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 [WoW] Raxelle - Baum

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BeitragThema: [WoW] Raxelle - Baum   So 20 Nov - 21:54

Raxelle – Baum

Raxelle Schattenfeder sass wie fast jeden Abend vor ihrem Zelt im Wald und gönnte sich ein Fläschchen Rum am Lagerfeuer. Schweigend beobachtete sie die Funken der flackernden Flamme beim Emporsteigen. Der Wald war ruhig. Ein sanfter Sommerwind wehte. Der Himmel war sternenklar. Zu ihrer Rechten ruhte ihr treuer Begleiter, worauf sie sich abstützte. Sanft kraulte sie mit ihren Fingern durchs weiche Fell des Tigers.

Auf einmal wurde die gemütliche Stille durchbrochen. Ein leises Wimmern war zu hören. Äste knackten. Raxelle hob ihren Blick und schaute sich um. War da jemand? Mit einer Handbewegung gab sie ihrem Tiger zu verstehen, da zu bleiben während sie sich vorsichtig erhob. Ein letzter Schluck und die Rumflasche war leer. Jene wurde gegen Bogen und Köcher eingetauscht, welche zu ihrer Linken im Gras lagen. Da war es erneut, dieses klägliche Wimmern. Erneut versuchte Raxelle durch die Finsternis etwas zu erkennen. War da gerade ein Kind? Das konnte nicht sein, dachte die Blonde sich. Wer wäre so unverantwortlich zu dieser späten Stunde ein Kind in den Wald zu lassen?

Schnellen Schrittes ging sie in die Richtung, in der sie das „Kind“ eben sah. Raxelle schüttelte den Kopf, murmelte: „Ich sollte nicht so viel trinken…“ Gerade als sie sich zum Gehen umdrehen wollte, war das Wimmern erneut zu hören. Weinte da jemand? Vielleicht hatte sich das Kind verlaufen und suchte nach seinen Eltern. Raxelle’s Egoismus wurde für einen Moment gedämmt. Für einen kurzen Moment war sie wild entschlossen zu helfen. Mit fester Stimme rief sie ins Dickicht: „Ist da jemand?“ – keine Antwort. Auf einmal blitzte etwas Helles hinter den Bäumen auf. Wie schnell konnte ein Kind rennen? Es musste wirklich flink sein. Oder erlaubte sich jemand einen Scherz mit der Einäugigen? Seufzend bewegte sie sich weiter in die Richtung des vermeintlichen Kindes.

Es waren gefühlte Stunden, in denen sie bereits im Wald dem „Kind“ nachjagte. Sie musste den Verstand verloren haben, dachte sie sich. Den Immersangwald hatte sie bereits hinter sich gelassen. Sie war nun im dunklen Geäst des sogenannten Geisterwaldes angekommen. Dicke Schweissperlen rannen ihr Gesicht herunter, ihre Lungen brannten von dem ewigen Gerenne. Noch immer vernahm sie das klägliche Wimmern und hin und wieder erschien ein kleines Mädchen vor ihr. Ihr Haar war strohblond und offensichtlich trug sie ein helles Nachtgewand. Vor einer imposanten Eiche blieb das Mädchen stehen, drehte sich um und lachte auf. Danach verschwand es hinter dem Baum. Perplex blieb Raxelle für einen Moment stehen. Wollte das Kind sie auf den Arm nehmen? Kopfschüttelnd ging sie auf den Baum zu.

Mit verschränkten Armen blieb sie davor stehen und rief: „Du kannst rauskommen! Ich weiss, dass du dich hier versteckst! Warte nur, bis ich dich deinen unverantwortlichen Eltern übergebe!“ Keine Antwort. Raxelle schnellte um den Baumstamm um das freche Gör zu überraschen. Da war jedoch niemand. Erneut schüttelte sie verwirrt den Kopf. „Du hast mich warten lassen, kleine Raxelle…“, erklang auf einmal eine Stimme. Erschrocken blickte die Blonde sich um. „Wer ist da?!“, rief sie. Die Stimme schmunzelte. „Du warst oft hier… Seit deine Mutter von uns ging, hast du dich jedoch nie wieder blicken lassen. Du bist gross geworden, mein Kind.“ Raxelle stutzte. „Also gut.. Wer immer sich hier einen Scherz erlauben will: Komm raus, es ist nicht mehr lustig!“ – „Rauskommen? Aber kleine Raxelle, ich stehe doch direkt vor dir!“

Raxelle lachte auf. Sie lachte über sich selber. Wahrscheinlich hatte sie bloss wieder zu viel getrunken. Es war immerhin nicht selten, dass man sich Dinge einbildete wenn man zu viel trank. „Es ist kein Zufall, dass du hier bist, kleine Raxelle…“ – „Hör auf, mich klein zu nennen! Wer ist da?!“, die ehemalige Waldläuferin war sichtlich wütend. Das Rauschen von Blättern im Wind war zu hören. Jedoch wehte kein Wind. Was war das? Magie? Hatte jemand den Baum verzaubert um Raxelle zu ärgern? „Deine Mutter hat dir wohl nicht erzählt, warum sie immer hier war mit dir?“, fragte die Eiche. Raxelle hielt sich die Ohren zu, redete sich selbst gut zu: „Alles wird gut… Bäume können nicht sprechen, das ist bloss ein Märchen… Du hast bloss zu viel getrunken…“ – „Jetzt reiss dich mal zusammen!“, donnerte die Stimme auf einmal. Sie Sanftheit war verschwunden, welche bis eben noch in ihr zu hören war. War er verärgert? Raxelle blickte auf. „D-du.. bist also… ein… ein sprechender BAUM?“ Erneut lachte die Stimme auf. „Nein, Raxelle… Ich bin bloss eine beseelte Eiche. Deine Mutter wusste darum. Sie war oft hier und sprach mit mir während du in meinen Ästen herumgeturnt bist.“ – „Woher weisst du um meine Mutter?“, fragte Raxelle gehässig. „Wende deinen Blick gen Westen, kleine Raxelle. Kommt dir dieser Ort nicht bekannt vor?“

Die Blonde tat wie gesagt und wendete ihren Blick gen Westen. In der Reflektion des Mondlichtes sah man dort einige zerstörte Häuser. Raxelle seufzte auf. „Hier.. hier bin ich aufgewachsen… Das ist das Windläuferdorf, habe ich recht?“ – „Kluges Mädchen.“ Raxelle sah sich erneut um. Wo war das Kind abgeblieben? „Hast du es… gesehen? Das kleine Mädchen von eben, meine ich. Ich bin ihr gefolgt, hier habe ich ihre Spur verloren.“ Der Baum lachte laut auf. „Das Mädchen steht doch vor mir.“ Raxelle erwiederte trocken: „Seh ich aus wie ein Mädchen? Ich bin 133 Jahre alt. Ich bin längst kein kleines Mädchen mehr.“ Die Eiche seufzte. „Der Sturz damals hat dir wohl nicht sonderlich gut getan… Das Mädchen, das warst du! Du hast dich selber hierher geführt. Du bist deinem Herzen gefolgt. Kennst du noch die letzten Worte deiner Mutter?“ Raxelle überlegte kurz. Leise murmelte sie: „Pass auf sie auf… Was hatte das zu bedeuten? Seit fast einhundert Jahren grüble ich was sie damit meinte.“ – „Deine Mutter sprach mit mir. Sie bat mich, auf dich auf zupassen. Jedoch war das schwieriger als erwartet. Wie man sieht, hast du nicht wirklich Sorge zu dir selber getragen.“

Raxelle fasste sich verlegen an die Narbe in ihrem Gesicht. „Was glaubst du, warum du überhaupt noch am Leben bist? Damals, als dir jemand diese Wunde zugefügt hast hättest du eigentlich sterben müssen. Niemand hätte dich je gefunden ohne mich.“ – „Was soll das heissen?!“, erwiderte Raxelle gereizt. „Nun… Senke deinen Blick, kleine Raxelle. Was siehst du dort?“ Raxelle blickte zu den Wurzeln der imposanten Eiche. Eine der mächtigen Wurzeln sah aus, als ob sie angeschlagen wäre, fast so, als ob jemand mit voller Wucht mit schweren, beschlagenen Stiefeln gegen die Wurzel gedonnert wäre. Der Blonden ging ein Licht auf. „HIER hat man mich gefunden?“ – „So ist es. Du bist gerannt wie eine Wahnsinnige. Tief im Herzen hast du hierher gefunden, weil du dich hier sicher fühltest. Jedoch bist du in der Dunkelheit über meine Wurzeln gestolpert, was mir übrigens sehr schmerzte, und mit dem Gesicht gegen meinen Stamm geklatscht und schliesslich im matschigen Boden liegen geblieben. Ich spürte, dass dein Herz nicht mehr allzu lang zu schlagen vermochte. Also habe ich dir Kraft gespendet. Zum Glück sind Birken regelrechte Tratschtanten. Ein Waldläufer konnte wohl empfangen, was diese gesprächigen Bäume erzählten. Also fand man dich.“ Raxelle liess sich auf dem modrigen Boden sinken. „Das.. ich… Das wusste ich nicht…“, sie blickte zur Baumkrone auf. „Du hättest mich sterben lassen sollen…“, flüsterte sie.

Die Eiche schmunzelte. „Nein, kleine Raxelle. Das war nicht im Sinne deiner Mutter, dass man dich einfach sterben liess. Ich weiss einiges über dein Leben, Raxelle. Du bist ein deinem Leid selbst Schuld. Mit etwas Kraft könntest du einiges ändern.“ Die Einäugige stocherte mit den Fingern im weichen Boden. „Pha! Was gibt’s da noch zu ändern? Ich bin eine einsame, dumme, egoistische Alkoholikerin. Und ein entstelltes Wrack bin ich auch! Was bitte sollte das alles besser machen? Meine Gefährten verliessen mich immer, Freunde habe ich keine…“ – „Gefährten? Meinst du diesen Schattenläufer? Vergiss ihn endlich!“ – „Das habe ich!“ – „Nein, Raxelle… Dein Kopf mag ihn vergessen zu haben, dein Herz jedoch will nicht loslassen. Er hat offensichtlich kein Intresse mehr an dir. Du solltest deine Kraft für wichtigeres nutzen, als Trauer. Du hast in dieser Scharfschützin eine gute Freundin gefunden, denke ich.“ – „Überwachst du mich, oder was wird das?!“, erwiderte die Blonde aufgebracht. „Wie gesagt“, sagte der Baum gelassen, „Birken reden gerne…“ Ein neuer Schlafplatz wäre angebracht, dachte Raxelle sich. Immerhin standen direkt bei ihrem Lager im Immersangwald mehrere Birken. „Versprich mir eines, kleine Raxelle.“ – „Warum sollte ich einem Baum etwas versprechen?“, antwortete Raxelle abschätzig. Die Eiche seufzte. „Hör auf dich selbst zu zerstören. Versuche ein neues Leben zu beginnen. Ihr Elfen habt nicht umsonst eine lange Lebensspanne. Tu es dir zuliebe. Und vor allem tu es für deine Mutter. Sie würde bitterlich weinen, wüsste sie, wie du mit dir umgehst.“ Die Einäugige wendete beleidigt den Blick zur Seite. „Ich… ich denke, ich werde jetzt gehen.“ Mit diesen Worten drehte sie sich bereits zum Gehen um. „Tu dies, kleine Raxelle Schattenfeder. Aber bedenke meine Worte…“ Raxelle öffnete bereits den Mund, um noch etwas zu sagen. Jedoch hörte man nur erneut ein Rauschen des Windes in den spärlichen Blättern, die dem alten Baum geblieben sind. Dann war es still. Raxelle seufzte und machte sich auf den Weg zurück zu ihrem Nachtlager.

Als sie ihr Lager erreichte, dämmerte bereits das Morgenrot am Horizont. Erschöpft liess sie sich in ihrem Zelt nieder. Sie strich sich durchs Haar und starrte an die Decke des Zeltes. Der Baum hatte recht, dachte sie sich. So konnte sie ihr Leben nicht weiterführen. Sie musste aufhören, sich selber zu bemitleiden. Mit diesen Gedanken schlief sie ein…
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