetrappels her auf etwa sechs oder sieben schätzte. Mehr als genug, um diesen Posten einzunehmen und zu halten.

Als die Reiter das Sägewerk erreichten erhellte erneut ein Blitz die Umgebung. Dank der unendlichen Ausdauer des Untodes waren die Pferde der Verlassenen weitaus schneller auf dem Posten, als die Pferde der Menschen. Jene erklommen gerade noch den steilen Hang, während die Untoten Stellung bezogen. Armbrustschützen spannten ihre Bolzen auf die Waffen, wobei sie nicht von ihren Rössern stiegen. Die Soldaten zogen die Schwerter und Äxte blank, und ließen sie lautstark gegeneinander krachen. Der einzige Zauberer, welcher ihnen gefolgt war, stieg von seinem Pferd und bezeichnete helle Runen in der Luft.

Melvelith zog ihre Runenklinge. Die unheiligen Runen glommen schwach in der Dunkelheit, was nicht einmal ansatzweise auf die Macht hinwies welche in ihnen lauerte. Mit nackter Fußsohle ging die Todesritterin auf dem schlammigen Boden in Kampfstellung, im Bewusstsein dass die R eiter von Arathor jeden Moment auf die Verlassenen stürmen würden.
Wieder erklang Hufgetrappel, welches leise durch das Prasseln des Regens drang. Gedämpfte Befehle der Menschen. Jeder Lebende hätte nun die Unruhe der bevorstehenden Schlacht im Nacken gespürt. Melvelith blieb ruhig, betrachtete den Schlamm welcher bereits Teile ihres Kilts beanspruchte. Sehr bald würde sich Blut in den Schlamm mischen, und mit ihm zusammen nach dem Unwetter den neuen, festen Boden formen.

Leises Klacken riss die blasse Elfe aus ihren Gedanken. Ziellose Armbrustbolzen der Verlassenen empfingen die Menschen, welche hinter dem Vorhang aus Regen noch nicht in Sichtweite waren. Dass zumindest einer getroffen hatte verriet ein Schrei welcher durch die Regenwand wie ein wunderbares Lied schallte. Melvelith spannte sich an, und rauschte dann durch den Regen wie ein Schatten. Die Soldaten der Verlassenen folgten ihr auf dem Fuße.

Das Schmatzen des Schlammes war unter dem Regen kaum zu hören. Allerdings verriet ein diesmal ungünstig auftretender Blitz den schnellen Vorstoß. Die Menschen wappneten sich, brüllten ihre üblichen Parolen und stellten sich den Untoten. Die Todesritterin pickte sich einen Menschen heraus, welcher mit seiner Rüstung eher an ein Stachelschwein, denn an einen echten Soldaten erinnerte. Solch goldene Rüstung trugen zumeist nur die Offiziere.
Der Regenvorhang zog sich in Perfektion um die Kämpfenden herum, sodass nur das Klirren der Waffen zu hören war. Gelegentliches Surren und brutzeln wies darauf hin, dass der Zauberer und die Armbrustschützen nicht untätig waren.

Entgegen von Melveliths Erwartung war der Mensch ein ganz passabler Kämpfer. Mit Schwert und Schild wusste er ihre Schläge abzublocken und mit schnellen Kontern die blasse Elfe zurückzutreiben. Beide Kämpfer rutschten nur so durch den schlammigen Boden. Fester Stand war kaum möglich. Wieder ein Blitz, welcher die Rüstung des Menschen wahrlich aufblitzen ließ.
Ein glücklicher Umstand. Die Armbrustschützen fanden endlich ein ungefähres Ziel, und ließen sogleich die Bolzen fliegen. Einer davon bohrte sich in die Seite der Todesritterin, und brachte sie fast zum fallen durch seinen Aufschlag.

Den Menschen jedoch hatte es noch schlimmer getroffen. Ein weiterer Blitz zeigte, wie grandios er von zwei Armbrustbolzen in der Brust durchbohrt wurde. Der nasse Vorhang zog sich bereits zu, bevor Melvelith beobachten konnte wie der Offizier auf den nassen Boden fiel, und dort liegenblieb.
Dann ging alles ganz schnell.

Melvelith spurtete wieder durch den Regen, erwischte Menschen kalt in den Rücken welche mit ihren Verlassenenbrüdern kämpften. Die Schlacht war ausgewogen, und trotzdem hoffnungslos für die Menschen gewesen. Normale Lebende konnten es eben nicht mit dem Untod aufnehmen.
Der scheinbar letzte Sohn von Arathor fiel, und die Verlassenen verfielen in Jubel. Das Sägewerk war unter der Kontrolle von Unterstadt, solange sie die Kontrolle nicht verlieren würden.
Und das würden sie nicht.

Gerade als Melvelith ihre Schwerter in die Scheiden stecken wollte, in ihrem Hunger befriedigt von der Schlacht, entdeckte sie ein geringes Aufleuchten hinter dem Regenvorhang. Es wurde größer, intensiver. Unter der schwarzen Wolkendecke erinnerte es an eine schwächliche, aufgehende Sonne. Ein Geistlicher der Menschen.
Lächerlicherweise benötigten die Menschen und Zwerge in den unteren Königreichen bei jedem ihrer Feldzüge einige Priester, welche ihnen in ihrer perfekten Welt göttlichen Beistand gelobten. Zwar mochte damit ihre Entschlossenheit gefestigt sein, aber kein Gebet der Welt konnte einen starken Schwertarm ersetzen.
Genau diesen Fakt würde Melvelith diesem Priester beweisen.

Sie zog die linke Runenklinge wieder hervor und wog die Waffe in der Hand. Nun hatte die Ritterin schon so lange mit ihren Waffen gekämpft, sie waren beinahe wie aus ihrem Leib geschmiedet. Verlängerungen ihrer Arme. Eins mit ihr, und ihrer Macht. Das dürstende Flüstern hallte im Hinterkopf von Melvelith El’Thanas wieder, als sie die Runenklinge warf.
Man hörte nichts, als die aufgehende Sonne langsam erlöschend zu Boden sank.

Eine Fingerbewegung später war die Klinge wieder in ihre Hand zurückgekehrt. Wie schon im ganzen Kampf wurde das Blut sofort vom Regen weggewaschen. Langsam steckte die Runenritterin ihre zweite Waffe in die Scheide, und wandte sich ihren jubelnden Mitstreitern zu.

Lächelnd stellte sie fest, dass der Boden mit einem sanften blutroten Ton versehen war.

Von der Anhöhe aus hörte man es trotz des Regens sicherlich über das ganze Arathibecken.

SIEG FÜR SYLVANAS!
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BeitragThema: Re: [WoW] Raxelle/Jerya/Melvelith/Erandon/Lavyria - Das Arathibecken   So 20 Nov - 22:06

Der Regen peitschte mir ins Gesicht. Ich musste mich anstrengen, nicht mit den Zähnen zu klappern. Ich wandte meinen Blick noch kurz zu Lavyria, bevor ich das bereitgestellte Skelettstreitross bestieg. Um mich herum waren einige dunkle Waldläufer versammelt. Scharf wurde ich gemustert. Ein Fehltritt, und mein Ausflug ins Arathibecken fand ein rapides Ende. Ich zog die Kapuze tiefer ins Gesicht.

Ein befehlerischer Ruf war das Zeichen zum Losreiten. Unser Ziel war die Mine. Die dunklen Waldläufer ritten zügig voran. Ich hatte kaum eine Chance mitzuhalten. Die Sicht war einfach zu schlecht. Nasse Haarsträhnen klebten in meinem Gesicht, Matsch spritzte mit jedem Hufschlag hoch. Die Schlacht hatte gerade erst begonnen und ich war bereits nass wie ein ausgesperrter Köter. Ein Surren schoss an meinem Ohr vorbei. Feuerten diese Wahnsinnigen etwa in unsere Richtung…? Die Verlassenen kannten wohl gar nichts. Kein Wunder, was macht ein einschlagender Bolzen in einem eh schon toten Körper für einen Unterschied? Ich musste mich in Acht nehmen…

Lautes Gebrüll erklang vor uns. Menschen? Bestimmt. Eine Ranghohe verlassene gab das Zeichen zum Angriff. Berittenes Bogenschiessen. Nie hätte ich mir erträumen lassen, dass ich dies noch einmal in meinem Leben tun müsste. Das Pferd vor mir stieg, Schlamm spritzte mir ins Gesicht. Mein eben gespannter Pfeil schoss unkontrolliert los. Unverständliches Fluchen war zu hören. Ich wischte mein Gesicht mit dem Umhang sauber und versuchte etwas zu erkennen. Mein Pfeil hatte meinen Vordermann durchschossen. Ups…

Wir preschten nach den ersten zwei Pfeilsalven los. Durch die noch stehenden Menschen hindurch pflügten wir unseren Weg mit Schwertern. Wir hatten die Mine beinahe erreicht. Zumindest dachte ich das. Die Sicht war nach wie vor beschissen. Dann endlich betraten wir das Gebiet der Mine. Alle stiegen von ihren Rössern, also tat ich ihnen gleich. Ein brennender Schmerz durchfuhr mein Bein. Ich blickte hinab. Ein Schnitt. Er war ziemlich tief. Seufzend riss ich einen Streifen von meinem Umhang und wickelte ihn notdürftig um die Wunde. Ich musste aufpassen, die Menschen würden mich schlecht von den dunklen Waldläufern unterscheiden können. Es zog mich ins Innere der Mine.

Erleichtert schüttelte ich mich, als ich das Innere der Mine betrat. Endlich trocken. Zwar nicht sonderlich warm, aber trocken. Und ich konnte endlich wieder was sehen. Umhang wie auch Wappenrock waren vollgesogen. Ich drückte sie aus und sah mich um. Einige Fackeln brannten noch an den Wänden, Spitzhacken lagen am Boden. Es wirkte, als ob hier vor wenigen Augenblicken noch gearbeitet wurde. Ich warf noch einmal einen Blick über meine Schulter um sicher zu gehen, dass mir niemand folgte. Ich brauchte unbedingt einen Ort, wo ich ungestört ein paar Leichen stapeln konnte…

Unweit vom Eingang entfernt fand ich tatsächlich eine kleine Nische im Stein, wo locker ein paar Menschen reinpassen würden. Nur die Menschen fehlten irgendwie. Gerade als ich mich umdrehen wollte, verspürte ich einen Schlag in die Seite. Einen Moment musste ich nach Luft ringen, schon wurde ich gegen die harte Steinwand geschlagen. Ein kräftiger Unterarm wurde mir auf die Kehle gedrückt. Übler Atem mit feuchter Aussprache penetrierte meine Wahrnehmung.
Der kräftig gebaute Mensch, welcher mich stur in einer für mich nicht verständlichen Sprache anschrie, beging einen Fehler. Meine Arme und Beine waren frei. Ich trat nach ihm, er taumelte verdutzt etwas zurück. Noch bevor er eine Spitzhacke aufheben konnte, griff ich ihn an den Schultern, rammte ihm mein Knie in die Magengrube und brach ihm mit einem gezielten Schlag mit dem Ellenbogen das Genick. Das war knapp. Mein erstes Opfer hatte ich also.
Ich zerrte den stämmigen Mann in die Nische, welche ich gefunden hatte. Ob da noch mehr Menschen waren? Eigentlich erstaunlich, dass überhaupt noch Menschen in der Mine waren. Vorsichtig spähte ich weiter ins Innere der Gänge. Die Luft war stickig und trotz Fackeln konnte man nicht viel erkennen.

Plötzlich wurde mir der Boden unter den Füssen entrissen. Hart klatschte ich auf dem Steinboden auf. Wieder diese unverständliche Sprache. Dann eine Hand, die mir die Kapuze vom Kopf riss und mich bei den Haaren packte. Ein Knie wurde mir in den Rücken gedrückt. Dann ein dumpfer Schlag mit dem Gesicht auf den Boden. Und noch einer. Dann noch einer. Ein metallischer Geschmack breitete sich in meinem Mund aus. Dann endlich konnte ich mich aus dem Griff befreien. Ich rollte mich zur Seite, zog meinen Dolch und stiess zu. Der Minenarbeiter stöhnte auf und sank zu Boden. Langsam stand ich auf. Ich wankte. Langsamen Schrittes ging ich auf ihn zu. Mehrmals trat ich ihm ins Gesicht. Dann rührte er sich nicht mehr. Auch er wurde in meine Nische geschleift. Kurz musste ich mich hinsetzen. Eines muss man den Menschen lassen. Zuschlagen können sie.

Nach einer kurzen Pause erhob ich mich. Ich sollte mich wieder der Schlacht anschliessen. Zu lange war ich bereits in der Mine. Ich zog die Kapuze tief ins Gesicht und trat wieder ins nasse Blutbad. Ein Verlassener dessen Gesicht wohl schon bessere Tage gesehen hatte, trat auf mich zu. „Wo wart Ihr?“, fragte er mürrisch. „Ich habe die Mine inspiziert.“ Misstrauisch musterte er mich mit seinen gelblich verfärbten Augen. Er kaute einen Moment auf seiner Zunge, was ein ekelhaftes Schmatzen auslöste. „Bleibt besser beim Trupp.“ Ich nickte.

Das war knapp.
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BeitragThema: Re: [WoW] Raxelle/Jerya/Melvelith/Erandon/Lavyria - Das Arathibecken   So 20 Nov - 22:08

Geduld ist eine Tugend.
Geduld ist eine Waffe.
Die Waffe eines Mörders.

Erandon Demour hatte sich hinter einem großzügig gewachsenen Gestrüpp versteckt, und ging seine Waffen durch. Wie immer waren all seine Lieblinge vorhanden, geschärft und bereit für den nächsten Einsatz. Um sich etwas zu beschäftigen griff er zu seinem Messer, welches er klackend in der Hand herumtanzen ließ. Noch war der Regen zu dicht für den Angriff.
Der Verlassene spürte es in seinen Knochen. Bald würde der Zeitpunkt des Angriffs gekommen sein, und er würde glorreich im Alleingang einen ganzen Trupp Menschen aufmischen.
Nun gut, glorreich… Es war in etwa so, wie wenn ein Erwachsener ein Kind zusammenschlägt.

Apropos erwachsen… Erandon seufzte dunkel, als seine Gedanken sich auf Jerya richteten, welche immer noch im Hof ihrer feigen Art Raum schuf. Er hätte sich einfach nicht auf diese noch viel zu junge Verlassene einlassen dürfen. Wie ein Schauer überkam es ihn, immer wenn er auch nur wage an sie dachte…
„Mein dunkles Herz!“

Hm… Irgendwie war es auch nicht verkehrt. Aber eben auch nur irgendwie.

Er schob sich einige der strähnigen, klatschnassen Haare aus dem Gesicht und spähte in den schwarzen Himmel. Der Regenvorhang löste sich bereits langsam auf, und gewährte Blick auf die Umrisse der Ställe, der Schmiede und des Hanges auf welchem das Sägewerk Platz gefunden hatte. Gelegentlich zogen Zauber wie winzige Funken durch die Dunkelheit, dicht gefolgt von gedämpften Schreien, welche zum Großteil vom prasselnden Regen übertönt wurden.

Feine Risse zierten den ansonsten dicht bewölkten Himmel, welche Blick auf die anbrechende Nacht gewährten. Ein Farbspiel aus dunkelblauen und rötlichen Tönen.
Demour steckte seine Waffen zusammen. Die Landschaft konnte er später noch begutachten. Unzählige Messer fanden ihre Wege in seine Taschen, das Schwert wurde in die Scheide gesteckt, die Handaxt grob am Gürtel befestig. Der Munitionsbeutel hing direkt daneben. Gering vorfreudig hob er ganz zum Schluss sein Gewehr an, und sah zum Stall des Arathibeckens hinüber.
Im Schatten des Gebäudes, nur ganz wage wahrzunehmen, bewegten sich die Wachen des Postens. Arme Menschen, denn sie würden heute noch ihren Tod finden.

Ohne Hast wartete Erandon den nächsten Blitz ab, dann rannte er geduckt zu der kleinen Brücke, welche den schmalen Fluss zwischen dem Hang des Sägewerks und den Ställen überschlug. Im Lauf zählte der Verlassene die Sekunden.

Eins… Zwei… Drei… Vier… Fünf…

Punktgenau auf die siebte Sekunde hin sprang der Verlassene unter die Brücke, und duckte sich unter die Überführung. Das Wasser des kleinen Flusses stand ihm knapp bis zur Hüfte.

Acht… Neun… Zehn…

Ein Blitz zog über den schwarzen Himmel hinweg und erleuchtete das Becken, dicht gefolgt von seinem Donner. Die Gehörgänge der Lebenden wurden von diesem Unwetter sicherlich ordentlich gefoltert.
Amüsiert über seinen eigenen Gedankengang, und die Perfektion seines Laufs, watete er durch den Fluss welcher nur in mäßiger Geschwindigkeit in den See überging, in dessen Mitte die Schmiede auf einer Insel ruhte. Dabei gab er sauber darauf Acht, dass sein Gewehr nicht nass wurde, und legte es erst am anderen Ufer wieder auf seinen Schoß. Erneut wartete er ab, zählte weiter.

Fünfzehn… Sechzehn… Siebzehn… Achtzehn… Neunzehn…

Auf die zwanzigste Sekunde bahnte sich der nächste Blitz seinen Weg durch die schwarze Wolkenpracht. Wieder Warten. Als sich die kurze Helligkeit des Himmels wieder verzogen hatte, tauchte Demour aus seinem Versteck unter der Brücke auf und legte das Gewehr an.
Zehn weitere Sekunden hatte er, bevor er wieder in Deckung sein musste.

Zweiundzwanzig… Dreiundzwanzig… Vierundzwanzig…

Der Regen erschwerte die Arbeit. Auch wenn Verlassene im Dunkeln sehr gut sehen können, musste Demour gut hinsehen um die wagen Bewegungen der Wachposten auszumachen. Dass der erste Schuss direkt sitzen musste war ein zusätzlicher Druck.
Aber genau dafür war er ja hier… Nervenkitzel…

Sechsundzwanzig… Siebenundzwanzig…

Eine Bewegung fing seine Aufmerksamkeit ein. Was genau es war konnte er nicht erkennen, allerdings deutete vieles auf ein müdes Strecken der Gliedmaßen hin. Das genügte. Er zielte genauer auf den Quell der kaum sichtbaren Bewegungen. Dorthin, wo er den Kopf des Menschen ungefähr vermutete.

Achtundzwanzig… Neunundzwanzig…

Erandon drückte ab. Der Schuss war sogar durch den prasselnden Regen gut hörbar, und ließ geringen Rauch vom Lauf des Gewehrs aufkommen. Jener jedoch würde durch das Unwetter kaum zu sehen sein. Bevor er an etwas anderes dachte, zog den Ladehebel des Gewehrs einmal vor und zurück.
Ein Schrei gellte durch die Dunkelheit, just in dem Moment als der nächste Blitz das Becken erhellte. Volltreffer. Der Verlassene kostete die aufgeregten Rufe, die Alarmbereitschaft, die Angst der Menschen aus. Das war Macht. Pure Macht.

Das Sicherheit spendende Licht des Blitzes erlosch, und machte dem Donner Platz. Demour lief geduckt zur anderen Seite der Brücke, und legte wieder das Gewehr an. Diesmal hatte er noch weniger Zeit, allerdings gönnten ihm die aufgeschreckten Wachen diesmal perfekte Zielscheiben.

Dreiunddreißig… Vierunddreißig… Fünfunddreißig…

Dass es unter der Brücke, am Ufer des schmalen Flusses, einigermaßen trocken war gewährte dem Verlassenen einen halbwegs sicheren Stand. Er machte eine allzu hektische Bewegung am Rand des Geschehens aus, welches sich bestimmt gerade um die frische Leiche abspielte. Nein, sogar zwei waren es direkt nebeneinander.

Siebenunddreißig… Achtunddreißig…

Die Zeit würde reichen. Er zielte genauer, feuerte, ließ den Schuss nachhallen. Wieder durchzog ein Schrei den Posten, und schreckte die anderen Wachen noch mehr auf. Demour zog wieder am Ladehebel.

Neununddreißig…

Etwas ungezielter feuerte er einen zweiten Schuss ab, bevor er sich wieder unter der Brücke versteckte. Ein weiterer Schrei, dann der Blitz. Inzwischen konnte Erandon die Furcht der Menschen fast schon schmecken. Schlichtweg begeistert fummelte er beim Wandern zurück zur vorigen Seite am wieder am Ladehebel herum.
Somit kam er auf die Sekunde nach dem Blitz wieder zum Zielen.

Einundvierzig… Zweiundvierzig…

Den Bewegungen nach waren es nur noch drei Wachen, welche aufrecht herumtanzten und versuchten, den heimlichen Mörder irgendwie mit einem Blick zu erhaschen. Grinsend fokussierte Demour sich auf den Linken. Der nächste Schuss donnerte, der Naturgewalt ähnlich, von seiner Position aus, und brachte den Menschen zu Fall.

Dreiundvierzig… Vierundvierzig… Fünfundvierzig…

Das Grinsen ging einfach nicht mehr weg, als er sich das Gewehr auf den Rücken schnallte und stattdessen das Messer zog, mit welchem er so gerne herumspielte. Jetzt würde es endlich seinen Sinn erfüllen. Spielerisch ließ der Verlassene die Klinge herausspringen, während er mit betonter Gelassenheit auf den Stall zuging.

Siebenundvierzig… Achtundvierzig…

Die beiden letzten verbliebenen Wachen, ein Mann und eine Frau, kauerten sich neben eine der Leichen. Leider waren sie zu spät darauf gekommen, sich auf den Boden zu werfen. Nun nützte es ihnen auch nichts mehr. Bei genauerer Betrachtung fiel Demour auf, dass es keine Leiche war. Die „Leiche“ war eine schwer verwundete Wache.
Vermutlich hatte er sie mit dem ungezielten Schuss schlecht getroffen. Das passierte auch den größten Meistern mal.

Neunundvierzig…

Er baute sich hinter der Menschenfrau auf, welche zusammen mit ihrem Kollegen versuchte, die Wunden des Verletzten zu behandeln. Dabei bemerkten sie natürlich nicht den Schatten, welcher hinter ihr aufragte.

In der Sekunde, in welcher das Messer seinen Weg in den Nacken der Frau fand, erhellte der nächste Blitz das Becken. Ein Zischen war alles, was noch von der Frau kam als sie zusammenbrach. Der Stich war perfekt in den Nacken eingedrungen. Dass die Arme ihren Helm abgelegt hatte, hatte das Ganze nur noch einfacher gemacht.

Zweiundfünfzig… Dreiundfünfzig…

Ihr Mitstreiter dagegen war durch den Meuchelmord endlich aufgewacht. Ängstlich und entschlossen zugleich sprang er auf, hob sein Schwert und setzte zum Sturmangriff an. Demour griff nach seiner Handaxt, wiegte sie in der linken Hand, bevor er sie direkt in Richtung des übereifrigen Menschen warf.
Die scharfe Schneide der Axt tötete den Kerl sofort, wodurch er auf seinem verwundeten Kollegen zusammenbrach.

Fünfundfünfzig… Sechsundfünfzig…

Die verwundete Wache japste, als der schwere, und vor allem tote, Kollege auf ihn fiel. Der Regen konnte das Keuchen nicht übertönen, welches der Mensch von sich gab als er den Verlassenen sah, wie er sich über ihn beugte, und dabei klackend mit dem Messer spielte.

Siebenundfünfzig… Achtundfünfzig…

„Keine Sorge. Du bist durch die Perfektion selbst gefallen. Deine Familie wird stolz auf dich sein.“
Mit diesen Worten schnitt Demour dem jämmerlichen Wicht die Kehle durch, und ließ ihn seine letzten Sekunden röcheln.

Neunundfünfzig… Sechzig.

Zufrieden betrachtete Demour im Licht des zuckenden Blitzes seine sechs Opfer, welche nun allesamt tot am Boden lagen. Im Alleingang hatte er sie alle umgebracht, und damit einen weiteren Posten für die dunkle Lady gesichert. Innerhalb von einer Minute.
Gerade mal gut genug für die Perfektion.

Mit einem kurzen Murmeln deutet er auf den Adler von Arathor, welcher als Wappen beschützend an den Außenwänden des Stalls prangte. Den Verteidigern hatte er nicht geholfen, und innerhalb weniger Sekunden verbrannte er in einem Quell schwarzen Feuers.
Finster lachend spielte Demour wieder mit seinem Messer herum, und wartete auf die Verstärkung, welche hoffentlich bald eintreffen würde.

Er hatte ein Date mit seinem frostigen Herzen.
Ein Schauer durchzog seine Knochen.

Mein dunkles Herz!
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BeitragThema: Re: [WoW] Raxelle/Jerya/Melvelith/Erandon/Lavyria - Das Arathibecken   So 20 Nov - 22:11

Unaufhaltsam peitschte der Regen an die teils rissigen Scheiben. Gekrümmt verharrte eine in feinste Roben gekleidete Gestalt über einem Tisch. Jerya war nicht kriegerisch veranlagt. Zumindest war sie nicht fürs Schlachtfeld gemacht. Lieber hielt sie sich im Hintergrund. Bastelte an Experimenten, nähte verlorene Körperteile wieder an, oder kochte gemütlich ein Süppchen. In diesen Tagen jedoch hatte sie keine Zeit, Suppe zu kochen. Sie folgte Erandon Demour aufs Schlachtfeld. Vielleicht sogar etwas wehmütig starrte sie durch das gesprungene Glas des Fensters, welches sich direkt bei ihrem Labortisch befand. Feige hatte er sie genannt. Pure Blasphemie. Wer war sie denn, dass sie sich von diesem alten Knochen etwas zu sagen hatte? Ach ja... Sein dunkles Herz, wie er sie gerne nannte.

In all den Gedanken versunken wurde ihr bewusst, dass sie nicht das hübsche Mädchen von einst war. Nein, sie war eine Verlassene. Zwar ihrer Meinung nach noch immer sehr ansehnlich, dennoch verlassen. Ein metallisches Geräusch und nerviges Geplärr riss sie aus ihren Gedanken. Grummelnd drehte sich die Apothekerin um. Ein junger Menschenkrieger in einem engen Käfig, die Arme auf den Rücken gefesselt, schlug seinen Kopf immer und immer wieder gegen die Gitterstäbe. Dabei beschimpfte er Jerya lauthals. Jene schnalzte wütend mit der fauligen Zunge, griff willkürlich nach einer Flasche auf ihrem Labortisch und schmiss sie in den Käfig. Leises Zischen und schmerzverzerrtes Wimmern war das Resultat. Momente wie dieser liessen die Verlassene vergessen, wer einst ihr Volk war.

Summend und dennoch missgelaunt widmete sich Jerya wieder ihrem Labor. Ein Tröpfchen hiervon, gemischt mit einer Prise davon. Gut schütteln, dann abwarten. Mit schlechter Laune konnte man einfach kein gutes Resultat erzielen. Ihre treue Made Bernd hockte auf dem Labortisch und vertilgte genüsslich ein Stück Fleisch. „Du hast’s gut, mein Kleiner.“, murmelte die Apothekerin und glitt einmal sanft mit ihren knochigen Fingern über die glitschige Haut der Made. Dann erklang wieder die Stimme des Menschenkriegers. Sein Atem ging keuchend. „I-ihr… verdammten… Missgestalten….! W-wir… werden Euch alle vernichten!“ Ein Überhebliches Gackern erklang aus Jeryas Kehle. Sie drehte sich um und ging langsam auf den Menschen zu, griff durch die Gitterstäbe nach seinem Hals. „Du kleiner Wurm! Jeder einzelne deiner toten Kameraden wird sich uns anschliessen! Jedoch nicht du… Mit dir habe ich andere Pläne…“ Sie liess von dem röchelnden Menschen ab, welcher sofort auf die Knie fiel.

Mit einem sichtlichen Lächeln im von Verwesung durchzogenen Gesicht schritt sie zurück zu ihrem Labortisch. Ja, sie liebte es, zu foltern, experimentieren und zu quälen. Ihr stand noch viel Spass bevor. Doch zunächst war eine Schlacht zu gewinnen. Der eigentliche Zweck ihres Einsatzes konnte sie zwar nach wie vor nicht nachvollziehen. Feldversorgung… Bisher war noch kein einziger ihrer Krieger gekommen. Die Menschen waren wohl zu schwach. Dabei mochte sie den Klatsch und Tratsch beim Gliedmassen annähen.

Plötzlich sprang die Tür auf. Jerya zuckte zusammen. Ein vom Regen und Schlamm durchtränkter Verlassener stand im Türrahmen. „Mach die Tür zu, es zieht!“, keifte die Apothekerin. Der Verlassene spuckte eitrig auf den Boden und salutierte knapp. „Apothekerin Jerya?“ – „Anwesend.“ – „Ich habe hier ein Schreiben für Euch…“ Sie leckte sich über die Lippen, ihre gelb verfärben Augen blitzten kurz auf. „Welcher Idiot schickt mir ein Schreiben aufs Schlachtfeld?“ Der Bote zuckte mit den knöchernen Schultern. „Er nannte sich ‚die Perfektion‘, ziemlich eingebildeter Kerl, wenn Ihr mich fragt… Aber er meinte, es sei wichtig.“ Harsch nahm die Apothekerin den Umschlag an sich und brach das Siegel auf. Sogar an ein Siegel hatte er gedacht. Diesem Verlassenen war wirklich nicht mehr zu helfen. Sie entfaltete das nasse Papier.

„Mein dunkles Herz… Die Perfektion hat es vollbracht! Wie bereits erwartet wurden die Ställe in einer perfektionierten Taktik erobert. Ich hoffe, du amüsierst dich in deinem feigen Loch, in welchem du dich verkriechst!

Gezeichnet
Die Perfektion

P.S. Ich erwarte Kräutersuppe wenn ich zurück bin!“


Zähneknirschend zerknüllte sie den Brief, knallte ihn auf den Labortisch und griff nach einer Phiole. Leise vor sich hin fluchend füllte sie einige verschiedene Substanzen in diese, vermischte es fein säuberlich und trat auf den Käfig zu. Oh ja, sie liebte es, zu foltern und zu quälen!
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