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 [WoW] Cheida - Leidensweg

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LeKüken
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BeitragThema: [WoW] Cheida - Leidensweg   So 20 Nov - 22:00

Die Scholomance.
Ausbildungsort für die Kultisten der Verdammten.
Und Schauplatz der wohl widerlichsten Experimente der Geißel.

Heutzutage ist diese Schule der dunklen Künste weitestgehend befreit. Ihre Lehrer wurden getötet, die Experimente erlöst oder befreit auf dass sie wieder ein normales Leben genießen konnten. Die ersten Verlassenen unter der Bansheekönigin Sylvanas Windläufer machten sich schon auf der Insel Caer Darrow breit, auf der diese verlassene Schule stand.
Wo es heute so ruhig war, war es zu Zeiten der Geißelinvasion sehr geschäftig.

26 Jahre nach der Öffnung des dunklen Portals.

Cheinesse Sonnensang, später Melvelith El’Thanas genannt, eilte durch die dunklen Gänge der Scholomance. In einer dunklen Ecke hielt sie an und ließ ihre Verfolger, die Kultisten die für die Experimente an Elfen verantwortlich waren, vorbeirennen.
Seit der Invasion der Geißel, in der sie am Sonnenbrunnenplateau gefallen war, war sie niemals mehr so richtig wach gewesen. Nur aus der Ferne hatte sie die Stimmen ihrer Peiniger gehört, die sich für diverse Forschungen an ihr vergangen hatten.

Den Schmerz hatte sie jedoch auch im forcierten Schlaf gespürt.

Fassungslos und hastig ein und ausatmend betrachtete sie in der Dunkelheit ihre Hände. Leichenblass. Als ob sie seit Jahren keine Sonne gesehen hätte. Nur schwer riss die Elfe den Blick von den Händen herauf. Die Kultisten waren im Gang verschwunden. Die Luft war rein.
Cheida hechtete in die andere Richtung davon. Wo der Ausgang war wusste sie sowieso nicht, also war jeder Abstand zwischen ihr und den Kultisten eine gute Sache.
Sie rannte und rannte und rannte. Sie bog mal hier ein, mal dort. Und trotzdem hatte sie das Gefühl überhaupt nicht voran zu kommen. Allerdings verspürte sie auch keine Müdigkeit vom langen Laufen. Auch ihr Atem wurde nicht noch hektischer.

Zudem spürte sie kaum die abgewetzte Stoffrobe die sich dürftig um ihren Körper schlang. Ansonsten trug die Elfe gar nichts. Ein Vorteil, wenn man so will. Die nackten Füße auf dem Steinboden hörte man nicht so laut wie die Stiefel der Kultisten.
Schlussendlich prallte die flüchtende Elfe fast mit einer Wand zusammen.

Eine Sackgasse!

Beinahe schon panisch tastete Cheida über den Stein der Wand. Kein eindrückbarer Stein, nichts. Und sie hörte die schnellen Schritte der Kultisten bereits wieder hinter sich. Ohne bessere Alternative drückte sie sich in die Ecke und zog die Beine fest an. Vielleicht würde sie so übersehen werden.
Die Schritte kamen näher.

Cheida’s Angst ließ ihr Herz schlagen wie verrückt. Sie wollte nicht wieder schlafen. Nicht wieder so gequält werden. Was war mit ihr geschehen, dass sie aussah wie eine Untote?
Eine Strähne fiel ihr ins Gesicht. Weißes Haar.
Und an ebenjenem wurde sie aus der Ecke gezogen. Cheida schrie erschrocken, hatte sie den Kultisten der sie geschnappt hatte nicht bemerkt. Unter der Kutte konnte sie sein Gesicht nicht genau sehen. Er warf sie in die Mitte der Verfolger.

Die Elfe keuchte und stöhnte als die ersten Tritte auf ihrem Körper einprasselten. Die spürte, wie ihre Rippen brachen. Sie schmeckte ihr Blut, welches ihr großzügig in den Mund floss. Aufgeplatzte Lippe und gebrochene Nase sei Dank.
Wie lange das Treten anhielt wusste sie am Ende nicht mehr. Sie lag nur noch zusammengekauert am Boden und wimmerte vor sich hin. Da kam einer der Kultisten wieder näher, hockte sich vor ihrem Gesicht hin und hauchte seinen schlechten Atem in ihr Gesicht.

„Experiment 132.“

Cheida sah mit einem Auge ängstlich zu dem Mann hoch. Das andere wollte sie gar nicht öffnen. Es wurde heftig von einem Fuß getroffen, und schmerzte dementsprechend.
Experiment 132. Das war wohl sie. Gab es so viele leidende Wesen wie sie in dieser Hölle?
Der Kultist fuhr fort.

„Ich denke wir werden noch eine Menge Freude an dir haben.“

Eine schwere Müdigkeit überfiel Cheida. Sie wehrte sich nur kurz, dann fehlte ihr dafür schon wieder die Kraft. Sie schloss das eine Auge.
Gedämpft hörte sie Stimmen. Einen schrillen Bohrer.

Unendliche Pein zog durch ihren ganzen Körper. Doch sie konnte nicht schreien. Sich nicht bewegen um ihrem Schmerz Ausdruck zu verleihen. Sie durfte nur aushalten.
Hoffnungslosigkeit überfiel die Elfe. Sie würde hier nicht mehr herauskommen.
Auf sie warteten Jahre des Schmerzens, bis der Tod sie erlösen würde.






Ein Jahr zuvor.

Gebannt beobachteten die Verteidiger des Sonnenbrunnens das Duell. König Anasterian Sonnenwanderer gegen „König“ Arthas Menethil.
Die Geißel war bis zum Sonnenbrunnen vorgedrungen. Silbermond stand in Flammen, die Hoffnung der Hochelfen war gebrochen. Und doch kämpften sie noch um ihren allerletzten Schatz, den Sonnenbrunnen, zu verteidigen.

„UNBESIEGBAR!“

Cheida drängelte sich in die erste Reihe der Wächter. Respektvoll hatten sie Abstand zu dem Duell Arthas gegen Anasterian genommen, in dem Glauben ihr König würde mit seiner jahrhundertelangen Erfahrung gegen diesen Verräterprinzen gewinnen.
Schließlich war er nur ein Junge, trotz alledem.

Und die Hoffnung der Männer schien sich zu bewahrheiten. Arthas‘ untotes Ross brach zusammen als Anasterian ihm beide Vorderbeine durchtrennte. Merkwürdig dass der Verräterprinz „Unbesiegbar“ schrie, als er vom Ross fiel. Fehleinschätzung.
Die Wächter jubelten, sowohl jene die direkt am Geschehen standen als auch die, die auf dem Plateau die Unterstützung von der Ferne gaben. König Anasterian hatte bereits fast gesiegt. Arthas beugte sich über sein untotes Reittier und schien… bestürzt.

Bestürzung die sich schnell in Wut verwandelte.

Der eben noch gefeierte König der Hochelfen geriet in die Defensive als Arthas voll Zorn auf ihn einschlug. Das Jubeln der Wächter verstummte sofort. Aufgeregtes Raunen wanderte durch die Reihen der vordersten Verteidiger. Cheida sah einfach nur gebannt zu.

Aber dem Schrei des Entsetzens konnte selbst sie sich nicht entziehen, als die Runenklinge des Verräterprinzen tief in die Brust ihres geliebten Königs drang.
Just als Anasterian Sonnenwanderer zusammenbrach, brach Chaos in den Reihen der Hochelfen aus. Viele rannten, einige hoben ihrem Schicksal ergeben die Waffen. Die blonde Elfe tat letzteres. Arthas triumphierender Schrei ließ sie alle wanken.

„Niemand darf überleben!“

Die untoten Herrscharen der Geißel fielen über die wenigen standhaften Verteidiger her wie Heuschrecken. Egal wie viel Widerstand geleistet wurde, gegen die schiere Masse konnte niemand etwas ausrichten. Das Kreischen der Banshees ließ Trommelfelle platzen und den Mut zerschellen wie Glas.
Schlussendlich rannte auch Cheida um ihr Leben.

Nur aus den Augenwinkeln sah sie die Bogenschützen die das Plateau herunterfielen, getroffen von den Gargoyles oder den schrecklichen Fleischkatapulten. Die flüchtenden Verteidiger wurden in großer Zahl von den Pfeilen und Zaubern der Untoten eingeholt. Neben Cheida fielen zwei Männer zu Boden. Eingefangen von den Fleischhaken einer Monstrosität. Eine frei wurde schreiend von einem Gargoyle in die Luft gehoben und in Richtung Geißelarmee davongetragen.

Lange bevor sie die verlockende Sicherheit des Plateaus erreichte wollten Cheidas Beine nicht mehr weiterlaufen. Mit tauben Gliedmaßen fiel sie vornüber in den Dreck. Unfähig zu kriechen, zu schreien oder sonst etwas zu tun. Ihr Körper wollte ihr nicht mehr gehorchen. Ein Soldat trat ihr bei seiner Flucht auf den Kopf.
Dankenswerterweise verlor sie dadurch das Bewusstsein…

… nur um in einer noch ungünstigeren Situation wieder zu erwachen.
Das Gras um sie herum war schwarz. Die Leichen der Verteidiger lagen überall verteilt herum. Vom Plateau her hörte sie Schreie.
Und dann spürte sie die unglaubliche Leere in ihrer Brust. Schlagartig wusste sie, was geschehen war.

Die Geißel hatte den Sonnenbrunnen erobert.

In der Ferne sah die blonde Elfe eine kleine Gruppe Blutelfen. Unter ihnen sowohl Soldaten als auch Frauen mit Kindern. Die entfernten Befehle klangen an ihr Ohr.
„Sammelt euch bei Faraan Val’naar! Rückzug!“
Keine Kraft zum Schreien. Müde versuchte Cheida sich auf die Arme zu stemmen. Langsam spannte sie ihre Arme an um den Oberkörper zu heben.
Dann wurde sie am Nacken gepackt und in die Luft gehoben.

„Was für ein schönes Exemplar ihr seid… Der Meister wird zufrieden sein!“

Stinkende Hände tasteten ihr über den Körper ohne Schamgefühl. Fauliger Atem drang ihr in die Nase als an ihrem Haar gerochen wurde. Dann wurde sie auf den Boden geworfen. Angst schnürte ihr die Luft ab. Sie kroch zurück.
Was durch einen Fuß unterbunden wurde, der sich in ihre Magengegend rammte.

„Na! Nicht weglaufen!“
Zitternd sah sie in das entstellte Gesicht. Wie gefroren. Die schwarze Rüstung des untoten Mannes triefte nur so vor Dreck. Er grinste breit als er sich über sie beugte, das Gesicht so nah wie möglich an das ihre platzierend.

„Ich bin Erandon Demour. Und du bist mein neues Spielzeug.“

Seine dunkle Lache begleitete den Tritt ins Gesicht, der Cheida wieder vom Bewusstsein erlöste.




3 Jahre nach Cheidas Fluchtversuch aus der Scholomance.

Zwei Kultisten schleiften die blonde Elfe über lange Gänge, schmal beleuchtet durch bläuliche Flammen die in Vertiefungen an den Wänden brannten. Beide Träger hatten jeweils einen Arm gepackt und ließen den Rest des Körpers ungeachtet über den kalten staubigen Boden gleiten.
Doch Cheida spürte davon kaum noch etwas.

Nur undeutlich konnte sie die Veränderung der Farbe wahrnehmen. Beinahe komplett betäubt waren ihre Sinne. Die Augen offen zu halten erwies sich als Qual ohnegleichen. Lieber einfach geschleift werden. Ohne Anstrengung. Wie gerne würde sie wieder schlafen.
Wie lange sie wohl geschlafen hatte?

Der Untergrund wandelte sich von kalt und staubig zu warm und glitschig. Der Geruch von frischem Blut kroch unaufhaltsam in ihre Nase. Er unterschied sich leicht vom Geruch des eigenen Blutes. Diesen feinen Unterschied bemerkte sie jetzt. Ihre eigene Entdeckung hatte etwas schauderhaftes an sich.
So lange hatte ihre Qual angehalten. Dass sie nun aus ihrem schmerzhaften Schlaf erwacht war und fortgebracht wurde war entweder ein besonders gutes oder besonders schlechtes Zeichen. Nach einigen langsamen Gedankengängen entschied sie sich dafür gar nicht erst auf das Gute zu hoffen.

Irgendwann wurde sie dann einfach auf den Boden geworfen. Und just in dem Moment als ihr Kopf hart auf dem Steinboden aufschlug verschwand ihr Halbschlaf und machte stiller Panik Platz. Zu schwach, oder zu müde, um sich richtig zu bewegen drehte sie sich stöhnend um und erblickte blutrote Hallen. Vorhänge aus rotem Magiestoff umrahmten einen Thron. Die Stufen davor zeigten ganz eindeutig warum es überall so glitschig war.

Kürzlich vergossenes Blut, mittendrin im Prozess des Trocknens. Überall. Panisch… langsam kroch die Elfe zurück und wagte es einen Blick auf ihren Körper zu werfen. Der dünne Stoff fiel ihr fast vom Körper, ausgezehrt wie sie war. Eher mit einer Leiche zu vergleichen. Von der Hautfarbe her mit einer Wasserleiche. Die Haare immer noch schneeweiß.
Kein Gefühl mehr in den Fingerspitzen. Oder den Beinen, wie sie gerade merkte.

War sie tot? Nein. Sie atmete noch. Und besann sich zur Ruhe. Die Kraft die sie zum Schreien verschwenden würde, würde ihr fehlen. Bald.
Cheidas Ohren zuckten. Leise, im Blute tapsende Schritte. Direkt auf sie zu. Verstecken konnte sie sich in die fettigen Haare schmieren. Vielleicht tapste da gerade ihr Todesurteil auf sie zu. Wenn sie so darüber nachdachte wäre das gar keine so schlechte Sache.

Eine gruselige Gestalt erschien hinter einem der roten Vorhänge. Gekleidet in einem fast schon königlichem Kleid mit passenden Sandalen. Natürlich alles passend zur Umgebung in einem dunklen Rotton gehalten. Auf dem Kopf ruhte eine rostige Krone die so gar nicht zum Kleid passen wollte.
Der Schauder entstand aber nicht von der Kleidung her. Die Gestalt war todblass, wie Cheida selbst. Blutrote Lippen verzogen sich zu einem Grinsen während das zum Zopf geflochtene lange schwarze Haar zwischen zwei ledrigen Flügeln am Rücken baumelte.

Diese… Elfe… sah verdammt nach dem verzerrten Abbild einer Vampirin aus. Jene Wesen die so gerne in Nachtgeschichten benutzt wurden.
Schauergeschichte wurde Wahrheit. Die heisere Stimme der Vampirin erklang erst als diese beinahe direkt über ihr stand. Leise waren die Worte und doch gut zu verstehen.
„Du hast lange gelitten, armes Mädchen. Möchtest du hier raus?“

Ohne viel nachzudenken nickte Cheida einfach. Mit Stolz zu prahlen würde ihr hier nicht weiterhelfen, schweigen genauso wenig.
Die Vampirin lächelte, was irgendwie noch ekelhafter war als das Grinsen.
„Oh, du wirst hier bald rauskommen. Eher als du denkst.“

Natürlich hatte die Sache einen Haken. Natürlich würde sie hier nicht ohne weiteres rauskommen. Aber das war der nun weißhaarigen Elfe recht egal. Etwas besseres als der Tod konnte ihr nicht wiederfahren.

Etwas schlechteres…
Als sie so darüber nachdachte wäre Cheida bestimmt blass geworden, wenn sie es nicht schon eh gewesen wäre.
Die Vampirin sprach einfach weiter.
„Ich bin die, die du bald nur noch mit Blutkönigin ansprechen wirst. Wir werden eine Menge Spaß haben!“

Eingeschüchtert wollte Cheida sich aus der direkten Nähe zu der Vampirin zurückziehen, doch diese hatte sich bereits breitbeinig auf sie gesetzt. Eine recht anzügliche Geste, mochte man meinen. Sie streichelte ausgelassen über die Arme, Schultern, Brüste und das Gesicht der todblassen Elfe. Beinahe genießend könnte man sagen. Cheida ließ es über sich ergehen, vielleicht kam sie ja irgendwie noch hier raus.

Eine Hoffnung, die närrischer nicht sein konnte. Die Blutkönigin beugte sich pfeilschnell über sie und versenkte ihre spitzen Eckzähne in ihrem Hals.
Cheidas Gedanken schalteten sich aus. Der Schmerz war nebensächlich. Den spürte sie schon seit ewiger Zeit andauernd in ihrem Schlaf. Aber die Gewissheit dass es vorbei war ließ voll Ironie ihr Herz wieder pumpen wie verrückt. Adrenalin schoss ihr quer durch den Körper als die Königin ihre Handgelenke auf dem Boden presste während sie mehr und mehr Blut aus ihr saugte.
Viel zu viel.

Die weißhaarige Elfe strampelte wie verrückt, konnte sich jedoch nicht gegen die Königin durchsetzen. Die eben noch wiedergefundene Aktivität wich so langsam der drückenden Müdigkeit der sie vor einiger Zeit noch verfallen war. Nur diesmal würde sie ewig halten. Cheida spürte den Tod an die Haustür klopfen. Seine Kälte legte sich über sie wie eine Decke. Und die Königin trank weiter ihr Blut, ungeachtet dass ihr Opfer dabei im Sterben lag.

Sie trank sogar noch weiter, als die Müdigkeit Cheida überwältigte. Die weißhaarige Elfe stieß ihren letzten schwachen Atemzug aus. Ihr Blick verlor sich ins Leere und wich einem grauen Farbenspiel. Sogar als ihr Körper völlig erschlaffte trank die Blutkönigin noch weiter. Kein Rest würde im toten Körper übrig bleiben.
So wie der letzte Rest Blut aus dem Körper der Elfe auf die Lippen der Königin floh, so floh das Leben aus ihr.
Und alles war weiß und warm.

Wie durch ein Glasfenster sah Cheida auf ihren toten Körper herab, wo die Königin endlich zurückwich. Ja, sie konnte noch blasser werden. Das was von Cheinesse Sonnensang geblieben war sah einfach nur abscheulich aus. Die Blutkönigin stand schlicht auf und leckte sich über die Lippen. Dann schleifte sie den Körper zu ihrem Thron.
Weiter verfolgte Cheida die Szenerie nicht. Eine warme Hand legte sich auf ihre nackte Schulter. Aufmerksam geworden drehte sie sich um und blickte in das Antlitz ihrer Mutter. Direkt hinter ihr stand der Vater.

Wortlos griff die wieder blonde Elfe nach der Hand ihrer Mutter und ließ sich vom Glasfenster wegführen. Ohne einen Blick zurück zu werfen ging sie mit ihren Eltern in das strahlende Weiß.
Wunderschön.










Vor über hundert Jahren.

Alles brannte.
Verdammt! Alles brannte!
Cheida wurde erschrocken aus dem Bett gezogen. Ihre Schwester Heliana stand im Nachthemd dort, genau wie sie. Der Rauch stieg von den Flammen am Fenster zur Decke auf und brannte in der Nase. Der jungen blonden Elfe kam das alles wie ein böser Traum vor als sie heraus aus dem Schlafzimmer durch die langen Gänge des Anwesens geschleift wurde.
Überall Rauch. In jedem Zimmer in das man hineinspähen konnte das Feuer. Nur gedämpft hörte sie durch ihren Schock zustand Helianas Stimme.
„… müssen hier raus! Mutter und Vater sind bestimmt auch schon…“

… dann ging die Stimme in einer Explosion unter. Ein Raum hinter ihnen. Ein Gästezimmer in dem zum Glück zurzeit niemand lebte. Trotzdem, der Schreck ließ Helianas Griff von Cheidas Unterarm abgleiten. Die Elfe fiel beinahe zu Boden.
Mehr aus Überlebensinstinkt als aus wirklicher Übung stützte sich Cheida mit den Händen ab und rappelte sich schnellstmöglich auf. Heliana vergewisserte sich kurz über ihre Unversehrtheit und rannte dann weiter gen Treppe. Der sichere Eingang des Anwesens war nicht mehr weit weg. Cheida strauchelte hinter ihrer Schwester her. Der Rauch tat so langsam in der Nase weh und raubte ihr den Verstand.

Überall Flammen…
Direkt vor ihr stürzte die Decke ein. Es knackte, und Tonnen an Holz brach vor ihr ein und verschüttete den Gang. Der Boden gab ein ungutes Geräusch von sich. Helianas gedämpfte Stimme kam von der anderen Seite.
„… anderer Weg!“

Angst schnürte der blonden Elfe beinahe die Kehle zu. Das nachdenken fiel ihr schwer. Wo sollte sie jetzt lang? Sie würde hier verbrennen und begraben werden. Sie war zu jung zum sterben.
In ihrer Panik rannen Tränen über ihre Wangen, die bereits dunkel angehaucht waren vom Rauch. Da kam ihr die rettende Idee.
Die Küche!
Gehetzt rannte sie zurück, bog zwei Räume weiter ein und ging ohne viel Sinn und Verstand durch die Räume. Dreißig lange Jahre lebte sie hier, die Gewohnheit ließ sich auch vom Stress und der Angst nicht besiegen. Das Feuer arbeitete sich unaufhaltsam durch die Räume die sie passierte, gab aber glücklicherweise noch Wege frei die sie durchqueren konnte. Schließlich gelangte sie in die Küche. Die Treppe auf der anderen Seite würde sie herunterbringen.

Eine weitere Explosion erschütterte das Gebäude. Geschirr und Besteck flogen auf den Boden und machten den Weg so richtig schön holprig. Trotzdem rannte Cheida weiter. Das zerbrochene Geschirr riss ihr die blanken Fußsohlen auf.
Egal. Sie musste hier raus.
Mit blutigen Fußabdrücken stürmte sie die Treppe herunter. Ein Gang noch, dann wäre sie frei. Ohne großen Grund sah sie noch in das Arbeitszimmer neben sich beim vorbeirennen…
… und hielt inne. Ihre Mutter, Anarielle Sonnensang, stand dort und warf einen Kältezauber nach dem anderen auf die Flammen. Zwecklos. Feuer welches gelöscht wurde, wurde beinahe auf dem Fuße von neuem ersetzt. Anarielle sah zu ihrer Tochter und sah erleichtert aus.
„Mutter!“

„Cheida! Ich bin gleich da! Ich…“
Weiter kam sie nicht. Gerade richtete sie ihre Zauber auf den Eingang um zu ihrer Tochter zu gelangen als die Decke über ihr einstürzte. Die Magistrix wurde von einem Holzbalken eingeklemmt. Kurz lag sie wie tot dort, dann stemmte sie sich auf die Unterarme. Entsetzt beobachtete Cheida, wie ihre Mutter versuchte sich zu befreien nur um zu scheitern. Die Flammen wuchsen weiter an.

„MUTTER!“

Cheida wollte vorstürmen, überlegte es sich allerdings bei den Flammen vor sich anders. Sie konnte ihrer Mutter nicht einfach so zurücklassen. Sie verfluchte ihre Hilflosigkeit. Als ihre Mutter anscheinend aufgab ihr Bein zu befreien konnte die junge blonde Elfe kaum atmen.
„Cheida, hör mir gut zu.“

Anarielle sprach laut genug um über das Feuer gut gehört zu werden. Und sie sprach ruhig. Ohne Angst. Beruhigend.
„Du. Musst. Weiter. Du musst leben, Cheida. Geh, und werde erwachsen. Mach diese Welt zu einem besseren Ort. Ich bin mir sicher, du kannst das.“

Wieder ein Versuch seitens Cheida in den Raum zu gelangen. Keine Chance. Das Feuer war zu hoch.
„Ich lasse dich nicht zurück!“

„GEH, Cheinesse Sonnensang. Ich bitte dich nicht, junge Dame! Für alle Gestalten, die du mit deiner Anwesenheit bereichern und verfluchen wirst. Verdammt nochmal! LAUF!“
Diesmal stolperte Cheida etwas zurück und sah unschlüssig von ihrer Mutter zu dem Gang der die Freiheit bedeutete.
„JETZT!“

Sie lief los. In einem Affenzahn durch den Gang der so langsam von den Flammen erreicht wurde. Hinter ihr brach wieder die Decke ein, doch diesmal sah sie nicht zurück. Der Rauch nahm ihr den Atem und sie wusste dass sie nicht überleben würde wenn sie nicht schnellstens herauskam.
Erleichtert durchstieß sie die angesengten Vorhänge am Ende des Ganges…
… und kam nicht mehr zum stehen. Sie prallte im vollen Lauf gegen den Balkon, flog über ihn und ein Stockwerk tiefer in das weiche Gras vor dem Anwesen. Ein Knacken, dicht gefolgt von heftigem Schmerz.

Als sie versuchte aufzustehen knickte ihr linkes Bein weg. Warmes Blut floss über die schmerzende Stelle. Es war gebrochen, und zwar sehr unschön. Ohne einen Blick darauf zu wenden kroch Cheida weiter, weg vom Anwesen. In der Ferne sah sie ihre Schwester zusammen mit ihrem Bruder auf sie zulaufen.
Erleichtert ließ sich die blonde Elfe fallen als sie von ihren Geschwistern an den Armen davon geschleift wurde. Als sie auf den Rücken gedreht wurde brannte das Anwesen deutlich sichtbar lichterloh. Hoffnungsvoll sah Cheida zum Eingang.

Ihr Vater war ein begabter Waldläufer. Er konnte Mutter bestimmt retten. Die beiden würden gewiss noch rauskommen.
Ganz bestimmt.
Es konnte gar nicht anders sein.
Niemand kam. Das Anwesen brannte weiter.
Und brach zusammen.

Sprachlos beobachtete Cheida wie ihr Zuhause zusammenkrachte und dort weiter von den Flammen verzehrt wurde. Die Wahrheit ergriff sie wie ein Schlag ins Gesicht. Ihre Eltern waren in diesen Trümmern. Tot. Ihre Geschwister setzten sich neben sie, vergruben die Gesichter in den Händen. Weinten.
Cheida saß stumm daneben und weinte eher nebensächlich. Der Schmerz in ihrem Bein und der Verlust ihrer Eltern hatten sie irgendwie… betäubt.
Was sollten sie jetzt machen?

Die verbliebenen Sonnensangs saßen vor dem etwas zu groß geratenen Lagerfeuer.

Du musst leben.
Mach die Welt zu einem besseren Ort.
Für alle Gestalten, die du mit deiner Anwesenheit bereichern und verfluchen wirst.





Die Wärme war schlagartig gewichen. Die Gestalten ihrer Eltern waren verblasst und schließlich ganz verschwunden. Nicht einmal die Zeit für einen Schrei war Cheida gegeben als sie der kalte Griff am Bein gefasst hatte. Zurück zum Fenster gezogen hatte. Das Gefühl der Zufriedenheit wechselte zu purer Panik als sie durch das Fenster geschleift wurde wie durch eine Wasseroberfläche.
Und dann lag sie wieder dort. Auf dem Boden. Die Augen geschlossen. Stille um sie herum und ihr Körper fühlte sich verdammt taub an. Der kalte Boden war, im Gegensatz zu vorher, kaum merklich von der Temperatur her.

Einige Minuten verharrte Cheida so.
Bis sie merkte dass sie nicht atmete.

Vor Schreck riss sie die Augen auf und sah sich um. Immer noch diese blutroten Hallen. Immer noch ihr todblasser Körper. Aber er fühlte sich anders an. Probeweise kniff sie sich in den Unterarm. Sie spürte es, aber kein richtiger Schmerz kam auf. Aus Gewohnheit atmete sie, bevor sie ausprobierend den Atem wieder anhielt.
Kein Problem. Das würde sie tagelang durchhalten.
Die Stimme der Blutkönigin hob sich hinter ihr, und hallte dumpf in ihrem Schädel wieder.

„Erst hatte ich vor dich zu einer meiner San’layn zu machen… Aber du kennst das vielleicht. Die Vorschriften. Stattdessen bist du die erste Ritterin meiner persönlichen Einheit. Glückwunsch.“
Ungeschickt stand Cheida auf und drehte sich um. Die Königin saß auf ihrem Thron, die Flügel gelassen auf und ab bewegend. Sie lächelte breit und wies zu einem großen Spiegel an der Wand.
„Sieh dich an.“

Wäre ihr eigenes Interesse nicht groß genug gewesen damit sie sich in Bewegung setzte, Cheida hätte sich dem Drang der sich auf einmal in ihr aufstaute nicht widersetzen können. So ging sie Schritt für Schritt zum Spiegel und erstarrte davor. Wie lange mochte es her sein dass sie sich das letzte Mal im Spiegel begutachtet hatte?
Ewigzeiten. Damals war sie noch blond und einigermaßen schön gewesen. Was sie jetzt vor sich sah war in keinster Weise mehr sie. Todblass, immer noch blutleer gesaugt von der guten Blutkönigin. Die blauen Augen ersetzt durch ein eiskalt blaues glimmendes Leuchten in den Augenhöhlen. Das schneeweiße Haar legte sich strähnig um ihr Gesicht und zögerte auch nicht sich in ihrem Sichtbereich breit zu machen.

Wenigstens eine Sache die noch ein bisschen an die blonde Cheida von damals erinnerte.
Entsetzt und fasziniert zugleich betrachtete sie sich im Spiegel. Eine Ritterin, hatte die Königin gesagt.
Eine Todesritterin der Geißel.
Sie war nun also eine von denen, die ihr Reich vernichtet hatten. So fühlte sich das also an… Ekelerregend. Sie wollte raus aus diesem Körper und wieder in die warme Umarmung des Nichts. Aber das würde ihr nicht gewährt werden.

Just in dem Augenblick in dem sie die volle Bedeutung ihrer neuen Existenz erkannt hatte wallte in ihrer Brust ein atemberaubendes Gefühl auf. Als könnte sie Berge versetzen. Eine unfassbare Wut packte die blasse Elfe und trieb sie dazu irgendetwas zu zerschlagen.
Es erwischte den Spiegel.

Die Königin hinter ihr lachte herzhaft als sich Cheida zu einem wütenden Schrei hinreißen ließ. Ein Kreischen, heller als sie es zu Lebzeiten jemals hinbekommen hätte. Sie erinnerte sich. Das Kreischen der Banshees hatte so ähnlich geklungen, nur nervenaufreibender. Hatte sie solche Kräfte nun inne? Und war dazu verdammt sie für den Verräterprinzen Arthas einzusetzen?
Das Gefühl von Macht war berauschend, das Gefühl von Sklaverei weniger. Sie drehte sich zu der Königin um und ging zu ihr zurück. Der Drang befahl es. Sie kniete vor der Vampirin nieder und sah auf den blutverschmierten Boden. Zu der Macht gesellte sich in ihrer Brust die Dominanz ihrer Herrin. Und sie selbst hatte keine andere Wahl als es einfach geschehen zu lassen.
„Cheinesse, so war dein Name. Richtig? Ich sehe schon, du wirst ganz ausgezeichnet dienen.“

Cheida schwieg. Ihr Mundwerk konnte sie nicht kontrollieren. Eine gute Sache.

„Cheinesse. Ich erkläre dir mal wie das hier läuft. Du dienst mir, ich diene dem König. Stellst du dich gut an bekommst du entsprechende Freiheit im Dienste des Herren… und natürlich mir. Solltest du widerspenstig sein wird sich dein Eigenwille in den Willen eines hirnlosen Ghuls verwandeln. Verstanden?“
Die blasse Elfe betrachtete ihre Optionen. Sie konnte sich wehren gegen den Griff der Königin und alles in ihrer Macht stehende tun um nicht zu gehorchen. Das hatte die Konsequenz dass ihr jeglicher Wille geraubt werden würde. Gefangen in einem Körper. Keine gute Aussicht.

Wenn sie sich fügte… konnte sie zumindest etwas wie Freiheit genießen. Handlungsfreiheit in dem was sie tat.
Der Geißel dienen.
Die Entscheidung dauerte keine zwei Sekunden. Sie musste das Beste aus dem machen was sie hatte. Sowie es ihr bestimmt war würde sie irgendwann wieder ihren Platz im Nichts einnehmen.
„Ja, Herrin.“

„Braves Mädchen. Du wirst viel Spaß haben. Ich bin die Blutkönigin. Lana’thel. Du warst lange in Gefangenschaft. Die Folter hat dir gewiss jedes Fünkchen Wissen aus dem Hirn gequetscht.“
Cheida sah einfach weiter zu Boden. Einerseits war sie gespannt, was mit ihr geschehen würde. Andererseits wollte sie das gar nicht wissen. Aber schlussendlich durchzuckte der Drang zu dienen wieder die Brust. Brachte alle Gedanken zum stillstehen und fixierte die Elfe nur noch auf die Worte der Königin.

„Geh. Rüste dich aus mit allem was du brauchst. Und… informiere dich. Du wirst es merken wenn ich wieder mit dir sprechen will.“
Die blasse Elfe erhob sich und ging, wieder schweigend, davon. Sie konnte den nachfolgenden Blick von Lana’thel im Nacken spüren. Als sie aus der Halle heraustrat fand sie sich in einem betrieblichen Gang wieder. Überall Elfen, alle todblass und mit eiskaltem Blick. Zielgerichtet ihren Aufgaben nachgehend. Sagte die Königin nicht, sie wäre die erste gewesen?

Dann fiel Cheida der Unterschied auf. Alle anderen hier trugen Roben oder Lederrüstungen. Das waren keine Todesritter. So viel hatte sie noch von der Verteidigung von Quel’Thalas im Kopf. Todesritter trugen schwerste Rüstungen und größte Waffen.
„Cheinesse Sonnensang!“
Der Ruf kam von einem der toten Elfen in einer blutroten Robe. In seiner Hand ein Pergament hatte sich sein Blick auf die blasse Elfe fixiert die aus der Halle getreten war. Cheida ging auf ihn zu und senkte den Blick.

„Euch wurde befohlen, euch auszurüsten. Folgt mir.“
Steif drehte er sich um und ging voraus. Cheida folgte ohne Widerworte.

Die Zukunft mochte ungewiss sein, aber während die frisch gebackene Todesritterin so zwischen den anderen toten Elfen ging wusste sie dass es egal war, was genau geschah. Es gab nur das oberste Ziel für sie und alle anderen hier und das vereinte sie in einer perversen Art und Weise.

Diene dem Meister.










Vor 107 Jahren.
76 Jahre vor der Öffnung des dunklen Portals.
Cheidas Alter: 37 Jahre.

„Nimm die Häppchen gleich mit. Und sag ihnen das bald serviert wird!“
Cheida nahm erprobt die beiden beladenen Tabletts in die Hände und stieß mit ihrem Hintern die Tür zur Küche auf. Dasselbe Prozedere, immer wieder. Bei den Feierlichkeiten ihres Herren wurde an nichts gespart. So war die Dienerschaft im Dauereinsatz bis spät in die Nacht um die Gäste zu versorgen.
Ihr Bruder rief ihr noch etwas nach, aber da war sie bereits aus der Küche verschwunden. Ihn hatte der gezwungene Einstieg in die Reihen der Bediensteten am wenigsten ausgemacht. Küchenchef war er geworden. Es waren die Reste der von ihm zubereiteten Speisen, welche die restliche Dienerschaft jeden Morgen vorgesetzt bekam.
Und selbst kalt schmeckte es noch gut.

In der alten und dünnen Robe ging die blonde Elfe barfuß gen Speisesaal. Auf dem Weg kam sie an unzähligen Zimmern vorbei. Das Anwesen ihres Herren Hilderil Schattenernter war bestimmt fünfmal so groß wie das der Sonnensangs gewesen. Und herrlich eingerichtet. Von dem Teppich zu ihren Füßen konnte man essen.
Bestimmt auch schlafen wenn es mal wieder eng in den Kammern wurde.
Der Lärmpegel nahm zu. Cheida näherte sich dem Saal. Vor dem verhüllenden Vorhang blieb sie stehen und sammelte sich gerade um wieder ihr sehenswertes Lächeln aufzusetzen bevor sie die Gäste bediente. Da hörte sie die vertraute Stimme hinter sich.

„Willkommen auf den Festlichkeiten, Herr. Lasst mich euren Umhang nehmen.“
Heliana Sonnensang nahm einem gut gebauten Elfen in schmutziger Lederkluft den Umhang ab. Es folgte eine rothaarige Frau bei der Cheidas Schwester dasselbe veranstaltete. Lächeln, begrüßen, Umhang abnehmen, hineingeleiten. Als das Pärchen hinter den Vorhang in den Speisesaal trat hörte man begrüßendes Raunen in den Gästereihen.
„Heliana. Wie voll ist es?“
„Brechend, Cheida. Brechend voll. Wir werden bis zum Morgen mit aufräumen beschäftigt sein.“

Die blonde Elfe seufzte. Beide Tabletts wurden meisterhaft balanciert. Kein Wunder bei jahrelanger Übung. Heliana betrachtete sie kurz nachdenklich, dann fuhr sie fort.
„Hast du den Herren heute schon gesehen?“
„Nein.“

Kurz sah Cheida sich um, dann senkte sie die Stimme.“
„Ich bin da auch recht dankbar drum.“

Ihre schwarzhaarige Schwester deutete gen Speisesaal.
„Weißt du wer das eben war? Sartagus Del’Thalar. Und seine Gefährtin Delaya. Du weißt schon. Der Offizier.“
„Wirklich?“

Mit offenem Mund sah sie gen Vorhang. Dieser schmutzige Elf war ein Offizier? Wahnsinn. Er sah gar nicht danach aus…
Ein breit gebauter Elf betrat die Eingangshalle vom Küchenweg aus. Für jeden Gast recht unscheinbar war er für die Dienerschaft des Hauses Schattenernter klar als der Hüter zu erkennen. Unter seinem Umhang trug er diverse kleine Knüppel und die Stachelpeitsche. Seine grollende Stimme brachte die plaudernden Schwester sofort in eine stramme Haltung.
„He! Ihr! Zurück an die Arbeit! Plaudern könnt ihr in der Pause!“

Heliana übernahm für ihre Schwester das verbeugen. Cheida atmete einmal tief durch und ging dann durch den Vorhang in den Speisesaal. Es war wirklich so voll wie Heliana es beschrieben hatte. Und stickig. Aber das schien keinen der Gäste zu stören. In perfekter Grüppchenbildung standen sie um den langen Tisch herum auf dem bald die herrlichsten Gerichte serviert werden würden. Mit stetem Lächeln auf den Lippen ging die blonde Elfe von Grüppchen zu Grüppchen und bot den Gästen die Häppchen an. So ziemlich alles tummelte sich auf ihrem Tablett. Käsebrote, gerollter Schinken und kleinere Früchte.

Beide Tabletts waren im Nu befreit von den Häppchen. Sie war nicht einmal zur vorletzten Gruppe gekommen. Trotzdem ging sie zur vorletzten und klemmte sich die Tabletts unter den Arm bevor sie sich vor den Gästen verbeugte.
„Kann ich den Anwesenden noch etwas bringen?“
Alle lehnten dankend ab.

Glück gehabt. Cheida hatte immer Schwierigkeiten damit sich alle Wünsche zu merken. Gerade als sie zur letzten Gruppe aufbrechen wollte legte sich eine vertraut warme Hand auf ihre Schulter.
„Cheida. Mir scheint als würdest du mich ignorieren.“

Sie drehte sich um und sah direkt in das Gesicht ihres Herren Hilderil. Das rabenschwarze Haar umspielte sein gespielt freundliches Gesicht. Freundlichkeit und Fairness waren Dinge die er vor anderen spielte. Arroganz und Härte waren die Dinge, mit denen die Dienerschaft ihren Herren beschrieb.
Natürlich nur unter vorgehaltener Hand. Eine Verfehlung hatte schlimmste Konsequenzen.

Die auf einmal verschwindenden Diener waren niemals Zufälle gewesen.

„Nein Herr. Euch würde ich niemals ignorieren.“
Die Worte flutschten wie gewohnt aus Cheida heraus, das Lächeln inzwischen schon festgefroren. Ihre Züge schmerzten bei der andauernden Lächelei schon. Sie musste schnell aus dem Speisesaal. Eine missmutig dreinsehende Dienerin war eine Verfehlung.

„Sehr gut. Bisher bin ich absolut zufrieden mit euren Leistungen. Das kannst du deinen Kollegen berichten.“
Er schmatzte.
„Mein Lob auch an den Koch.“

Cheida bekam Probleme damit ihr Lächeln breiter werden zu lassen um Freude vorzuspielen. Hoffentlich bemerkte ihr Herr nichts.
„Danke, Herr. Ich werde es ausrichten. Sofort. Wenn ihr gestatten würdet.“
„Hm… Jaja. Tu dies.“

Wieder verbeugte sich die blonde Elfe und machte gerade Anstalten an ihm vorbeizugehen als eine Hand ihren Hintern berührte.
Seine Hand.
Angespannt stieß Cheida die Luft aus und blieb stehen. Das Gespräch war wie befürchtet noch nicht vorbei. Würde sie ihrem inneren Willen gehorchen würde sie angeekelt seine Hand wegschlagen und davonrennen.
Aber ihr Wille zählte schon lange nicht mehr. Nicht einmal für sie selbst.

„Cheida, du darfst dir das aufräumen sparen. Stattdessen kommst du nach den Feierlichkeiten in meine Gemächer.“
Kurz prüfte sie das Lächeln auf den Lippen. Gut, das hatte gehalten bis jetzt. Sie drehte sich um und verbeugte sich tief.
„Wie ihr wünscht, Herr. Aber ist die Herrin nicht im Hause?“
„Nein, die ist auf Reisen bis morgen Abend.“

Mist.

„Verstehe, Herr. Ich werde ihr einen Empfang vorbereiten.“
„Und komm nicht zu spät.“

Wieder eine tiefe Verbeugung, dann ging sie schnellen Schrittes aus dem Saal. Immer wieder musste sie staunen über das Netzwerk welches die Dienerschaft aufgebaut hatte. Dabei wusste sie selbst wie dies funktionierte.
Augenkontakt. Nach so vielen Jahren der Zusammenarbeit konnte man jeden Kollegen lesen wie ein Buch.
So war die blonde Elfe fasziniert aber nicht verwundert als sie bei ihrem Weg zurück zur Küche nur auf mitleidige Blicke traf. Wissend. Endlich aus dem Saal gekommen brach das Lächeln sofort und machte einer missmutigen Miene Platz. Heliana kam auf sie zu und packte sie am Arm.

„Nuriel übernimmt für dich, Cheida. Geh in die Kammer und…“
„Nein. Nuriel hat heute Abend ihre Pause, oder? Ich arbeite weiter.“
„Du musst…“
„Ich habe Aufgaben zu erledigen, und das gedenke ich zu tun.“

Kurz sah sie ihrer Schwester in die Augen, dann gab jene nach. Sie konnte Cheida in diesem Moment nicht davon abbringen. Dass der Herr ein Schwein war änderte nichts an ihren Pflichten. Wenn die Pflichten vernachlässigt wurde war das eine Verfehlung.
Sie wand sich aus dem Griff ihrer Schwester und ging wieder in Richtung Küche. Den Blick gesenkt. Natürlich wusste es jeder. Die Blicke spürte sie auch am Hinterkopf. In solchen Momenten war die Dienerschaft wie eine riesige Traube aus tratschenden alten Tanten. Jeder weibliche Part dieser Traube wusste inzwischen was Cheida durchmachen musste. Auch von der Scham die damit einher ging.
Interessierte keinen. Begafft wurde die blonde Elfe trotzdem.

Seufzend stieß sie die Tür zur Küche auf und hielt sich sofort die Hand vor die Nase. Der brennende Geruch von Rauch fuhr in ihre Nase. Selbiger verdunkelte die Küche. Irgendwo aus der riesigen Wolke hörte sie die Worte ihres Bruders.
„Cheida! Wir haben ihr ein klitzekleines Problem! Der Fisch ist im Ofen explodiert!“

Es gab Momente im Leben in denen wollte Cheida einfach nur hinknien und stumm weinen. Dies war einer davon. Nicht nur dass ihr perverser Herr um ihre Gesellschaft bat, nein auch noch das Essen war ruiniert.

Das würde Schläge zur Folge haben.
Moment, war das nicht sogar ein guter Abend?

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BeitragThema: Re: [WoW] Cheida - Leidensweg   So 20 Nov - 22:01


Vor drei Jahren.
28 Jahre nach der Öffnung des dunklen Portals.
Cheidas Alter: 141 Jahre.

Acherus, die schwarze Festung. Hoch gelegen über dem Meer. Der Wind heulte sogar noch innerhalb der festen Saronitmauern als die blasse Elfe vom Balkon aus hereintrat. Ihre Schritte waren lautlos und die wachen, eisblauen Augen begutachteten die Räumlichkeiten aufmerksam. Blut verschmierte die Wände an einigen Stellen, tropfte zu Boden. Der Dreck der Ghule belagerte den Boden wohl schon eine ganze Weile.

Als sie in den kreisrunden Raum mit der Kampfgrube gelangte ruhten alle Blicke auf ihr. Der Neuen. Die gelben Äuglein der Ghule dümmlich, die wachen Blicke der Acherusritter misstrauisch… oder gleichgültig.

Cheida zog sich die Kapuze in den Nacken. Das schneeweiße Haar fiel auf ihre Schultern und hob sich kaum von der blassen Haut ab. Im direkten Kontrast stand die graue bis schwarze Rüstung. Saronitverstärkt, genug Freiheit bietend. Der Kilt bedeckte beinahe vollständig ihre Füße bis zu den Zehen.
Sie konnte die Kälte des Bodens spüren, und den kalte Wind der durch jede kleinste Öffnung der Festung fand.
Ihr Körper passte sich der kühlen Umgebung an. Dann spürte sie den Unterschied schon gar nicht mehr.

Ihr Blick fand den Untoten der losgelöst von der Menge auf sie zutrat. Einer der neuen Verlassenen. Sie erkannte ihn nicht an der schwarzen Plattenrüstung.
Nur am Gesicht welches sie vor fünf Jahren dreckig angegrinst hatte. Sie hatte diesen Moment nie vergessen.
Erandon Demour.

„Ah, Cheinesse Sonnensang. Wie gut dass du es geschafft hast.“
Die Todesritterin schwieg. Sie spürte die Blicke in ihrem Nacken, an ihrer Wange… einfach überall. Aber sie ignorierte alle außer den ihres früheren Peinigers. Im Nachhinein war sie nicht nachtragend. Keineswegs. Sie dienten doch alle dem Meister.

Also nickte sie nur. Demour fuhr fort.
„Die Blutkönigin ließ dich ankündigen und hat genaue Forderungen gestellt. Wir haben dein erstes Opfer bereitgestellt.“
Wieder schoben sich zwei Gestalten aus dem Meer aus Blicken um sie herum. Zwei Ghule die eine regungslose Elfengestalt mit sich schleppten. Eine Frau. Bestimmt war sie mal hübsch gewesen bis sie in die Hände der Geißel gefallen war. Nun war ihr braunes Haar fettig, ihre Haut blass und der Körper ausgezehrt.

Die Erlösung des Todes kam ihr sicher nicht ungelegen.

Als die Ghule näherkamen bemerkte Cheida dass diese Elfe sehr wohl wach war. Teilnahmslos betrachtete sie die Umgebung in die sie gebracht wurde. Schreckte ein wenig vor den lauernden Blicken der Zuschauer zurück. Nichts im Vergleich zu dem Schrecken der sie ereilte als sie zu Cheida sah.
Gewissenheit blitzte in ihren Augen auf. Merkwürdig. Als ob sie wusste, dass sie ihrem Tod gegenüberstand.
Wusste sie es vielleicht? Tief in ihrem Inneren?

Nur nebensächlich hörte sie die Stimme von Demour, nun hinter sich da sie sich den heranschleppenden Ghulen vollkommen zugewendet hatte.
„Eine Zauberin der Hochelfen. Du wirst lachen. Die letzten Idioten die noch zur Allianz stehen, auch nachdem sie dort damals unter ihrem Prinz wie Sklaven behandelt wurden.“
Das verstärkte Leder von Cheidas Handschuhen knartschte als sie die Fäuste ballte. Sie hatte bei ihrer Königin die neusten Entwicklungen ihres Volkes erfahren.
Von ihrem Dasein als gebrochene Schoßhündchen der Menschen. Ihrer Flucht in die Scherbenwelt. Und ihr Versagen in Nordend.
Was ihr Volk wohl gerade machte? Einerlei. Zum ersten Mal hob die blasse Elfe das Wort, eine kurze knappe Frage.

„Name?“

Man konnte Demours Kinnkratzen geradezu hören. Völlig still war es in der schwarzen Festung. Kein Geräusch durchbrach die Stille, jedenfalls bis die Ghule die Elfe vor Cheidas Füßen abluden und zurück zur Menge schlurften. Die Blicke wandten sich nicht von der Neuen und ihrer ersten Beute ab.
Nun waren alle mehr oder weniger interessiert.
„Melvelith El’Thanas. Sie hat keinen Gefährten, und keine Kinder. Das einzige was sie hatte war ihre Arbeit.“

Cheida wollte noch eine Frage stellen, aber ein merkwürdiges Gefühl legte sich über ihre Zunge. Beschwerte sie. Hinderte sie am Formen der Wörter. Leise rannen merkwürdige Laute über ihre Lippen. Die Menge bekam davon nichts mit, Demour sehr wohl. Er verengte die Augen.
Das spürte sie im Nacken.
Gelassen bleibend versuchte Cheida das Gefühl auf ihrer Zunge zu erfassen. Es war irgendwie… schleimig. Wie ein dicker Aufstrich auf ihrer Zunge der sie beschwerte. Sie schluckte. Der Schleim hielt stand.

Dann bewegte sie die Mundhöhle etwas. Rieb die überschattete Zunge an den Mundwänden.
Ein Schmatzen kam dabei heraus. Hand in Hand mit dem befreiten Gefühl auf der Zunge.
Zufrieden sprach sie dann leise.
„Also wird sie niemand vermissen.“

Demours Aufmerksamkeit wich. Sein Blick wich von ihrem Nacken und fand zu der am Boden liegenden Elfe, welche zugleich angsterfüllt als auch gespannt zu Cheida heraufsah. Die Zuschauer bewegten sich teilweise auf der Stelle. Vielleicht angespannt geworden durch das lange Nichtstun.
Die blasse Todesritterin beugte sich nieder, packte die Zauberin am Kragen ihrer schmutzigen Robe und warf sie kurzerhand in die Kampfgrube. Das Staunen über diese Kraft hielt sich in Grenzen. Am Anfang war es faszinierend gewesen. Jetzt Gewohnheit.

Mit einer lockeren Handbewegung zog sie ihre Runenklinge blank als sie in die Grube nachstieg. Die Zauberin kroch langsam vor ihr Weg. Der lange Aufenthalt in Acherus schien ihre Kräfte jedoch vollkommen gebrochen zu haben.
Langsam trat die Zuschauermenge zum Rand der Grube vor. Demour zog sich in die Menge zurück. Seine Aufgabe war wohl getan. Nun waren die Blicke, die Cheida in ihrem Nacken spüre, hungrig. Hungrig auf den Tod der bald in der Grube niederfahren würde.
Geleitet durch ihr Schwert.

Unverständliche Worte kamen von der hilflosen Zauberin. Als Cheida direkt über sie getreten war hörte sie auf zu kriechen. Kauerte sich nur zusammen und wimmerte. Jede Sekunde der Angst kostete Cheida aus. Dieses Gefühl der absoluten Macht über eine Person war noch nicht zur Gewohnheit geworden.
Es war immer wieder berauschend.

Sie streckte die freie Hand nach der Elfe aus. Ohne ein Wort schoss ein schwarzer Blitz aus ihren Fingern, legte sich um den Hals ihres Opfers und hob es empor auf Augenhöhe. Röcheln. Todesangst, welche die Augen weitete. Der Angstschweiß.
Und die begierigen Blicke ihrer Zuschauer.

Cheida hob die Klinge seitwärts an und zog die Miene zu einem fürchterlichen Grinsen. Dann ein kurzes Schwung.
Der enthauptete Körper der Elfe, Melvelith El’Thanas, brach zu Boden. Das Blut breitete sich auf dem Boden der Kampfgrube aus, sickerte durch jeden kleinen Durchgang. Dieser Fleck würde die trainierenden Todesritter hier noch lange begleiten. Der Kopf wurde weiterhin vom schwarzen Blitz hochgehoben. Der Blick der Zauberin, der von jeglichem Lebenslicht verlassen war, ruhte leer auf Cheinesse Sonnensang.
Die blasse Elfe sah zurück in den toten Blick. Zufriedenes Raunen durchzog die Menge als die schlurfenden Schritte von Ghulpfoten und Plattenstiefeln sich zurückzogen. Die Neue war akzeptiert worden, nun ging es mit den Vorbereitungen weiter.

Cheida betrachtete weiter das Augenpaar des Kopfes ohne Körper. Auch Demour war am Rand der Grube geblieben. Beobachtete sie und ihr erstes Opfer. Nachdenklich.
Schlussendlich ließ Cheida den Kopf zum Körper herabsinken.
Irgendwie wusste sie, dass der Name ihres ersten Opfers sich für eine sehr lange Zeit in ihr Hirn brennen würde.
Melvelith El’Thanas.








Vor 87 Jahren.
52 Jahre vor der Öffnung des dunklen Portals.
Cheidas Alter: 61 Jahre.

„Wir brauchen mehr Salz!“
Cheida hatte diesen Satz schon viele Male gehört. Doch niemals stand sie dabei unter Tränen. Niemals hatte er ihr so weh getan. Sie hoffte das erste Mal es gäbe kein Salz mehr. Sonst wäre das immer eine Verfehlung gewesen.
Heute würde das nur mehr Qual für ihre Schwester Heliana bedeuten.
Der Hüter hatte seine Peitsche bereits wieder zum Schwung erhoben. Der Rücken von Heliana war blutüberströmt, die Robe nur noch Fetzen von den vielen Hieben. Die Strafe war öffentlich, vor der gesamten Dienerschaft um erneut zu demonstrieren was bei einer Verfehlung geschah. Jeder Kollege, jede Kollegin war beeindruckt.
Alle zuckten zusammen als der Hüter sich vor dem nächsten Hieb den Zuschauern zuwandte.
„MEHR SALZ!“

Stumme Gebete entflohen Cheidas Lippen. Bitte kein Salz mehr.

Das Licht hatte sie noch nie erhört. So auch dieses Mal nicht. Chronas, einer der Köche unter ihrem Bruder, brachte dem Hüter das Salz in die Hand. Heliana hatte sich bisher gut gehalten. Doch als ihr Peiniger diese Zutat auf ihren Rücken streute schrie sie vor Qual auf. Sie wand sich auf dem Boden. Flehte um Gnade.
Und das alles nur, weil sie mit einem Tablett hingefallen war.

Einmal.

Die Dienerschaft zuckte bei jedem weiteren Hieb zusammen, den der Hüter auf Helianas Rücken gab. Sie litten stumm mit ihrer Kollegin. So ziemlich alle hatten bereits Strafen über sich ergehen lassen. Durch die Tränen konnte Cheida nicht die unzähligen Narben an ihren Handgelenken entdecken. Vielleicht war das auch besser so.
Einzelne Blutstropfen fanden ihren Weg vom Rücken der Sonnensangtochter zum geputzten Küchenboden. Die Temperatur im Raum war eisig kalt, verstärkt durch das Schauspiel vor Cheida welches ihre Adern gefrieren ließ. So untätig zu sein war eine schreckliche Sache.

Aber für eine weitere Verfehlung ihrerseits würde Heliana weiter bestraft werden.
So wurde die Dienerschaft davon abgehalten zu viel Hilfestellung zu geben.
Hilflos ballte die blonde Elfe die Fäuste und sah zu ihrem Bruder, welcher ebenso untätig dort stand. Er biss sich wütend auf der Unterlippe herum. Baute die Situation eher durch Wut als durch Tränen ab.
Wieder ein Hieb. Wieder zuckte die Dienerschaft kollektiv zusammen.

Dann auf einmal: Stille.

Mit gelassenem Schritt trat der Herr, Hilderil Schattenernter, durch die Menge der Zuschauer. Er hatte sein übliches, falsches Lächeln aufgesetzt und sah fixiert auf den Hüter der mitten im Schwung inne gehalten hatte. Jeder Blick ruhte nur auf ihm, außer natürlich der von Heliana. Diese lag regungslos auf dem Küchenboden, wenn man von ihrem Zittern absah.
Der Herr legte beinahe freundschaftlich eine Hand auf die Schulter des Hüters als er ihn erreichte. Immer noch lächelnd sah er auf Heliana herab. Ein leiser Wortwechsel zwischen ihm und dem Hüter, dann bahnte sich letzterer durch die Dienerschaft einen Weg nach draußen. Seine Arbeit war getan.
Die Schritte des Hüters waren die einzigen Geräusche in der Stille. Nervenaufreibend. Beinahe erschrak Cheida als der Herr die Stimme hob.
„Ihre… Schwester… darf sie jetzt mitnehmen.“

Auf perverse Art dankbar stürzte Cheida aus der Masse und kniete sich aus dem Lauf neben Heliana hin. Sie sank mit dem Gesicht nah an Helianas, stammelte unverständlich Worte der Beruhigung, streichelte über ihr Haar. Ihr Gesicht.
Heliana lächelte entfernt, gab aber keinen Ton von sich.
Gerade als Cheida Anstalten machte ihre Schwester wegzutragen wurde sie heftig in die Seite getreten. Sie stöhnte, krümmte sich zusammen und fiel neben Heliana zur Seite. Noch ein Tritt. Sie hielt sich wimmernd den Bauch. Wissend dass es kein wirklich guter Schutz ist.

Verschwommen durch den Schmerz hallte die laute Stimme des Herren. Er sprach zu der gesamten Dienerschaft. Die blonde Elfe drückte einige Tränen aus und sah dann kurz klar ihren Bruder der inzwischen aus der Unterlippe blutete. Er ballte die Fäuste, zitterte. Aber hielt an sich.
„Ich DULDE keine Verfehlung! Keine einzige! Und wenn ich euch wieder einmal die Konsequenz von Verfehlung zeigen muss…“
Er wandte sich Cheida zu und richtete locker eine Hand auf ihr rechtes Bein. Zeige- und Mittelfinger wurden vorgestreckt.
„… dann soll es so sein!“

Ein ekelhaftes Knacken. Cheida schrie vor Schmerz als ihr Bein an mehreren Stellen einfach brach. Sie krümmte sich, schlug auf den Boden und kniff die Augen zu. Wieder Worte von ihrem Herren, doch sie konnte sie nicht verstehen. Der Schmerz betäubte ihre Sinne. Probeweise versuchte sie ihr Bein zu bewegen. Unmöglich, außer unter höllischer Pein.
Dann sah sie durch die Tränen hindurch dass sich ihr Herr entfernte. Stattdessen beugte sich eine andere Gestalt, wohl ihr Bruder, über Heliana und hob sie auf die Arme. Sie bewegte sich nicht. Sicher war sie wegen der Bestrafung ohnmächtig geworden. Die Dienerschaft blieb still. Ließ sich von der Vorführung beeindrucken. Ob die Opfer dadurch auch systematisch gedemütigt wurden war ihnen egal.
Als er Heliana sicher auf den Armen hatte beugte er sich noch einmal nieder und sprach laut und deutlich. Trotzdem verstand Cheida nur die Hälfte.
„… an meinem Bein… stütze dich an… raus.“

Die geschundene Dienerin versuchte sich am Bein ihres Bruders hochzuziehen. Keine Chance. Endlich kam jemand aus der Dienerschaft zu Hilfe. Sie erkannte die Person nicht. Nicht einmal ob sie Mann oder Frau war. Sie wurde auf die Beine gehoben, sodass sie sich an ihrem Bruder stützen konnte. Trotzdem dass sie ihr Bein nicht belasten musste tat es tierisch weh.
So entrang sich ihr ein leidendes Wimmern als ihr Bruder sie aus der gaffenden Menge hinaus führte. Aus dem Notfallausgang in der Küche hinaus ins Freie. Die Sterne sahen spottend fröhlich auf die Geschwister herab. Als Cheida wieder einige Tränen rausgedrückt hatte begutachtete sie das schöne Nachtbild. Das Meer, welches sich direkt hinter dem Anwesen des Herren erhob und ein prachtvolles Gemälde abgegeben hätte.

Etwas abseits vom Anwesen ließen sie sich nieder. Der Garten war zwischen dem Meer und dem Anwesen groß angelegt. Und gerade so dass es absolut keine Möglichkeit zur Flucht gab.
Es zu versuchen galt als Verfehlung.
Die nächtlichen Insekten ließen ihr Konzert erklingen. Keiner der Dienerschaft war den Geschwistern gefolgt, also nahmen sie sich die Zeit, atmeten tief durch.
Heliana blieb regungslos. Cheida sank ins weiche Gras und ließ sich auf dem Rücken liegen. Die Sterne waren wunderschön. Etwas weiter weg hörte man das Meer rauschen. Wunderbar.
Ein Hauch von Freiheit.

Gebrochen wisperte Cheida.
„W-wie geht es ihr?“

Ihr Bruder seufzte schwer und ließ sich, dem leisen Geräusch nach zu urteilen, gerade auf den Hintern plumpsen.
„Sie wird es schaffen. Weitere Narben… Aber nichts Bedrohliches. Sie ist ohnmächtig geworden. Das erspart ihr das schlimmste.“
Nun seufzte auch Cheida und schwieg. Sie hörte sich eine Weile das Orchester der Insekten, des Windes der Baumkronen und des rauschenden Meeres an. Gerade als sie wieder ansetzen wollte etwas zu sagen hörte man ein dumpfes Geräusch. Ihr Bruder erhob sich, nahm sein Küchenmesser vom Gürtel und wartete gespannt.

Ebenfalls angespannt traute sich Cheida gar nicht, sich vom Rücken wegzudrehen. Einfach still liegenbleiben…
Leise Stimmen… Durch das Orchester hörte die blonde Elfe genau hin. Spitzte die Ohren. Die Stimmen kamen näher… Man konnte einzelne Fetzen mitbekommen.
„… ob sie Brot haben. Wir haben jetzt gerade die Gelegenheit. Beweg dich!“
Merkwürdig. Cheida kannte die Stimme. Entfernt. Sie klang wie…

Die Verursacher der Stimmen durchbrachen die Büsche der Beete im Garten. Zuerst konnte man sie im Halbdunkel nicht erkennen. Die blonde Elfe sah nur wie ihr Bruder das Messer wegsteckte und irgendetwas stammelte.
Dann kam eine der beiden Gestalten näher. Und Cheida fiel ein Stein vom Herzen. Sie erkannte sie sofort. Ihr braunes Haar, zusammengesteckt zu einem Knoten. Die besorgten grünen Augen. Immer übervorsichtig.

Lavyria.

„Cheida!“ brach sie hervor bevor sie auf ihre alte Kindheitsfreundin zustürmte. Direkt neben ihr landete sie auf den Knien und fuhr fühlend mit den Händen über Cheidas Körper. Diese zischte schmerzerfüllt als Lavyria über ihr Bein strich.
„Alwaros. Nimm du Cheida hier. Sie hat ihr Bein gebrochen.“
Auf einmal herrschte eine Hektik die Cheida nur noch von den Feierlichkeiten ihres Herren kannte. Ihr Bruder schnappte sich erneut Heliana die immer noch nicht von ihrer Ohnmacht aufgewacht war. Ein anderer Mann mit schwarzem Haar beugte sich über Cheida und hob sie vorsichtig an. Sie stöhnte vor Schmerz, riss sich aber zusammen.
Wurden sie befreit? So viel Glück hatte sie sich gar nicht mehr erhofft.

Das Orchester der Nacht war nun völlig egal. Eiligst wurde Cheida davongetragen, zurück ins Beet und durch die ausgesprochen gut gepflegte Pflanzenwelt hindurch zu der magisch verstärkten Mauer die das Anwesen umriss. Sie war äußerlich gesehen leicht zu erklimmen, aber wer es versuchte wurde sofort von einem Zauber gelähmt.
Ihre Schritte waren leise auf der Erde die sie überschritten. Cheida krallte sich hoffend an diesem Alwaros fest. Wer das wohl war? Ein Freund von Lavyria? Sicherlich, sonst wäre er nicht bei diesem Ausflug mitgekommen.

An der Mauer entlang gingen sie in Richtung des einzigen Ausgangs vom Anwesen. Dem großen Gitter, welches den Eintreffenden Einlass in das Anwesen gewährte. Einen schönen Brunnen mussten Besucher auf dem Weg zum Hause passieren. Außerhalb der Feierlichkeiten wurde das Gitter nur für den Herren oder seine Gemahlin persönlich geöffnet.
Und jetzt stand es einfach so offen…

Ein Mann schloss sich ihnen noch an. Er rannte mit ihnen. Die Flucht artete in einem Sprint aus, in dem Cheida in den Armen von Alwaros ordentlich durchgeschüttelt wurde. Erst als sie gefühlte Meilen zwischen sich und das Anwesen gebracht hatten ruhten sie sich aus. Cheida wurde sanft ins Gras gelegt.
Eine ungeahnte Zufriedenheit umfasste Cheidas Herz. Sie waren frei. Nach all den Jahren im Dienste des schrecklich grausamen Herren waren sie endlich frei. Sie konnte es gar nicht fassen.
Leises Gemurmel kam von den Männern. Lavyria hatte sich neben Heliana gesetzt und fuhr mit den Händen über ihren geplagten Rücken. So sehr sich Cheida auch bemühte, sie konnte den Mann nicht erkennen der ihnen das Tor zur Freiheit geöffnet hatte. Sie wollte sich vor ihm auf die Knie werfen vor Dankbarkeit.

Nun… Mit dem Bein wäre das vielleicht keine so gute Idee. Allerdings war der Schmerz einer angenehmen Taubheit gewichen, die nur unsagbar weh tat wenn man das Bein direkt bewegte.
Immerhin ein Anfang.
Nach einigen Minuten murmelten die Männer immer noch, und Lavyria wandte sich Cheida zu. Ihr lächelndes Gesicht füllte in der Dunkelheit das gesamte Blickfeld der blonden Elfe aus. Und das beruhigte sie ungemein.

Sie versuchte die Stimme zu heben, stieß jedoch auf einen Kloß im Hals. Sie wollte weinen vor Freude. Anstatt der Worte der Dankbarkeit kam nicht viel brauchbares über ihre Lippen.
„L-lavyria. Ich. Ich…“

„Schhhhh. Ruh dich aus, Cheida. Wir bringen dich an einen sicheren Ort. Du bist frei.“
Und auf einmal übermannte Cheida tatsächlich eine ungeahnte Müdigkeit. Lavyria strich ihr übers Haar, bleib bei ihr. Nahm ihre Hand und drückte sanft zu. Die blonde Elfe lächelte als ihre Augen nicht mehr wollten und sich schlossen.

Und das sanfte Nachtorchester trat wieder ein und wiegte Cheida sanft in den Schlaf der Freiheit.









Vor zwei Jahren.
30 Jahre nach der Öffnung des dunklen Portals.
Cheidas Alter: 143 Jahre.

Der letzte Schlag seitens der Geißel. Die Kapelle des hoffnungsvollen Lichts. 300 Verteidiger gegen eine Übermacht der Geißel.
Einfach.
Cheinesse Sonnensang schnitt mit ihrer Runenklinge durch die Reihen der Verteidiger. Das Licht würde ihnen heute nicht mehr helfen können. Um sie herum tobte die Schlacht. Schreie, die Geräusche des unmittelbaren Gefechts und das Gurgeln der Ghule. Perfekte Atmosphäre. Die Kampfeslust stieg in der blassen Elfe auf als sie einen Menschen seines Kopfes beraubte.
So einfach.

Hochlord Darion Mograine ritt an ihr vorbei und brüllte irgendetwas was sie nicht genau vernahm. Dafür verspürte sie umso deutlicher das Beben, welches die Seuchenriesen bei ihrem Ansturm verursachten. Wahrlich, die Geißel hatte eine Armee aufgestellt die für die lächerlichen Verteidiger unaufhaltsam war.
Blutroter Regen prasselte auf die Kämpfenden und die Geschlagenen nieder. Passend rote Blitze zuckten über den Himmel und erhellten die Nacht bei dem Gemetzel. Wie spät es wohl war? Egal. Das dunkle Flüstern des Lichkönigs wummerte in Cheidas Schädel. Trieb sie dazu ihre Runenklinge in den nächsten Kreuzfahrer zu stoßen.
Ihr König hatte recht. Jetzt war keine Zeit die Umgebung zu bestaunen.

Als ihre Klinge in die Brust des nächsten Narren einfuhr spuckte dieser eine Ladung Blut in das Gesicht der Ritterin. Dunkel lachte sie, leckte sich die Flüssigkeit des Lebens von den Lippen bevor sie den Abschaum von ihrer Klinge trat. Als sie sich das nächste Ziel suchte bemerkte sie die verzweifelte Entschlossenheit der Kreuzfahrer.
Sie kämpften obwohl sie wussten dass sie versagen würden. Und sie hatten nicht einmal einen Herren der sie für das desertieren auf ewig foltern würde.
Wie… dumm von ihnen.

Ja, man konnte nicht oft genug erwähnen wie dumm diese Kreuzfahrer sind, dachte sich die blasse Elfe als sie den Schlagabtausch mit dem nächsten Verteidiger begann. Ihre Klinge blockte problemlos den Schlag von der Seite ab. Danach streckte sie die Hand aus, berührte den Menschen nur beiläufig am Kinn.
Er erstarrte als sein Herz aufhörte zu schlagen. Cheida beachtete ihn bereits gar nicht mehr als er vornüberkippte. Er war nur ein weiteres Opfer von vielen. Begeistert sah sie stattdessen zu den Seuchenbestien die dutzende Soldaten auf einmal mit ihren mächtigen Pranken beiseite schlugen. Auch die Ghule brachten ihre Anteil. Sie sprangen ihre Feinde an und… zerbissen ihnen das Gesicht.
Der Sieg der Geißel war klar. Und doch schmatzte die Todesritterin als sich eine unangenehme Präsenz bemerkbar machte. Das schlechte Gefühl dass ein mächtiger Lichtanbeter in der Nähe war. Auch die Todesritter um sie herum schienen es zu bemerken, denn sie hielten kurz inne bevor sie ihre derzeitigen Opfer zu Ende massakrieren.

Wieder ritt der Hochlord an ihr vorbei. Diesmal in Richtung Quell des Übels. Nickend legte Cheida ihre Bedenken ab. Mograine würde sich um diese Bedrohung kümmern. Sie musste ihre eigene Aufgabe erfüllen. Geleitet vom Drängen des Lichkönigs suchte ihre Klinge weitere Opfer. Fand sie in einem Zwerg, welcher die Ehre hatte den Schädel gespaltet zu bekommen.
Auf dem Boden lagen unzählige Leichen. Lustig, so gesehen waren es mehr Ghule als Kreuzfahrer. Mit dem Unterschied das Ghule entbehrlich und ersetzbar waren. Kreuzfahrer durchliefen eine jahrelange Ausbildung.

Irgendwann würden die Untoten jeden Flecken auf Azeroth überrannt haben. So simpel war die Schlussfolgerung.
Den Verteidigern gelang es eine der Seuchenbestien zu bezwingen. Bemerkenswert. Nur leider kam bereits die nächste um die Ecke gestürmt und zerquetschte die triumphierenden Soldaten unter ihren zusammengenähten Füßen.
Irgendwie beflügelt ging Cheida in einen unruhigen Angriff über. Im Lauf schlitzte sie drei Kreuzfahrern mit der Spitze ihrer Klinge die Kehle durch, um dann in einem Sprung zu enden und einem weiteren Verteidiger die immer noch hungrige Klinge in die Brust zu jagen. Gerade suchte sie nach dem nächsten Feind als die Erde wieder bebte.
Jedoch nicht durch die Seuchenbestien.
„GENUG DARION!“

Ein Mensch stand auf einmal vor der Kapelle. Von ihm ging diese schreckliche Präsenz des Lichtes aus. Er war in eine goldene Rüstung gekleidet wie es sich für hochrangige Lichtanbeter gehört.
Ghule, Todesritter und Seuchenbestien fielen in Massen. Nur wegen er Präsenz dieses einen Menschen. Cheida taumelte. Umfasste ihre Klinge fester. So würde sie nicht sterben. Die Präsenz dieses Mannes schwächte sie, ließ sie aber nicht völlig unfähig werden.
Langsamer als gewohnt taumelte sie eher auf den nächsten Verteidiger zu, als zu stürmen. Die Runenklinge wurde gehoben, fuhr nieder zum Hieb…
… und wurde einfach durch den Kolben des Kreuzfahrers beiseite geschlagen. Entsetzen seitens Cheida, dann traf sie der geheiligte Hammer in die Brust. Die blasse Elfe sank zusammen. In der Nähe sah sie auch den Hochlord und seine Offiziere fallen.
Die Geißel war geschlagen
Ihr Denken schaltete sich ab.

Cheida trieb in einer ewigen Finsternis. Ohne Licht am Ende des Tunnels. Alles war dunkel und still. Auf perverse Art behaglich. Die Elfe ließ sich treiben, machte gar nicht erst Anstalten sich zu bewegen. Wieso auch? Es gab nichts mehr zu tun.
Vermutlich würde sie auf ewig in dieser Leere planschen.
Gleichgültigkeit rang mit Verzweiflung, und die Finsternis blieb völlig unbeeindruckt davon. Am Ende gewann die Verzweiflung und ließ die Elfe nach einem Ausweg aus diesem Nichts suchen. Erfolglos. Das war’s, das Ende ihres Lebens. Dunkel und leer. Nicht so, wie es immer beschrieben wurde. Als hell und freundlich. Es war kalt, nicht warm. Und niemand war hier der einen trösten konnte.
Cheida schrie, aber kein Ton verließ ihre Lippen. So sehr sie auch brüllte, niemand würde sie hören.
Dann holte die Wirklichkeit sie wieder.

„DER ARGENTUMKREUZZUG KOMMT EUCH ZU HOLEN, ARTHAS!“
Cheida blinzelte. Sie lag immer noch auf dem Boden. Der Regen prasselte immer noch blutrot auf die Erde und auf ihren Körper, der zwischen den ganzen gefallenen Streitern lag. Ghul, Todesritter und Kreuzfahrer wurden gleichermaßen vom Blutregen heimgesucht, und das vereinte sie auf abstrakte Weise.
Mühsam rappelte die Todesritterin sich auf. Sie war geschwächt. Brauchte Ruhe um Kraft zu sammeln. Und vor allem… ihre Runenklinge. Als sie nach ihrer Waffe suchte erhaschte sie auch einen Blick auf ihren Hochlord, begleitet von Thassarian und Koltira. Die drei sahen sich umringt von Lichtanbetern die diesem Mann zujubelten. Der, der alleine das Blatt gewendet hatte.

Seine Aura schmerzte noch immer.

Cheida hob ihre Klinge an und trat zum Hochlord. Eher folgte sie ihm, egal was er tat, als sich diesen Kreuzfahrern auszuliefern. Gerade als sie neben Mograine trat hob dieser unerwartet die Stimme. Alle Blicke wandten sich ihm zu. Die einen überrascht, die anderen hasserfüllt.
„Auch die Ritter der schwarzen Klinge werden sich gegen den Lichkönig stellen. Auch wenn wir keinen Platz mehr in dieser Welt haben werden wir nicht aufhören zu kämpfen bis wir unsere Rache bekommen haben. DAS schwöre ich!“

Ein wenig verwirrt steckte die blasse Elfe ihr Schwert in die Scheide. Rache am Lichkönig?
Und mit einem Mal spürte sie es. Beziehungsweise… bemerkte dass sie es nicht mehr spürte. Das dunkle Drängen. Das Flüstern. Wie weggeblasen. Ein dankbares Gefühl der Freiheit kroch in das tote Herz der Elfe und erinnerte sie wage an den Tag an dem sie damals vor beinahe hundert Jahren von ihrem Herren befreit wurde.
Koltira hob seine Klinge und stieß sie mit Wucht in den Boden. Wieder wanderten die Blicke der Kreuzfahrer, diesmal vom Hochlord zum Blutelfen der das schwarze Tor nach Acherus erschuf. Sobald es fertig war trat Thassarian hindurch. Koltira folgte.

Darion wandte sich Cheida zu.
„Kommt, Sonnensang. Wir müssen eine Festung erobern.“
In der Nähe des schwarzen Tors spürte die blasse Elfe wieder den Ruf der dunklen Mächte. Erfrischend. Sie nickte und sah dem Hochlord nach als er das Tor passierte und darin verschwand. Ein erneuter Blick schweifte über die Kreuzfahrer. Alle waren verwirrt und sahen sich ziellos in der Gegend um. Die anderen führten heftige Streitgespräche. Andere trauerten um ihre Freunde.
Der Mann mit der Aura sah nachdenklich zum Horizont. Jetzt erst bemerkte Cheida die mächtige Klinge in seiner Hand.
Der Aschenbringer. Hatte der Hochlord dieses legendäre Schwert nicht vorher geführt?

Langsam folgte die Todesritterin dem Blick des Mannes während sie in Richtung Tor schritt.
Der Regen verzog sich langsam zusammen mit den dunklen Wolken die diese blutige Nacht begleitet hatten. Und über dem neugeborenen Kreuzzug ging die Sonne auf. Beinahe spottend, so freundlich war sie.

Cheida warf einen letzten Blick auf die Sonne, das Licht der Morgendämmerung welches sie auf das Land warf, und verschwand dann als Letzte im Tor.









Vor 87 Jahren.
52 Jahre vor der Öffnung des dunklen Portals.
Cheidas Alter: 61 Jahre.

Zwei Monate.
Cheida erwachte in einem gemütlichen Bett. Das Windspiel vor dem Fenster gab seine sanften Töne vor sich während die Sonne ihre ersten Strahlen durch den Immersangwald schickte. Die blonde Elfe streckte sich gemütlich und stieß dabei die Decke etwas von sich. Sie hatte sich schon wieder an diese Art aufzustehen gewöhnt, obwohl sie erst seit zwei Monaten aus der Dienerschaft befreit wurde.
Das Haus von Lavyria und ihrem Gefährten Alwaros war schön. Schön groß. Schön eingerichtet. Schön heimelig.
Schön. Richtig schön.

Ein Brechreiz stieg in ihr auf und sie eilte trotz ihres Plans heute lange liegenzubleiben aus dem Bett in Richtung Toilette. Sie erbrach sich in die Kloschüssel.
Diese Übelkeit war der einzige Dämpfer in ihrem neuen Leben. Seit etwa einer Woche musste sie dauernd zum Bad hechten. Und nur sie. Bisher hatte sie glücklicherweise keinen angesteckt. Im krassen Gegensatz zu ihrer Übelkeit hatte sie unglaublichen Hunger auf die abstraktesten Dinge. Es war als würde sie sich diese Übelkeit durch ihre Essgewohnheit selbst auferlegen.
Stöhnend setzte sich Cheida auf den Hintern als sie fertig war. Oder eher das Gefühl hatte es gäbe nichts mehr zum brechen. Sie vermisste bereits jetzt ihr Bett. Aber wenn sie sich einmal hineinlegte würde sie garantiert schon wieder brechen müssen. Hoffentlich ging diese Krankheit schnell vorbei…
Lavyria zog den Vorhang zum Bad beiseite und ließ sich neben Cheida nieder. Sie war noch in ihrem putzigen rosa Nachthemd gekleidet und blickte irgendwie schläfrig drein.
„Habe ich dich geweckt? Wie spät ist es.“ Murmelte die blonde Elfe leise während sie sich die Schläfen rieb. Kopfschmerzen.
„Die Sonne geht gerade auf. Ich denke… fünf Stunden nach Mitternacht.“

Cheida seufzte.
„Tut mir Leid.“

Lavyria winkte ab und zog eine Ziehschnur an der Decke. Aus der Kloschüssel leuchtete es bläulich, dann war auf einmal der Gestank des Erbrochenen weg. Wohl auch das Erbrochene selbst. Die Magie der Hochelfen haftete auch den einfachsten Dingen des Lebens an. Dann ging die so unsanft aus dem Schlaf geholte Elfe zum Waschbecken und stieß sich einige Hände Wasser ins Gesicht.
„Ich habe einen Arzt für dich bestellt. So langsam wird mir dein brechen nicht geheuer.“
Cheida nickte und stand ebenfalls auf, wenn auch etwas wankender als Lavyria.
„Ich mache uns beiden was zu essen…“

Der Rest des Tages war erstaunlich ruhig, auch was das brechen anging. Geschätzte zwei Stunden später erwachte der Rest des Hauses und sie verbrachten ein großes Frühstück zusammen. Alwaros und Lavyria hatten die Geschwister wirklich freundlich aufgenommen, und schienen sich wirklich über ihre Gesellschaft zu freuen.
Das war gut, denn die Geschwister hatten absolut keine Ahnung wo sie jetzt hingehen sollten.

Am Nachmittag kam der Arzt. Ein stattlicher Mann mit einem kleinen Stoffbeutel für seine Instrumente. Man sah ihm sein gutes Leben an. Kein Wunder. Ärzte waren heißbegehrt und gut bezahlt.
Cheida lag auf ihrem Bett und befolgte die Anweisungen des Fachmanns ohne große Widerworte. Die restlichen Hausbewohner waren ebenfalls vor Ort. Vielleicht… etwas unangenehm. Aber die blonde Elfe kümmerte das zu wenig um etwas zu sagen. Das Windspiel gab wieder seine beruhigenden Laute von sich. Die warme Atmosphäre des Raums ließ erst gar kein Unwohlsein aufkommen, obwohl da ein gewisser Jemand alle Ecken ihres Bauches untersuchte.
„Wo habt ihr diese Narben her?“

Der Arzt deutet auf die unzähligen Narben an den Armen. Blut schoss ins Gesicht der untersuchten Elfe. Was sollte sie jetzt sagen? Dass sie eine Dienerin war und ausgebrochen war?
Alwaros schritt ein bevor eine wirklich unpassende Stille eintrat.

„Sie ist Kräuterkundige. Einige Pflanzen sind recht aggressiv. Ihr kennt das sicher wenn ihr euch an Blutdisteln stecht. Die sind nur die Spitze des Eisbergs.“
Nach einigem überlegen nickte der Arzt und Cheida atmete erleichtert aus. Alwaros nickte zufrieden und verschränkte die Arme gelassen vor der Brust während alle anderen gespannt auf eine Diagnose des Arztes warteten.

Seine Worte waren nicht gerade beruhigend.
„Eine Person darf bleiben. Der Rest geht bitte raus.“

Cheida musste glücklicherweise gar nichts sagen. Das wäre wohl nochmal unangenehm gewesen einen zu bestimmen und den Rest herauszubitten. Kurzes Blicke austauschen unter den Anderen, dann gingen alle außer Heliana aus dem Raum. Diese setzte sich an den Rand des Bettes, auf der anderen Seite vom Arzt. Dieser zog einige Messkristalle zurück und steckte sie in seinen Beutel.
„Ihr seid nicht krank. Und diese Narben kommen nicht von Pflanzen. Ihr müsst mir nicht erzählen was passiert ist, aber das Resultat wird sich nicht mehr lange verstecken.“
Cheida blinzelte ihn fragend an. Sie bemerkte dass sie außer „Hallo“ und „Ja.“ Nicht viel zu dem Mann gesagt hatte. Für wie unhöflich musste er sie wohl halten?
Warum machte sie sich gerade jetzt darüber Gedanken?!

Heliana fragte an ihrer Stelle.
„Wie meint ihr das?“

„Ihre Übelkeit ist typisch für das erste Stadium einer Schwangerschaft. Ich halte mich mit meinen Glückwünschen vielleicht besser zurück, und lasse euch allein.“
Verwirrung machte sich in Cheida breit. Sie hatte niemals ihr Bett mit jemandem geteilt. Das war also ein Ding der Unmöglichkeit. Irgendwie erinnerte sie das an die diversen Geschichten des Lichts wo eine Jungfrau geschwängert wurde vom Licht persönlich.

Alles natürlich Hirngespinste. Irgendwie musste sie also…
Heliana wurde bleich, als hätte sie eine gewisse Erkenntnis bereits getroffen. Der Arzt erhob sich vom Bett und machte Anstalten zu gehen bevor Cheida ihn aufhielt. Mit bebender Stimme sprach sie und versuchte dabei so gelassen wie möglich zu klingen. Sie wollte dem Mann in seiner Vermutung nicht Bestätigung geben.

„Wie sicher ist das?“
„Relativ sicher. Aber ihr werdet es sehen. Die Übelkeit hält an, wenn ich richtig liege. Und ihr werdet etwas zunehmen. Meine Bezahlung hole ich mir dann draußen.“

Während der Arzt durch den Vorhang und nach unten ging ließ Cheida ihren Kopf ins Kissen zurücksinken. Das war alles nur ein Traum. Sie war nur krank, und nicht schwanger. Das konnte nicht sein.
Mit einer aufgezwungenen Ruhe nahm Heliana ihre Hand und drückte sie sanft.
„Cheida, wir sind alle noch da. Wir können dir… helfen.“

Ungläubigkeit wich Verzweiflung. Natürlich hatte Cheida niemals mit jemandem ihr Lager geteilt.
Nicht freiwillig.
Hilderil.
„Lass… lass mich bitte allein.“

Kurz zögerte ihre Schwester, dann ging sie heraus. Der Vorhang zu ihrem Zimmer wurde säuberlich zugezogen und versperrte die Sicht. Cheida fühlte sich in ihrer Hilflosigkeit wieder in die Zeit ihrer Dienerschaft versetzt. Unfähig irgendetwas zu tun oder zu ändern. Etwas wuchs in ihr heran. Von jemandem den sie über alles hasste.
Und der Hass… Wunderlich… Er verdrängte jegliche Art von Trauer. Machte sie unnötig. Der Drang auf irgendetwas einzuschlagen machte sich in Cheida breit. Sie hasste Hilderil. Sie hasste ihr Schicksal. Sie hasste ihr Kind. Jetzt schon.

Komplett ruhig blieb sie liegen, mit ihren Gedanken allein. Und zum ersten Mal dachte sie daran jemanden grausamst zu töten. Der Gedanke war befreiend.
Und dann wusste sie auf einmal was sie machen würde sobald sie ihr Kind geboren hatte. Sie würde umherreisen. Auf der Suche nach armen Seelen die ihr Schicksal geteilt hatten. Und sie befreien.
Irgendwann dann würde sie auf eine Seele stoßen die von demselben Mann gefoltert wurde wie sie es gerade verspürte.
Dann würde sie sich für das Wunder des Lebens rächen, welches er ihr angetan hatte.

Ein neuer Drang. Der Drang zu lachen. Das Windspiel spielte seine ruhige Melodie, während die blonde Elfe ruhig auf dem Bett lag und einfach lachte. Aus vollem Herzen lachte bei dem Gedanken daran dass sie irgendwann ein Messer in die Kehle dieses einen Mannes stoßen würde.
Dabei streichelte sie sanft über ihren Bauch.

Schicksal, du kannst mich mal. Ich fühle mich wie neugeboren, und werde zurückschlagen.

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BeitragThema: Re: [WoW] Cheida - Leidensweg   So 20 Nov - 22:02

Vor einem Jahr.
30 Jahre nach der Öffnung des dunklen Portals.
Cheidas Alter: 143 Jahre.


Der Feldzug ging nun schon acht Monate.
Acht. Monate.

Melvelith El'Thanas sah zum schier riesigen Frostthron herauf. Das letzte Ziel, die Belohnung aller Mühen dieses Schlachtzugs, angeführt von der Lichtwindel Tirion Fordring. Ebenjener Mann welcher die Kapelle des hoffnungsvollen Lichts ausgeräuchert hatte. Die blasse Elfe schmatzte leise. Sie konnte diesen Kerl absolut nicht leiden. Er begründete wirklich alles mit dem Licht.
Man konnte diese Lichtgestalten für viel einsetzen...
... aber sie sollten beim besten Willen keine Taktiken entwerfen.

DIe Todesritterin streichelte die Schneide ihrer Runenklinge, welche wie üblich ihr Wisperliedchen summte. Drängend nach Tod und Leid. Sie war geneigt ihre Waffe wie ein kleines Kind zu beruhigen, hielt sich aber dann davon ab. Nicht nur dass es ziemlich komisch aussehen würde, es wäre auch schlichtweg unnötig. Bald würde der Hunger gestillt werden.

Streiter des Kreuzzugs rannten an ihr vorbei über die engen Brücken zum Runenfeld welches sie nach oben auf die Thronplattform bringen würde. Sie rannten mit einem Eifer, welcher nu durch maßlose Selbstüberschätzung hervorgerufen wurde.
Oder eben durch den Glauben.

Und dann kam er. Tirion Fordring ging an der blassen Elfe vorbei. Sein Schwert, sein Helm, sein ganzes Antlitz schien förmlich zu strahlen vor Freundlichkeit. Ekelhaft lächelnd, absolut ruhig, ging er die Brücke entlang und hob sein Schwert, den Aschenbringer.

"Vertraut auf das Licht und ALLES ist möglich! Dies ist das Ende, meine Freunde!"

Melveliths Ohren bluteten. Oder sie stellte sich vor, dass sie das taten. Jedenfalls waren diese Worte geradewegs in den Teil ihres Hirns gewandert welcher für die unnützen Phrasen zuständig war. Dort, wo sie hingehörten. Schnell ein weiteres Streicheln über die Klinge, dann folgte die Todesritterin dem Lichtanbeter zur Transportrune und ließ sich von ihrem bläulichen Schein empfangen. Auf einmal war alles ruhig in der Zitadelle, kein Kämpfen mehr. Kein Schreien.
So wie die Zitadelle zu ihrer Geißelzeit auch gewesen war.

Gierig auf das letzte Gefecht trat Melvelith auf die Rune und ließ sich vom Schein verschlingen.

Eine eisige Böe wehte ihr die Haare aus dem Gesicht. Ihre Ohren bluteten weiter imaginär als sie die dunkle Lache ihres alten Meisters hörte...



Die vielgerühmten Streiter des Lichts sind endlich hier! Soll ich Frostgram niederlegen, und mich eurer Gnade ausliefern, Fordring?
Die dunkle Stimme hallte in Melveliths Kopf wieder. Ihre Wut steigerte sich. Unendlicher Hass. Ihr Griff um die Runenklinge wurde fester, während die eisigen Böen weiße Haare ins Gesicht trieben. Eiskalt. Für die Kreuzfahrer war dies bestimmt die Hölle.
Und wieder die schreckliche Stimme von diesem Fordring…

„Wir werden euch schnell töten, Arthas. Eine Gnade, welche ihr all jenen verwehrt habt, die ihr ermordet habt!“
Die rechtschaffenen Worte wollten der blassen Elfe gerade überhaupt nicht passen. Trotzdem schwieg sie, während sie die Kampfhaltung beibehielt. Die Elite des Äschernen Verdikts war auf dem Frostthron versammelt, bereit für das letzte Gefecht. Die Kälte raubte den Streitern sichtlich den Mut aus dem Herzen, die Kraft aus den Beinen…
… zusätzlich zu der unfassbar schlechten Sicht.

Ihr werdet ihre Qualen bald am eigenen Leib erfahren, Fordring. Ihr werdet um Gnade BETTELN. Vergebens.
Arthas, der leibhaftige Lichkönig, schritt langsam die Stufen seines Thrones herab. Die dunkle Rüstung war vereist vom langen Aufenthalt in dieser Kälte. Die blauen Augen welche bedrohlich unter dem Helm hervorstachen schienen jeden einzelnen genaustens zu mustern. Frostgram ruhte an seinem Gürtel und lauerte. Der Schrei der Klinge war Melvelith noch allzu vertraut.
Eure Schmerzensschreie werden meine GRENZENLOSE Macht bezeugen!

Langsam zog der Lichkönig seine Klinge und ging um Tirion herum, der in der Mitte der Plattform stand. Die gesamte Umgebung schien wie aus Eis geschaffen. Die Kälte drang nun auch langsam in Melveliths Glieder. Verwunderlich… Normalerweise war die Witterung etwas völlig unwichtiges für eine Todesritterin wie sie. Tirion Fordring blieb ruhig, den Aschenbringer in der Hand haltend, und folgte mit seinem Blick Arthas.

Ihr werdet bis zum Ende am Leben bleiben, Fordring. Ich möchte nicht, dass der größte Champion des Lichts verpasst, wie ich diese elende Welt… neu… gestalte!
Mit diesen Worten richtete der Lichkönig seine Klinge gen Tirion. Jener wandte sich seinem Feind vollständig zu, hob den Aschenbringer und…
…erstarrte in einem Eisblock. Die dunkle Lache des Lichkönigs ließ sowohl die Kreuzfahrer als auch die Ritter der schwarzen Klinge auf dem Thron erstarren. Melvelith wollte angreifen, ihr Trieb zur Selbsterhaltung hielt sie davon ab. Sie hatte keine Chance gegen Arthas. Nicht alleine.

Herausfordernd sah sich der Lichkönig einmal um. Beäugte jeden der anwesenden Elitestreiter. Die eisigen Böen schienen ihm gar nichts anzuhaben, obwohl seine Rüstung diese Vermutung schnell für hirnrissig erklärte.
So kommt denn, Champions. Gebt mir euren Zorn.
Einen Augenblick lang herrschte eine unangenehme Stille auf dem Thron, in welcher nur jeder den anderen anstarrte.
Dann trat ein Kreuzfahrer heroisch vor.

„FÜR DAS LICHT!“
Der junge Mann hob seinen Schild und den dazu passenden Kolben, als er auf den Lichkönig zustürmte. Arthas sah seinen nahenden Feind amüsiert an. Er holte aus.
Und mit einem kurzen Schlag zerbrach der so robust wirkende Schild des Kreuzfahrers, ließ freies Feld auf den Körper des jungen Rekruten. Geschockt von der Macht Frostgrams schaffte er es nicht einmal den Kolben zu einem einzigen Schlag zu erheben bevor die düstere Runenklinge des Lichkönigs ihn durchbohrte.

Keine Zweifel mehr. Ihr SEID Azeroths größte Champions! Völlig losgelöst von Logik stürmt ihr in einen Kampf, den ihr nicht gewinnen könnt. Und doch habt ihr jede meiner Herausforderungen gemeistert.
Das Blut des jungen Kreuzfahrers verteilte sich auf dem Eis, aus dem der Thron zu bestehen schien. Der Lichkönig wandte sich bei seiner Rede immer wieder um, um wirklich jedem Streiter einmal in die Augen gesehen zu haben. Als der Blick über Melvelith flog zog sich ihr Hass zusammen. Ihr Griff um die Klinge könnte bestimmt Steine zum bersten bringen.
Tirion rührte sich nicht in dem Eisblock. Sicherlich war er erstickt. Toller Champion.

Meine mächtigsten Diener fielen unter eurem unerbittlichen Ansturm. Eurer grenzenlosen Wut. Ist es wirklich Rechtschaffenheit die euch treibt? Ich bin mir nicht sicher.
Das Lob des Lichkönigs war wie ein Schlag ins Gesicht für Melvelith. Langsam machte sie einige Schritte auf Arthas zu, unmerklich. Sie wollte ihn endlich angreifen, wider besseren Wissens.
Arthas wandte sich indes wieder Tirion zu, welcher immer noch im Eisblock steckte.

Ihr habt sie gut ausgebildet, Fordring. Die größten Kämpfer, die diese Welt je kannte! In meinen Händen. Genau wie ich es geplant habe. Für euer unwissentliches Opfer sollt ihr belohnt werden.
Der Lichkönig richtete seine Klinge auf eine enger zusammenstehende Gruppe Kreuzfahrer. Schwarze Blitze entsprangen Frostgram und brachten ausnahmslos allen Streitern der Gruppe den Tod. Die leblosen Körper sanken einfach so zu Boden. Dieses Spiel wiederholte Arthas bei drei weiteren Grüppchen.

Insgeheim war Melvelith zufrieden dass sie etwas abgesondert stand. Wieder gelangen ihr einige Schritte vorwärts.
Seht her, wie ich sie zu Dienern der Geißel wiederbelebe. Sie werden diese Welt mit Chaos und Zerstörung überziehen. Azeroth wird durch sie fallen. Und ihr, Fordring… sterbt als Erster.
Die leblosen Körper der Kreuzfahrer erhoben sich beinahe augenblicklich wieder. Die Augen leer, die Bewegungen irgendwie ungeschickt. Melvelith veränderte ihren Gang in einen Ansturm der wegen den eisigen Böen, welche gegen die Ritterin schlugen, viel zu lange dauerte. Ein hasserfüllter Schrei brach aus ihr heraus als nach und nach alle Kämpfer auf dem Frostthron in Diener der Geißel verwandelt wurden.

Sie hatte nach wie vor keine Chance, das wusste sie. Aber sie würde wenigstens einen Hieb gegen ihren Feind führen, bevor sie ihm wieder diente.
Einen verdammten Hieb…

Arthas wandte sich ihr zu, und der schwarze Blitz schlug in ihre Brust ein bevor sie irgendetwas tun konnte. Taub fiel sie auf den eisigen Grund des Throns. Ihr Körper war unnütz geworden. Schwärze umfing ihren Blick. Es war vorbei.

Fern hörte sie noch das dunkle Lachen des Lichkönigs. Und seine Worte.
Welch köstliche Ironie…








Vor 86 Jahren.
51 Jahre vor der Öffnung des dunklen Portals.
Cheidas Alter: 62 Jahre.

„Und du willst wirklich nicht bleiben? Wir könnten dir helfen.“
Lavyria sah die blonde fast schon flehentlich an. Cheidas Entschluss ihr Heim zu verlassen war sicherlich geradezu ein Schlag ins Gesicht ihrer selbstauferlegten Pflichten als Gastgeberin.
Trotzdem blieb Cheida bei ihrer Entscheidung. Sie hatte eine einfache Robe die ihre Haut zärtlich umstreichelte bei jedem Windzug der die Elfe passierte. In ihren Armen lag ein weißes Bündel in welchem ein absolut ruhig schlummerndes Kind ruhte.

Obwohl es Nacht war, war es angenehm warm im Immersangwald.
„Nein, Lavyria. Vielen Dank für alles. Aber ich muss… Dinge erledigen. Wichtige Dinge.“
Ihre alte und beste Freundin seufzte, nickte nachgebend. Sie trat an Cheida heran und legte ihr eine Hand auf die Schulter. Der Blick der Heilerin wandte sich zu dem schlafenden Mädchen. Lächelnd streichelte Lavyria über die Stirn des Babys.

„Du hast immer noch keinen Namen für sie.“
Cheida schüttelte den Kopf.

„Sie ist ein Geschenk, auch wenn du das nicht einsehen willst… oder kannst. Bedenke das jedoch wenn du tust, was du tun musst.“
„Lebe wohl, Lavyria.“
Lavyria verstand den Wink und trat zurück. Sie war die einzige gewesen, die Cheidas Versuch bemerkt hatte sich aus dem Haus zu schleichen. Es war ganz still im Haus, im Wald. Stumm sahen sich die beiden an. Jede bei ihren eigenen Gedanken zu Cheidas fluchtartigem Abgang.
Dann wandte sich Cheida um und ging tiefer in den Wald.
Nur leise hört sie Lavyria.

„Viel Glück.“

Nur die nachtaktiven Insekten führten die Geräuschkulisse, als Cheidas schnelle Schritte sich durch den Wald bahnten. Ihr Kind hielt sie dabei beschützt in den Armen. Trotz des Laufs wachte das Mädchen nicht auf.
Ein braves Kind eben.

Es dauerte nicht lange bis sie in einer Siedlung ankam. Morgenluft. Die Stadt welche am nächsten zur Küste lag und von ebenjener lebte. Der Mond stand hell über dem Wald und beleuchtete den Marktplatz in der Mitte der Stadt.
Bereits vor einigen Tagen hatte Cheida ihren Plan aufgestellt. Hochelfen zählten nicht zu der fruchtbarsten Rasse, der Kinderwunsch war aber ebenso vorhanden wie bei den Menschen. Es war nicht schwer gewesen ein Paar zu finden welches sich über ein zwangsadoptiertes Kind freuen würde.
Zuerst hatte sie an Lavyria und Alwaros gedacht. Jedoch träumte ihre Freundin davon, selbst ein Kind auf die Welt zu setzen. Und so sollte sie es tun können, ohne auch noch dieses Mädchen hier versorgen zu müssen.

Und genau wie Cheida war sie auch noch zu jung für diese Verantwortung. Dieses Maß der Selbstscheinschätzung war wirklich unglaublich praktisch.
Die blonde Elfe orientierte sich kurz auf dem mondbestrahlten Platz und suchte das Haus welches das gefundene Part bewohnte. Die Geräusche der Insekten waren verschwunden. Niemand machte mehr die Stadt unsicher. Alle schliefen.

Als Cheida schließlich vor der Haustür stand brachen die vorher nicht vorhandenen Zweifel wie eine Flutwelle über sie hinein. Sie sah in das schlafende Gesicht des Mädchens. Ihres Kindes. Wollte sie es wirklich weggeben? Sie würde es wohl niemals wiedersehen…

Es wäre so einfach zu Lavyria zurückzugehen und sie zu bitten bei dem erziehen des Mädchens zu helfen.
Gedankenverloren fuhr sie über die Wange ihres Babys. Dann fand sie ihren Willen wieder. Dies war nicht nur ihr Kind, es war auch das von Hilderil.
Und sie wollte nichts mehr von ihm, außer die Narben an ihrem Rücken und an den Armen. Nichts was in ihr das Gefühl erweckte, ihm zugehörig zu sein.
Sanft legte sie das schlafende Kind vor der Haustür ab und klopft laut mehrmals gegen die Tür. Dann machte sie sich daran hinter einem geschlossenen Stand Schutz zu suchen. Von ihrem Versteck aus beobachtete sie das Haus. Nichts tat sich. Vielleicht schlief das Paar tief und fest?

Es war sicher besser wenn sie dem Paar das Kind übergab und es ihnen nicht ohne zu fragen aufhaltste…
Gerade wollte Cheida aus ihrem Versteck hervortreten, da öffnete sich die Tür und gab eine wunderschöne Elfe frei. Ihr weißes Haar warf sich in Wellen ihren Rücken entlang, der vorsichtige Gesichtsausdruck täuschte nicht darüber hinweg dass diese Frau bestimmt ein wunderschönes Lächeln hatte.
Der hastig übergezogene Mantel betonte ihre makellose Figur.

Auch wenn Cheida nicht homosexuell veranlagt war musste sie schwer schlucken. Diese Frau war einfach wunderschön…
Sie beobachtete die weißhaarige Frau dabei wie sie ihre Tochter vorsichtig aufhob und umherwiegte wie eine Profimutter. Als Cheida sah wie die Frau das Kind ansah wusste sie, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hatte. Ihr Mädchen war gut untergebracht.

Die weißhaarige Frau sah sich auf dem Marktplatz um. Ihr Blick fuhr dabei über den Stand hinter dem Cheida sich verbarg. Aber sie wurde nicht entdeckt. Die frischgebackene Mutter drückte das weiße Bündel entzückt an sich und trat ins Haus zurück. Eine tiefe Trauer legte sich über Cheida.
Jetzt war ihr Kind bei einer guten Familie, welche es wohl behüten würde. Lieben würde.
Und es würde die wahre Mutter niemals kennenlernen.

Schnell wischte die blonde Elfe sich eine Träne aus dem Auge und verließ Morgenluft schneller als gewollt wieder. Brachte soviel Entfernung zwischen sich und der Stadt wie nur irgend möglich.
Einige Goldstücke, ein Küchenmesser und eine Robe. Das war es. Mehr hatte sie nicht. Damit würde sie eine Reise beginnen, die sie zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht überblicken konnte. Auf jedenfall würde sie Quel’Thalas verlassen. Nach Lordaeron könnte sie reisen. Sich Dalaran ansehen…

In einer Lichtung blieb Cheida wieder stehen. Der Mond lächelte sie an und machte das Bild der Nacht komplett, zusammen mit zirpenden Geräuschen der Nachtinsekten.

In ihrem Ziel bestärkt rannte Cheida weiter.









Vor einem Jahr.
30 Jahre nach der Öffnung des dunklen Portals.
Cheidas Alter: 143 Jahre.

Tirion Fordring stellte sich erhaben vor der neuen Statue in Dalarans Mitte auf. Kurzerhand war der Brunnen erweitert worden um eine goldene Statue des einen Mannes, der den Lichkönig geschlagen hatte. Der nutzlose Griff von Frostgram war zu Füßen des vergoldeten Fordring über der Inschrift angelegt, die jeden Namen zur Schau stellte der im Krieg gegen die Geißel gefallen war.
Die Inschrift war unfassbar lang. Und der Griff ebenfalls vergoldet. So entstellt war Frostgram nur noch ein Schatten seiner selbst.

Missbilligend stand Melvelith El’Thanas abseits des Trubels. Fordrings Worte erreichten sie schon gar nicht mehr. Die Sterne glitzerten vom Himmel auf die Versammlung herab, genauso wie vor dem Fall des Lichkönigs. Genau wie in allen Jahren zuvor. Neben der blassen Elfe gesellte sich nur Erandon Demour. Ihr Mentor und ehemaliger Verdammnisbringer, so wie es die Lebenden ausdrücken würden.
Im Nachhinein war der Untod weit entfernt davon jemanden zu verdammen. Im Gegenteil. Er war genau wie der Tod ein Abschnitt des Lebens, nur dass ihn nicht jeder durchlaufen musste.
In einer weit gefassten Geste wies Fordring zur goldenen Statue seiner selbst. Melvelith runzelte die Stirn. Dieses ehren eines Lichtanbeters passte so gar nicht zur Denkweise der Kreuzfahrer, so wie die Todesritterin dies aufgefasst hatte.

Fordring jedoch schien seinen Triumph und die Anerkennung voll auszukosten.
Ein abfälliges Geräusch ging von Demour aus, bevor seine gewohnt dunkel hallende Stimme erklang.
„Dieser Trubel ist… unsinnig. Der Krieg sollte nicht so enden. Die Geißel ist noch nicht besiegt.“
„Was meinst du?“

„Die Geißel ist keine Armee, die man mit dem Mord an ihrem König demoralisiert und unschädlich macht. Sie ist eine Waffe, die nur geübte Hände benötigt. Wenn man die Waffe nicht restlos zerstört bleibt sie gefährlich.“
Nach einigem Nachdenken stimmte die blasse Elfe ihm zu. Die Logik hinter seinen Worten war kaum anzuzweifeln. Und doch konnte man sich diesen kleinen Sieg schmecken lassen. Arthas war gefallen.
Den Todesritterin war ihre Rache gewährt worden.
Mit dieser Erkenntnis wuchs eine Leere in Melveliths Brustkorb heran. Eine Leere, welche sie vorher nicht kannte. Was sollte sie jetzt tun? Bisher hatte die Rache an Arthas alle Gedanken beherrscht. Alle Handlungen geleitet.

Jetzt war nichts mehr da.
Ohne ihre Ratlosigkeit zu zeigen wandte die Todesritterin den Blick von Fordring ab, der immer noch seine Rede hielt, und sah zu Demour welcher recht gelassen weiterhin die Szenerie betrachtete.
„Was wirst du jetzt tun?“

Nun sah Demour sie direkt an. Sein eisblauer Blick wie immer undeutbar. Die Miene wie immer gefroren.
„Ich werde meinen Experimenten nachgehen. Du kannst mir dabei helfen.“

Melvelith schmatzte und bedeutete ihrem alten Mentor fortzufahren.

„Meine Experimente brauchen immer Testpersonen. Nichts dramatisches. Wenn du Interesse hast, du weißt wo mein Labor ist.“

Stumm nickte die blasse Elfe und kehrte mit ihrem Blick zu Fordring zurück. Sie wusste bereits dass sie auf diese Bitte zurückkommen würde, früher oder später. Die Leere wich augenblicklich. Jetzt war die Zeit gekommen sich mit der neuen Existenz wirklich auseinanderzusetzen.
Vielleicht sollte sie nach Quel’Thalas zurückkehren… Ihre Geschwister suchen.
Eine gute Idee.

Fordring endete mit seiner Rede und hob den Aschenbringer gen Himmel. Die Sterne reagierten genausowenig auf das Schwert wie auf die hunderttausenden von Toten durch die Geißel. Aber die Menge jubelte dem Paladin begeistert zu.

Aus dem Augenwinkel sah Melvelith einige Todesritter die sich auf ihre Knochengreifen setzten. Die Todesritter würden über die Eiskronenzitadelle wachen. Die letzten Reste des äschernen Verdikts.
Ohne sich von Demour zu verabschieden machte sich auch Melvelith zu ihrem Knochengreifen auf.




Einige Stunden später strich die blasse Elfe über die dicke Schneeschicht und legte etwas Eis frei. Hier war es. Bei Sindragosas Sturz ruhten noch viel mehr Drachengerüste als nur die ehemalige Blaudrachenkönigin selbst.
Wissend, dass dieser Zauber viel ihrer Macht verbrauchen würde zog die Todesritterin ihre Runenklinge vom Rücken. Leichter Schneefall bedeckte bereits dünn ihren Kopf während sie sich konzentrierte und die Waffe in das Eis trieb. Die Runen auf der Klinge leuchteten verheißungsvoll, die schwarzen Energien pulsierten und drangen unter die Eisschicht.

Knacken kündigte das Wirken ihres Zaubers an. Obwohl sie sich auf einmal sehr ausgelaugt fühlte hielt Melvelith den Zauber aufrecht, pumpte mehr unheilige Kraft in das Eis bis sie sicher war dass sie reichen würde. Feine Risse durchzogen das Eis und der Schnee wurde durch ein leichtes Beben in Unruhe versetzt.

Erschöpft zog Melvelith sich zurück als die Eisfläche kurz davor war zu brechen. In einigen Metern Entfernung dann beobachtete sie das Geschehen. Mit einem fast schon ohrenbetäubendem Knacken brach der Eisgrund auf. Eine Klaue, so groß wie die Todesritterin selbst sucht auf dem zerbrechlichen Boden Halt und hievte den folgenden Körper aus dem eisigen Grab.
Der Schädel des Frostwyrm kam zum Vorschein. Gefolgt von Oberkörper, Flügel, Unterkörper, Hinterbeine und Schwanz. Vollends befreit brüllte der ehemalige Blaue und sah sofort zu seiner neuen Herrin. Melvelith wusste auf Anhieb dass es funktioniert hatte. Er war ihr ergeben. Hatte kein Hirn, aber war ergeben.

Den Knochengreifen konnte sie nach Acherus zurückschicken. Sie streckte eine Hand nach ihrem neuen Reittier aus und strich über die knöcherne Schnauze. Der Wyrm rührte sich kein Stück.
Zufrieden schulterte die blasse Elfe ihre Klinge und stieg auf den Knochendrachen. Mit einem weiteren Brüllen stieß er geübt in die eisigen Lüfte von Eiskrone und schoss davon. Der Wind trieb Melvelith gewaltsam die Haare aus dem Gesicht, und sie musste sich gut an dem Geschöpf festhalten.

Dieser Wyrm war verhältnismäßig klein, und sie war völlig am Ende ihrer Macht. Arthas hatte einen von bestimmt zehnfacher Größe beschworen. Die Macht die er besessen haben musste war erstaunlich…

Während die Todesritterin diesem Gedanken nachging funkelten die Sterne weiter am Himmel, ohne dass sie die Geschehnisse am Boden irgendwie interessieren würden.
Wie immer.








Vor 42 Jahren.
7 Jahre vor der Öffnung des dunklen Portals.
Cheidas Alter: 106 Jahre.

„WAS wollen wir?!“
„Mehr Lohn!“
„WANN wollen wir es?!“
„HEUTE!“

Die Arbeiterschaft von Tarrens Mühle stand vor dem Rathaus des kleinen Städtchens und warf Steine gegen die Fenster der Stadtführung. Die Nacht wurde von dem hellen Schein der Fackeln zum Leben erweckt. Der Himmel war wolkenverhangen, sodass keine Sterne hervor blitzten.

Cheida gab sich einer recht banalen Tätigkeit hin. In ihrer Lederrüstung die etwas fehl am Platz schien tänzelte sie durch die Reihen der Menschen und suchte nach armen Seelen die von den Steinen ihrer Kollegen getroffen wurden. Was sollte sie sonst tun? Schließlich war dieser Aufstand zu einem nicht ungewissen Teil ihre eigene Schuld.

Ein blonder junger Mann lag auf dem Erdboden, das Blut sickerte aus seinem Kopf. Genau das was die blonde Hochelfe suchte. Angestrengt zog sie den Burschen aus dem Gedränge in eine dunkle Ecke wo sie ihn mit dem knappen Verbandszeug welches sie bei sich trug versorgen konnte.
In dieser Menge umzufallen glich einem Todesurteil. Niemand hob einen auf, eher wurde man plattgetreten von der Menschenmasse.
Auf einmal kam ihr diese Tätigkeit gar nicht mehr so banal vor.

Als Cheida den Mann gegen eine Hauswand lehnte und seinen Kopf leicht nach vorn schob um seine Wunde am Hinterkopf zu betrachten öffnete dieser blinzelnd die Augen. Während sie seine Wunde abtupfte inspizierte er sie aus den Augenwinkeln.
„Bist du… ein Engel?“

Überrumpelt musste Cheida lachen. Dann, als sie merkte dass der Kerl sie nicht auf dem Arm nehmen wollte, errötete sie.
„Nein, ich bin nur hilfsbereit.“

Sie tupfte einfach weiter.
„Dann… bist du diese Cheida. Die, die uns zu diesem Streik bewegt hat.“
„Ja… Die bin ich.“

Etwas missgelaunt legte die blonde Elfe einen Verband aus und wickelte ihn um die Stirn des Mannes. Er ließ es ohne Murren über sich ergehen. Nein… Er schien es sogar zu genießen dass sie ihn versorgte. Irgendwie war der Mann putzig.
Gerade wollte sie nach getaner Arbeit aufstehen, als der junge Mann sie am Arm ergriff.

„Setzt du dich einfach zu mir?“
Hin und hergerissen sah Cheida zur rebellierenden Meute. Erleichtert stellte sie fest dass sich Frauen aus den sicheren Häusern in die Masse hineingeschleust hatten um nun ebenfalls die Verletzten herauszutragen. Etwas erleichterter setzte sich die Elfe dann neben ihrem ersten Pflegefall hin. Jetzt wo sie nicht mehr Sorge tragen musste dass wegen ihr dort Leute verbluten würden konnte sie das erste Mal in dieser Nacht tief durchatmen.
Der blonde Kerl sah etwas… vorsichtig zu ihr.
„Warum hast du das für uns getan?“

Cheida hob die Augenbrauen. „Was?“
„Uns geholfen diesen Aufstand auf die Beine zu stellen.“

Überlegend runzelte sie die Stirn. Stimmt eigentlich… Warum hatte sie das getan? Richtig. Sie hatte eindringlich auf die Aufseher eingeredet den Arbeitern mehr Lohn für ihre harte Arbeit zu geben. Natürlich hatte sie als Elfe in diesem Städtchen keine wichtige Meinung, ihr Einsatz jedoch hatte die Arbeitergemeinschaft angespornt.
So war aus der Empörung einer einzelnen Person ein ganzer Massenaufstand geworden. Irgendwie richtig, wurden die Arbeiter bisher doch fast schon wie… Sklaven… benutzt.
Und mit dem Thema kannte sie sich aus.

Dann bemerkte sie, dass der Mann sie immer noch abwartend ansah.
„Nun… Mir schien es einfach richtig. Und, bevor du mich wieder Engel nennst, ich bin Cheida.“
Der Bursche weitete die Augen und stammelte erst unzusammenhängend etwas vor sich hin bevor er seinen Gedanken fasste.
„Ich bin G-Gerd.“
„Gerd… Freut mich dich kennen zu lernen."

Cheida lächelte ihn freundlich an. Fehler. Total aus der Fassung stammelte Gerd weiter vor sich hin. Ihm behagte ihre offene Art wohl nicht wirklich. Nun, er hatte sie gebeten zu bleiben. Während er versuchte sich zu fassen legte die blonde Elfe seufzend den Kopf zurück und ließ die Gedanken treiben.
Was hatte sie die letzten… über vierzig Jahre waren es jetzt schon… gemacht? Sie war durch die Menschenlande gezogen und hatte die Welt außerhalb von Quel’Thalas erkundet. Dabei war sie öfter in wunderbare Situationen wie diese hier gestolpert als sie erwartet hätte. Die Abenteuergeschichten konnten nicht so sehr an den Haaren herbeigezogen sein wie alle sagten. Man landete wirklich überall in der Scheiße.

Der einzige Kontakt zu ihrem alten Leben bestand aus einer einzigen Brieftaube, welche Nachrichten zwischen ihr und den Elfen in Quel’Thalas überbrachte. Lavyria, Alwaros und Heliana waren dabei ihre liebsten Absender wie Empfänger.
Anfangs hatten sie sie öfters gebeten zurückzukommen. Aber die ehemalige Dienerin hatte sich an dieses Leben in absoluter Freiheit schnell gewöhnt. So viel hatte sie entdeckt. Die blühenden Städte der Menschen. Lordaeron, Stratholme und Alterac. Tirisfal war im Sommer einfach ein wunderbares Stück Land. Das Hinterland in welchem die Zwerge lebten war beinahe so idyllisch wie Quel’Thalas, wenn es die marodierenden Trolle nicht gäbe.

Aber die gab es in ihrem Heimatland auch.
Sie konnte überall hin. War nirgendwo gebunden. Es fehlte ihr an nichts.
Freiheit in ihrer Perfektion.
„Warum bist du hier und nicht bei deinem Volk?“

Gerd hatte sie mit seiner schüchternen Frage aus dem Konzept gerissen. Wieder hob Cheida eine Augenbraue. Diesmal vor Verblüffung. Der blonde Bursche inspizierte ihren Körper und war ganz rot im Gesicht. Nun gut, ihre Rüstung war körperbetont aber keinesfalls… erotisch angelegt.
Und trotzdem schien der Mann einen Narren an ihr gefressen zu haben. Putzig… Hätte sie sich nicht geschworen niemals wieder bei jemandem zu liegen hätte er vielleicht den Hauch einer Chance. So musste er sich mit einer freundlichen Abweisung zufriedengeben.

„Ich versuche mein altes Leben zu vergessen. Ich reise umher, bin niemals lange wo ansässig… Genieße die Freiheit.“
Gerd verstand den Wink. Ihre Aussage war gerade so persönlich gewesen dass es unhöflich war nachzufragen. Und sie hatte gleich verneint sich hier niederzulassen.
Hach, sie war ja so genial was das Abblitzen von Männern anging!

Die für Gerd peinliche Stille wurde durch Triumphrufe unterbrochen. Die Türen des Rathauses öffneten sich und gaben die Leiter der Stadt frei, die mit erhobenen Händen den Bedingungen zustimmten. Sieg für die streikende Fraktion. Schmal lächelnd beobachtete Cheida die jubilierende Masse.

Als der blonde Mann sich nach diesem Sieg wieder zu Cheida umwandte war die blonde Elfe bereits verschwunden. In der Ferne sah man ihre schlanken Umrisse, die sich in den Schatten der Nacht verflüchtigten.

Etwas entfernter sah sie zurück und betrachtete den Schein der unzähligen Fackeln von weitem. Es schien fast so als wäre die Stadt eine aufgehende Sonne. Eine Sonne, die man auch noch Meilen entfernt sah, wo sie sich ihr Nachtlager aufbaute.
Im Nachhinein war sie immer zufrieden. Es verlief immer auf dieselbe Weise. Aufstand, ihr Verschwinden… Nach ein paar Jahren wurde die Elfe in der Geschichte des Arbeiteraufstandes durch einen rechtschaffenen Mann ersetzt.

Dann erinnerte sich niemand mehr an sie. Die Menschen lebten ihr Leben weiter, und sie wanderte weiter zwischen ihren Städten umher.
Als sie sich aus ihrer Lederkluft befreit hatte und zum wolkenverhangenen Himmel aufsah wiederholte sie ihren Beschluss wie in jeder Nacht. Irgendwann, wenn die Zeiten es erforderten, würde sie in den Immersangwald zurückkehren.
Irgendwann…

Und wie in jeder Nacht dachte sie an ihre Tochter. Jetzt war sie schon über vierzig. Wie sie wohl war? Hatte sie inzwischen eine Lehre begonnen? Wie stand sie zu…
Cheida schüttelte den Kopf.

Sie würde es herausfinden. Wenn die Zeit gekommen war.








Gegenwart.

Das war es.
Melvelith öffnete die Augen. Eine warme Brise fuhr ihr über das blasse Gesicht und ließ die weißen Haare beiseite tänzeln. Das Meer war wunderschön blau, und es rauschte immer noch wie zu ihrer nächtlichen Flucht vor…

… vor etwa achtzig Jahren.

Die Todesritterin erhob sich vom Gras, welches ordentlich gepflegt den Garten vom Hause Hilderil Schattenernter ausfüllte. Sie achtete nicht auf die abgebrannten Ruinen hinter sich. Ein letztes Symbol, eher der Vollständigkeit halber erschaffen. Man hatte das Anwesen sowieso aufgegeben und wollte es verkaufen.
Es würde keinen stören dass Melvelith einen letzten Schlussstrich gezogen hatte.

Das Aufarbeiten ihrer Vergangenheit hatte sicherlich eine Menge Zeit verschlungen. Sie versuchte zu schätzen. Tage? Vielleicht Wochen? Die Sonne war im Begriff unterzugehen.
Bevor sie in den Horizont untertauchte gab es noch einige Dinge zu erledigen.
Bestimmt zog sich die blasse Elfe ihre Kapuze ins Gesicht und ging weg vom Meer hinein in den Immersangwald. Prächtig wie eh und je, wenn man von der Todesschneise absah. Ihr Weg nach Morgenluft war recht kurz. Nach nur wenigen Stunden sah sie ihr Ziel.

Lavyria. Sie ging mit einem großen Teller voll mit… Fleisch… aus dem Haus und etwas aus dem Städtchen heraus. Niemand beachtete sie, außer natürlich Melvelith. Die Todesritterin folgte ihr ohne sich dabei zu verstecken. Sie würde eh auf sich aufmerksam machen wenn der Zeitpunkt gekommen war.
Irgendwo mitten im Wald stand ein kleiner Grabstein vor einem Baum. Bei genauerer Betrachtung war es ein sehr großer Baum, der größte in der näheren Umgebung. Verhältnismäßig winzig wirkte dabei der Grabstein vor dem Lavyria den Teller abstellte. Die Sonne warf ihren rötlichen Schein in den Wald.

Melvelith kam direkt hinter ihr zum stehen. Das Zucken von Lavyrias Ohren zeigte, dass sie ihre Anwesenheit bereits gespürt hatte. Trotzdem sah sie nur auf die Inschrift des Grabsteins.
Zhynnios. Freund und Vielfraß.
„Ich habe schon viele zu Grabe tragen müssen, Melvelith. Meinen Vater. Meinen Mann. Meine Tochter. Dich.“
Die blasse Elfe hörte schweigend zu. Ungerührt betrachtete sie den Grabstein. Wann war er gestorben? Wie?
Und warum?

Lavyrias Stimme bebte. Wohl vor Kummer und Wut. Die Todesritterin konnte die Narben in ihrer Seele förmlich schmecken. Sie war offensichtlich nicht besonders gut im bewältigen von Verlusten.
„Ich konnte keinen einzigen von ihnen beschützen. Keinem helfen. Nicht einmal ihm hier. Alle um mich herum sterben… und was mache ich?“
„Weiterleben. Das was ihr Lebenden am besten könnt.“

Das Fleisch roch gut. Luchs. Lavyria hatte es liebevoll zubereitet. Und es passte wirklich als Gabe für den Toten, der hier geehrt wurde. Melvelith trat neben Lavyria und stellte sich stramm vor dem Grabstein hin. Eine letzte Bekundung des Respekts vor dem gefallenen Drachen.
Lavyria atmete tief durch und sah dann mit einigen Tränen in den Augen zu Melvelith. Unter den Tränen allerdings war wieder ihr wacher Blick. Melvelith hatte ihre volle Aufmerksamkeit.
„Was machst du hier, Melvelith?“

Ein letzter Blick wurde zum Grabstein geworfen, dann wandte sich die Ritterin vollständig ihrer Kindheitsfreundin zu. Sie hatte sich kaum verändert in den letzten Jahrzehnten. Wenn man mal von dem falschen weißen Auge absah.

„Ich bin fertig. Und ich habe wichtiges für dich.“
Lavyria nickte und spitzte die Ohren.
„Die Rückkehr eines Übels steht bevor, welches gebannt gehört. Ich würde nicht zu dir kommen wenn es nicht von größter Dringlichkeit wäre. Raxelle, Sarotos, Vleit, Carlyn… Alle werden deine Hilfe dabei brauchen.“
„Und du?“
„Ich breche zum Frostthron auf.“
Lavyrias erhobene Augenbrauen wurden ignoriert als Melvelith entschlossen fortfuhr.
„Es gibt etwas, was ich dort erledigen muss. Viele Fragen gibt es, die beantwortet werden müssen. Mein Rat wird jedoch unnötig sein. Sammle deine Leute. Jene, die du vor langer Zeit im Stich gelassen hast. Sie werden dir heute noch vertrauen. Sammle sie, und suche die Seherin auf.“
„Seherin?“

Melvelith nickte.
„Du wirst sie finden. Auf der Höllenfeuerhalbinsel. Sie wird dir sagen, was zu tun ist.“
Lavyria runzelte die Stirn. Dann nickte sie erneut.
„Ich verlasse mich auf dich.“

Melvelith hob beide Hände und legte sie formend aufeinander. Die sonst so warme Temperatur kühlte leicht ab und nahm in ihren Händen Gestalt an.
Fünf Sekunden später legte die blasse Elfe einen Stern aus Eis neben das Fleisch. Noch bevor Lavyria einen ordentlichen Blick auf die Gabe legen und Melvelith verwundert ansehen konnte war die Todesritterin bereits hinter den nächsten drei Bäumen verschwunden. Sie hasste es so undeutliche Ansagen zu machen, aber zu viel zu verraten würde den Plan gefährden.
Just als sie den Wald verließ und sich am Strand wiederfand tauchte die Sonne unter den Horizont.


Zwei Stunden später stand sie in einer absoluten Dunkelheit. Sie roch den Gestank vom Tod. Von Blut. Herrlich. Die Kammer war nicht wirklich geräumig. Die beiden Steintische die sie knapp erkennen konnte waren verkrustet. Getrocknetes Blut. Jede Menge davon.
Die dunkle Stimme, altbekannt ertönte hinter ihr. Doch Melvelith drehte sich nicht um. Sie würde eh nichts sehen.
„Du bist hier, um deinen Plan darzulegen.“
Melvelith nickte, wissend dass er sie sehen würde.
„Ich weiß bereits um ihn. Es soll geschehen.“
„Vleit wird sicherlich zu dir kommen.“
„Ich denke auch. Keine Sorge, ich weiß was ich zu tun habe.“

Melvelith wandte sich bereits wieder zum gehen. Vor dem Ausgang blieb sie stehen. Lauschte. Kein Mucks kam aus dem Labor, welches sie nur so kurz betreten hatte. Die dunkle Stimme sprach weiter.
„Du hast mit dir abgeschlossen… Warum?“
„Nur einer von uns wird den Thron wieder verlassen, wenn Sedire geschlagen ist.“
Kurz wieder Stille. Minuten, in denen die blasse Elfe geduldig abwartete. Der Geruch wurde schnell zur Gewohnheit.
„Wie hast du von der Rückkehr erfahren?“
„Ich habe es gespürt, als ich in mich gekehrt war.“
Mit diesen Worten verließ Melvelith das Labor. Es gab nichts mehr zu sagen. Trotzdem hörte sie der dunklen Stimme noch zu, ohne zu antworten.
„So sei es denn. Wir werden uns bald wiedersehen, Melvelith El’Thanas.“


Zehn Minuten später stand sie auf einem Turm über Unterstadt. Noch eine halbe Stunde, dann ging der nächste Zeppelin nach Nordend.
Ruhelos huschten die eisblauen Augen über die Unterstadt, und sie entdeckte die Ecke in der sie sich vor fünfzig Jahren vor einer Patrouille versteckt hatte. Sie konnte die blonde Elfe geradezu sehen.
Der letzte Rest einer Toten Elfe, ihre Erinnerungen welche in Melvelith ruhten. Sie hatte keinen Fehler begannen als sie sich nach der Elfe benannt hatte an die sie sich am besten erinnerte. Zahllose hatte sie umgebracht, aber diese Elfe war ihr im Gedächtnis geblieben.

Cheida war tot, auch wenn das manche nicht einsehen wollten.
Als sie diesen Gedanken beendet hatte schwand auch schon die Erinnerung an die blonde Elfe, die sich versteckte. Das einstige Leben dieses Körpers war nun auch im Geiste komplett abgeschlossen.
Manche Todesritter brauchten eben länger…

Mit einem finsteren Grinsen sprang die blasse Elfe herab auf ihren Frostwyrm und drehte über der Unterstadt ihre Kreise. Der pfeifende Wind drückte ihr das Haar aus dem Gesicht. Sie hörte nicht auf zu grinsen. Mit einem Befehl führte sie den Wyrm in einen steilen Flug nach oben.
Sie beobachtete die Sterne, so wie diese ungerührt sie beobachteten.

Wie damals, als Cheida unter den Menschen wandelte. Wie auch beim Fall des Lichkönigs. So auch beobachteten sie jetzt.

Und würden es für immer tun.
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BeitragThema: Re: [WoW] Cheida - Leidensweg   Heute um 11:42

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[WoW] Cheida - Leidensweg
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