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 [WoW] Lahras/Cailah/Saylanne - Der Fall Ulduars

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LeKüken
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BeitragThema: [WoW] Lahras/Cailah/Saylanne - Der Fall Ulduars   Sa 23 Dez - 15:59

Inhaltsverzeichnis

Kapitel I   - Echo des Wahns
Kapitel II  - Abstieg ins Dunkel
Kapitel III - Licht am Ende des Tunnels


Zuletzt von LeKüken am Mo 25 Dez - 14:46 bearbeitet; insgesamt 5-mal bearbeitet
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LeKüken
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BeitragThema: Re: [WoW] Lahras/Cailah/Saylanne - Der Fall Ulduars   Sa 23 Dez - 16:10

Jahr 27 nach der Öffnung des Dunklen Portals
Ulduar




Ein eisiger Wind zog über die Plattformen der Titanenstadt. Er wühlte ruhenden Schnee auf, ließ ihn in Wehen über Gestein rieseln und neu angeordnet aufkommen. Heulen begleitete ihn dabei, ein beständiges Wehklagen, hervorgerufen durch die vielen Schluchten und Pässe, die Ulduar umgaben. Graue Wolken belagerten den Himmel, einzig unterbrochen durch gelegentliches, unnatürliches Blitzen. Keine Sonne. Nur Kälte.
Die Sturmgipfel verdienten ihren Namen.

Lahras Alah’nar stemmte den Fuß seines Stabes auf den eiskalten Boden, auf dem er stand. Steinplatten, die Jahrtausende überstanden hatten. Eine Terrasse von vielen. Er sah über die vielen anderen Plattformen, die sich zwischen ihm und den Toren Ulduars erstreckten. Kilometer, durchzogen von Werkstätten, Schutztürmen, Bunkern. Es war offensichtlich, dass diese Titanenstadt als Festung erbaut wurde. Anfangs dachten die Kirin Tor, dass Ulduar ein Relikt vergangener Zeiten war, ein Überleibsel jener, die vor den sterblichen Völkern gelebt hatten. Erst vor kurzem war die schreckliche Wahrheit ans Licht gekommen. Dass diese Festung kein Relikt war, kein Testament vergangener Kriege.
Ulduar war ein Gefängnis. Und sein Insasse war im Begriff, nach zehntausenden von Jahren endlich auszubrechen.

Ein Zittern durchzog die Terrassen, als hinter Lahras eine weitere Belagerungsmaschine in Betrieb genommen wurde.  Die vereinte Schöpfungskraft von Zwergen und Gnomen war zwar langsam und kaum manövrierfähig, aber die pure Durchschlagskraft dieses Panzers sprach für sich. Und nun bewegte sich ein ganzer Zug dieser Maschinen direkt auf die Tore Ulduars zu, um das Gefängnis zu sprengen und tapferen Seelen den Eintritt zu gewähren. Denn wenn der Gefangene sich nicht mehr durch seine Ketten aufhalten lassen wollte, dann musste er sterben.

Lahras beobachtete, wie der Belagerungstrupp über die Terrassen zog. Begleitet von Zauberern der Kirin Tor und Freiwilligen, die von Horde und Allianz gleichermaßen stammten. Die Eisernen Zwerge Ulduars strömten in ungezählten Massen aus ihren Bauten, als sie die Bedrohung erkannten. Denn den Stützpunkt der Kirin Tor, den konnten sie nicht erkennen. Nicht unter dem Zauberschild, den die Magier gewoben hatten. So musste die Offensive für die Verteidiger Ulduars aus dem Nichts kommen. Überraschungsmoment. Die einzige Möglichkeit, um die Verteidigung einer uralten Titanenstadt zu überwinden. Da waren sich alle einig.
Und im ersten Moment sah es so aus, als würde der Plan Früchte tragen. Die Eisernen trafen auf den Belagerungszug und verwickelten die Eskorte in einen erbitterten Kampf. Orcs. Menschen. Gnome. Trolle. Unter den massiven Waffen der Titanendiener fielen sie alle gleichermaßen. Doch die Belagerungsmaschinen, die zogen weiter. Keine Axt, kein Hammer, kein Schwert konnte die dicke Panzerung überwinden, mit denen diese Gefährte aufwarteten. So war die Eskorte kaum mehr als eine Ablenkung, eine Zerstreuung, um die Eisernen davon abzuhalten, allzu viel Zeit auf die eigentliche Bedrohung zu verwenden. Eine teure Ablenkung, mit Blut erkauft.

Ein tiefer Atemzug begleitete einen eiskalten Wind, der an Lahras’ Umhang zerrte. Er trat vor, hin zu dem Ring an Zauberern der Kirin Tor, die ihre ganze Kraft darauf verwendeten, den Schild über dem Außenposten aufrecht zu erhalten. Sollte die Offensive scheitern, war dieser Schild die einzige Möglichkeit für einen sortierten Rückzug aus der Stadt. Lahras klopfte einem Menschen auf die Schulter. Die Gemeinsprache kam ihm spielend leicht über die Lippen.
“Ruht Euch aus. Ich werde Euren Platz einnehmen.”

Die Augenbrauen des Menschen zogen sich für einen Moment zusammen und deuteten an, dass er widersprechen wollte. Doch Lahras verstärkte den Griff seiner Hand auf der Schulter. Eine Sekunde verging, ehe der Mensch sich fügte und aus der Formation ausbrach.
“Danke.” Murmelte er, als er sich zu den Zelten aufmachte, um Erholung zu suchen. Lahras nahm den nunmehr leeren Platz ein stemmte seinen goldenen Stab einmal mehr auf die kalten Steinplatten der Terrasse. Dieses Mal nicht nur als Haltung, sondern auch um einen Anker im magischen Geflecht des Zaubers zu setzen, der sich über der Formation der Kirin Tor aufgebaut hatte. Ein mächtiger, arkaner Zauber, welcher den Schutzschild mit Energie versorgte. Lahras konnte das magische Kribbeln auf seiner Haut spüren, wie es ihn erfüllte und seinen Herzschlag beschleunigte. Noch vor wenigen Jahren wäre diese Empfindung unerträglich gewesen. Doch seit der Reinigung des Sonnenbrunnens waren solche Aufkommen von Magie wieder das, was sie sein sollten: Angenehme Erscheinungen.

Also fasste der Sonnenhäscher seine Konzentration und warf sich gedanklich in die Inkantation der Kirin Tor hinein. Er murmelte Worte der Macht, mit denen er nach der Macht der Leylinien ausgriff und ihre uralte Magie für sich beanspruchte. Mit der anderen Hälfte seines Seins hielt er die Verbindung zum arkanen Zauber aufrecht. Er wurde zu einem magischen Leiter, der seine eigene Macht in den Zauber der Kirin Tor übergab, um diesem wiederum die nötige Energie zu geben, weiter zu existieren. Es war ein Rausch, diese geballte Kraft durch seinen Körper fließen zu spüren. Doch Lahras zwang sich, durch diese Sensation nicht seinen Fokus zu verlieren. Zu baden in emotionaler Kraft bedeutete, Kontrolle einzubüßen. Eine Lektion, die in der Vergangenheit vielen Zauberern teuer zu stehen kam.

Zeit verging. Der Zauber hielt stand.
Lahras nahm seine Umgebung nur mit einem Ohr wahr. Er hörte Brann Bronzebart in sein technisches Gerät brüllen, mit dem er Kontakt zum Belagerungstrupp hielt.
“… Was soll das sein?! Ausweichen! Ausweichen!”
Am Rande spürte der Sonnenhäscher auch, dass andere Kirin Tor die Plätze tauschten. Wie ausgelaugte Zauberer sich zurückzogen, um frischen, konzentrierten Webern das Feld zu überlassen. Jedes Mal wenn derartig gewechselt wurde, erzitterte der Zauber ein wenig in seiner instabilen Natur. Derart mächtige Magie war ein Gerüst, einzig instand gehalten durch das Fundament, welches die Zauberer selbst darstellten. Wann immer Teile des Fundaments ausgewechselt wurden, drohte das Gerüst, zusammenzufallen.

Mit der Zeit wurde das Gerüst jedoch immer unruhiger. Lahras zog die Augenbrauen zusammen. Nachdem er die ganze Zeit lediglich damit verbracht hatte, seine eigene Kraft in den Zauber zu überführen, streckte er nun seine Sinne aus, um der Unruhe auf den Grund zu gehen. Sie stammte nicht von den wechselnden Kirin Tor, zumindest nicht direkt. Lahras fand auch keinen Fehler im Geflecht des Zaubers selbst. Die magische Energie genügte, um ihn am Leben zu halten. Also musste die Unruhe anderswo her kommen.

Für einen Moment wurde Lahras wieder vom Brüllen des Bronzebart-Zwerges abgelenkt.
“Was glaubt Ihr eigentlich was wir sind?! Mäuse?!”

Als der Sonnenhäscher sich daraufhin wieder in die Gefilde des Zaubers begab, stieß er endlich auf den Ursprung der Unruhe. Doch in dem Moment, als er ihn gefunden hatte, wünschte er sich, er hätte die Unruhe gänzlich ignoriert.

“ERZITTERT STERBLICHE, UND VERZWEIFELT! DENN IHR STEHT IM ANGESICHT VOM GOTT DES TODES!”

Die Unruhe. Ein Gefühl von Schrecken. Angst. Die Psyche eines Magiers spielte eine große Rolle bei seinem Wirken. Ein Zauber wurde instabil, wenn der Wirkende großem Stress ausgesetzt war, wie es Zorn und Furcht eben mit sich brachten. Weder Lahras noch die restlichen Kirin Tor hatten bemerkt, wie der Gefangene Ulduars sich in ihren Zauber geschlichen und ihr Denken untergraben hatte. Und nun, da sein Einfluss offen lag, war seine Stimme kein Flüstern mehr, sondern ein Brüllen.

“DIE STUNDE DES ZWIELICHTS NAHT. EURE HERZEN SCHLAGEN LANGSAMER. EUER ATEM VERSIEGT. EUER SCHICKSAL - BESIEGELT.”

Lahras’ Griff um seinen Stab verkrampfte. Die Worte Yogg-Sarons hallten in seinem Kopf wider, hielten ihn in ihrem Bann. Nicht lange, und er war nicht mehr in der Lage, die Verbindung zu dem Schutzzauber aufrecht zu erhalten. Sein Kopf rumorte, drohte förmlich damit zu zerplatzen. Der metallische Geschmack von Blut in seinem Mund. Schreie. Auch von dem Alten? Nein. Von anderswo. Lahras sah sich hektisch um. Er war nicht allein. Der Außenposten der Kirin Tor versank im Chaos, als jeder Einzelne versuchte, dem Gebrüll in seinem Kopf Herr zu werden. Einige schlugen ihre Köpfe gegen Stein. Andere erbrachen sich. Wieder andere fielen auf die Knie und flehten um Gnade. Und nicht wenige kauerten einfach zusammen und wogen hin und her wie Kinder, die von ihrer Mutter getrennt wurden.
Lahras selbst fiel auf die Knie und hatte Mühe, überhaupt eine Hand an seinem Stab zu behalten. Er knirschte mit den Zähnen, versuchte noch einmal, mehr Kraft in den Schutzzauber zu leiten. Ohne diesen Zauber…

Als mehr und mehr Kirin Tor unter der Last des Alten zusammenbrachen, fiel auch das instabile Gerüst des Zaubers in sich zusammen. Das stetige Flimmern über den Köpfen zog sich gefährlich zusammen, nur um kurz darauf in einer arkanen Explosion über den Außenposten herausfallen. Lahras wurde von seinen Knien gehoben, einige Meter zurückgeworfen und landete schwer auf dem kalten Boden. Und damit war er noch unter den Glücklichen, denn andere, die dem Zauber näher waren, wurden durch die Rückkopplung der Magie einfach in Staub aufgelöst.

“KEINE RETTUNG MEHR. IHR SEID VERRATEN.”

Es sollte nicht bei diesen Toten bleiben. Einer der Zwerge zog seine Pistole vom Gürtel und richtete sie mit vor Panik geweiteten Augen auf sich selbst. Ein Schuss. Ein zerbrechender Schädel. Blut, Knochensplitter, Hirnmasse verteilte sich über der Terrasse. Die Schreie wurden durchdringender. Und die Kälte. Die Kälte wurde nahezu unerträglich. Lahras tastete nach seinem Stab, konnte ihn jedoch nicht finden. Es gab keine klaren Gedanken. Er spürte sein Herz rasen, und schlug mit der Faust wiederholt auf den steinernen Boden ein. Er wusste nicht warum. Vielleicht war es nur ein Ventil. Vielleicht tat er es, weil das die Wärme in seine Faust zurückbrachte. Und er war sich sicher, ein wenig Befriedigung zu spüren, als er spürte, wie seine Hand unter den Schlägen aufplatzte und seine Handschuhe langsam mit Blut tränkte. Der Geruch. Blutgeruch.

Ein Glockenschlag.
Das Gebrüll hörte auf.
Die Schreie hörten auf.

Heulender Wind.

Lahras rollte sich auf seinen Rücken. Sein Herz raste noch immer. Sein Atem beruhigte sich nur langsam. Die Hand, mit der er auf den Boden eingeschlagen hatte, pochte wie verrückt. Nicht lange, und sie begann zu schmerzen. Ein Bruch, keine Frage. Eindringlicher als das war jedoch, dass Lahras in der Lage war, klar darüber nachzudenken. Die Worte des Alten waren aus seinem Schädel verschwunden. Er war wieder Herr seiner eigenen Gedanken.
Als der kühle Wind zu viel wurde, um ihn liegend zu ertragen, rappelte der Sonnenhäscher sich auf. Er sah den Außenposten und seine Verteidiger in den Nachwehen des Chaos. Die meisten waren noch dabei, ihre eigenen Gedanken zu sortieren. Andere überließen das Denken gleich anderen und machten sich mechanisch an die Aufräumarbeiten.

Und in der Mitte der Terrasse sah Lahras dann das, was er suchte. Die Glocke, die den Alptraum beendet hatte. Ein kleines Exemplar, leicht in einer Hand zu halten. Einkerbungen in einer fremden Sprache, die das Alter der Glocke noch unterstrichen. Gehalten wurde diese Glocke von einer Frau, die Lahras wohlbekannt war. Mit seiner unverletzten Hand klopfte er seinen Umhang weitestgehend ab. Ein Atemzug. Der Herzschlag beruhigte sich langsam. Ihm war übel, doch auch das würde weichen. So begab er sich zu den vertrauten Gestalten, die in der Terrassenmitte mit einem dankbaren Erzmagier unterhielten.

“Ihr habt ein großes Unglück verhindert.” Lobte er Erzmagier erleichtert, “Ohne uns wären Brann und seine Leute allein in dieser Titanenstadt.”
Die Elfe mit der Glocke lächelte zufrieden und ignorierte dabei die Strähnen ihres glatten, schwarzen Haares die sich durch den kalten Wind in ihrem Gesicht verirrten.
“Mit Vergnügen, Erzmagier. Es ist mir immer eine Freude, solch neue Artefakte in Aktion zu erleben.”

Lahras gesellte sich zu der Elfe, ihrer Begleiterin und dem Erzmagier.
“Miss Dy’lis.” Begrüßte er die schwarzhaarige Elfe, die ihn daraufhin ebenso freundlich anlächelte.
“Magus Alah’nar. Ich hätte mir denken können, dass Ihr einer solchen Selbstmordaktion nicht fernbleiben würdet.”
Lahras schmunzelte und deutete eine Verbeugung an.
“Da ich es nicht eilig habe, bin ich trotzdem für Eure zeitige Ankunft dankbar.”

Der Erzmagier sah zwischen den Elfen hin und her. Es dauerte nicht lange, bis ihm seine Rolle als Außenseiter unter Spitzohren klar wurde. Er murmelte eine Entschuldigung und wandte sich ab, um die Instandsetzung des Stützpunktes zu überwachen. Lahras nickte ihm noch zu, ehe er sich gänzlich Saylanne Dy’lis und ihrer Begleiterin zuwandte.

“Weil Ihr ein kluger Mann seid, Magus Alah’nar.” Saylannes Lächeln wurde noch ein wenig wärmer, ehe sie zu ihrer Begleitung deutete. “Meine Assistentin kennt Ihr bereits, habe ich gehört?”
Lahras sah zu der blonden Elfe und nickte. Bei ihr musste er ein wenig mehr Mühe aufwenden, um seine freundliche Manier zu wahren.
“Natürlich erinnere ich mich an die schöne Lady Cailah El’draan.” Er deutete eine weitere Verbeugung an, die von Cailah mit einem höflichen Nicken bedacht wurde.

Saylanne griff in die Glocke hinein und löste den Stößel aus ihrem Inneren, um beides getrennt an dem Gürtel anzubringen, der über ihrer Robe spannte.

“Was ist das für ein Artefakt, dem dieser Außenposten seinen Verstand zu verdanken hat?” Fragte Lahras und betrachtete sich die Einkerbungen der Glocke dabei genauer. Doch egal wie sehr er auch seinen erschöpften Verstand bemühte, er konnte sich keinen Reim auf die Worte machen.
“Das…” fing Saylanne an zu erklären, “… haben Cailah und ich in den südlichen Bergfestungen gefunden. Wir sind uns sicher, dass die Irdenen diese Glocken benutzt haben, um gegen Yogg-Sarons Einfluss gefeit zu sein.”
Cailah nickte zustimmend: “Es gab einige mehr davon. Die anderen haben wir bereits verteilt. Die Offensive auf das Gefängnis sollte damit wesentlich leichter fallen.”

Lahras sah zwischen den beiden Frauen hin und her. Ihm schossen so einige Gedanken durch den Kopf. Saylanne hatte er stets als typische Professorin der Archäologischen Akademie Silbermonds wahrgenommen. Eine flüchtige Bekanntschaft, doch er konnte sie dafür respektieren, dass sie sich ohne Adelstitel und sonstige Einflüsse zu ihrer heutigen Position gearbeitet hatte.
Nicht so wie ihre Assistentin, mit der Lahras wesentlich unangenehmere Erfahrungen teilte. Als Nethermantin war sie ihm in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach ins Visier geraten, was zu mehreren Auseinandersetzungen geführt hatte. Erst nach der Entweihung des Sonnenbrunnens hatte Cailah El’draan ihre Loyalität unter Beweis gestellt, indem sie als eine von vielen Nethermanten unter Magister Rommaths Führung den Blutelfen bei der Bewältigung ihrer Sucht nach Magie geholfen hatte.
Dennoch war Cailah El’draan ein Musterbeispiel für eine Adelsfrau, die ihre eigene Motivation vor das Wohl anderer stellte. So kam es Lahras auch äußerst merkwürdig vor, sie nun als Assistentin von jemand so pragmatischen wie Saylanne Dy’lis zu erleben.
Ihm war danach zu fragen, wie es sein konnte, dass Cailah sich mit der Position als Assistentin zufrieden gab. Er überlegte es sich jedoch anders und neigte schlicht sein Haupt vor den beiden.
“Wie immer beweist die Archäologische Akademie ihre Macht und ihr Wissen. Mit Euch an unserer Seite haben wir vielleicht eine Chance, diesen Alten Gott wirklich zu besiegen.”

Während Saylanne auf diese Worte hin wieder lächelte, warf Cailah einen verstohlenen Blick hin zu der Glocke. Lahras bemerkte beides, sah jedoch letztendlich zu der Professorin, als sie zu sprechen begann.
“Das will ich hoffen, werter Magus. Cailah und ich werden noch für einen Moment bleiben um sicherzustellen, dass dieser Angriff keine Nebenwirkungen hatte.”
“Und was habt Ihr dann vor?” Hakte Lahras nach.
“Dann werden wir Brann Bronzebart und seinen Abenteurern in die Titanenstadt folgen, natürlich.”
Cailah meldete sich zu Wort: “Wir können es schließlich nicht zulassen, dass die Forscherliga ihre ungebildeten Hände zuerst an die dortigen Schätze legen kann.”
“Richtig.” Saylanne nickte zustimmend, “Was auch immer zusammen mit Yogg-Saron eingesperrt wurde, es in die Hände von Silbermond gelangen, und nicht in einem zwergischen Museum als Staubfänger dienen, nicht?”

Lahras fühlte sich seltsam veranlasst, Einspruch zu liefern. Er hielt wenig davon, mit solchen Artefakten zu hantieren, denn es gab viele Gründe, warum sie in Vergessenheit gerieten oder - wie in diesem Fall - weggesperrt worden waren. Allerdings hielt er sich davon ab, derartiges wirklich auszusprechen. Der Glocke allein war es zu verdanken, dass dieser Außenposten nicht unter dem Einfluss Yogg-Sarons gefallen war. Und er hatte gelernt, Professoren der Archäologischen Akademie zu vertrauen, wenn es um die Handhabung alter Mächte ging.
Seltsamerweise hatte er dieses Vertrauen weniger, wenn es um Cailah El’draan ging.

“Ihr werdet an dieser Front sicher gebraucht.” Sagte er letzten Endes und neigte sein Haupt einmal mehr vor den beiden Vertretern der Akademie. Saylanne führte einen recht ungeschickten Knicks, direkt neben Cailahs perfektioniertem Beispiel.
“Ihr ebenfalls.” Bemerkte Saylanne, “Also seht zu, dass Ihr einen Heiler für Eure Hand findet, ja? Es passt nicht zu Euch, kein Schwert führen zu können.”

Lahras schmunzelte. Das Pochen seiner Hand fiel ihm erst wieder auf, als Saylanne es erwähnte. Eine gewisse Taubheit hatte sich eingestellt.
“Ganz wie Ihr wünscht, Miss Dy’lis. Gebt auf Euch Acht.”
“Immer, werter Magus. Den vier Augen von Cailah und mir entgeht nichts, das sage ich Euch.”

Nach dem Abschied sah Lahras sowohl Saylanne als auch Cailah noch für einen Moment nach. Aller Dankbarkeit um diese Glocke zum Trotz hatte er auf einmal ein unangenehmes Gefühl dabei, diese Vertreter der Akademie in der Titanenstadt zu wissen. Doch es war nicht die Zeit für Misstrauen, denn das war die Waffe der Alten Götter.
Also wandte sich auch der Magus ab und gesellte sich zu vielen anderen Kirin Tor, die wegen des jüngsten Chaos die Heilerzelte aufsuchen mussten. Es dauerte nicht lange, bis seine Gedanken von anderen, direkteren Themen beschlagnahmt wurden. Die Offensive war geglückt, doch das bedeutete nicht, dass die Kirin Tor Bronzebarts Offensive nun den Rest überlassen konnten.

Es gab nämlich bereits Munkeln über ein Teleportationssystem, welches genutzt werden konnte, um schnell Verstärkung ins Innere der Titanenstadt zu schleusen.




Zuletzt von LeKüken am Mo 25 Dez - 14:44 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: [WoW] Lahras/Cailah/Saylanne - Der Fall Ulduars   Mo 25 Dez - 14:43

Tage später.



Zwei Paar Schritte. Die einen dumpf, von gefestigtem Wanderschuhwerk. Die anderen hell, stammend von hohen Schuhen wie man sie wohl besser auf einem Ball getragen hätte. In den Untiefen Ulduars hallten die unterschiedlichen Schritte scheinbar ewig wider. Sie gingen Cailah und Saylanne voraus, stiegen hinab in die Dunkelheit nur um dort irgendwann zu enden und eine kleine Hoffnung auf einen Abschluss dieser Exkursion zu geben. Denn während Saylanne es offensichtlich genoss, immer tiefer in die Gewölbe der Titanenstadt vorzudringen, war es Cailah mehr und mehr zuwider.
Schon lange hatten sie die weiten Hallen und Gänge von Ulduar hinter sich gelassen. Dort waren die Kämpfe gewesen. Dort wurden Titanenwächter erschlagen, Diener des Alten abgeschlachtet. Und wo das Blut getrocknet war, hatte sich sogleich die Forscherliga eingenistet, um mit ihren dicken Fingern das Erbe der Titanen zu beschmutzen. Keine Chance für lediglich zwei Vertreter der Archäologischen Akademie, selbst Hand an die offensichtlichen Schätze zu legen, die Ulduar bereithielt.

Also beschlossen sie, die vielen Bruchstellen der Stadt zu betreten. Dorthin zu gehen, wo weder die Abenteurer noch die Forscherliga sich bislang vorgewagt hatten. Die Gefängnistrakte, in denen einst die Diener Yogg-Sarons eingesperrt gewesen waren. Nun war die Schlacht gewonnen, der Alte Gott besiegt. Seine letzten, verstreuten Lakaien zu fürchten bedeutete, ihre Kerker zu meiden. Und wenn dort die Diener der Alten bewacht wurden, warum nicht auch ihre mächtigen Artefakte?

Es war ein gefährliches Unterfangen, daran bestand keinen Zweifel. Doch dieser Umstand störte Cailah weitaus weniger als die Unbequemlichkeit des Abstiegs, mit dem sie und Saylanne konfrontiert waren. Nachdem sie die offenen Hallen Ulduars verlassen hatten schien es, als hätten sich die Gänge selbst dem Willen Yogg-Sarons gebeugt. Sie waren zerbrochen, führten nun nicht mehr geradeheraus in die Stadt hinein, sondern in Bruchstücken hinab in die Dunkelheit. Eine Dunkelheit, die nur durch Magie erhellt wurde. Kunstvolle Bleiglasfenster schwebten über den finsteren Abstieg, herausgebrochen aus ihren Wänden. Ein sanftes Leuchten ging von diesen Fenstern aus, was die Exkursion erträglicher machte.
Viel schlimmer war da eben die Tatsache, dass die Gänge zerbrochen waren, und man daher alle paar Schritte Klettern musste, um zum nächsttieferen Bruchstück zu gelangen. Während Saylanne ihre Robe gegen eine praktische Expeditionsausrüstung ausgetauscht hatte, sah Cailah es nicht ein, ihre edle Gewandung gegen solch primitive Werkzeuge auszutauschen. Wofür war sie denn schließlich ein Kind der Hochgeborenen?

„Hast du etwas gesagt?“ fragte die Professorin ohne jede Vorwarnung.
„Hm? Nein?“ erwiderte Cailah verwirrt.

Schulterstücken. Während Saylanne ein Seil befestigte, um ihren nächsten Abstieg zu sichern, streckte Cailah schlicht beide Hände aus und verschwendete einen Gedanken an einen Basiszauber der arkanen Magie. Sie musste seine Formel nicht einmal murmeln, war sein Wirken doch bereits in ihrem Denken verankert wie das Atmen selbst. Der Zauber hob sie vom kühlen Boden auf und trug sie hinab zum nächsten Bruchstück des Ganges, der einige Meter tiefer lag. Beim Aufkommen gaben ihre hohen Schuhe einmal mehr hell klackende Geräusche von sich.
Recht ungeduldig verschränkte sie daraufhin die Arme vor der Brust, um auf ihre Professorin zu warten. Sie brauchte Minuten, um den Abstieg auf herkömmliche Weise zu bewältigen. Cailah musste sich bemühen, keine abschätzigen Gedanken im Angesicht dieses Prachtexemplars der Mittelschicht zu verfolgen, das nicht einmal wirklich zaubern konnte.

„Was habe ich zum unnötigen Gebrauch von Magie bei solchen Expeditionen gesagt, Cailah?“ Saylannes Vorwurf war weniger aggressiv, denn mit einem hoffnungslosen Seufzen begleitet. Ein Thema, das die Professorin seit Beginn der gemeinsamen Arbeit nicht müde wurde anzusprechen. Cailah plante nicht, ihr jemals Gehör zu schenken.
„Ich würde diese Zeitersparnis nicht unnötig nennen.“ Erwiderte sie prompt.
Saylanne rutschte das letzte Stück bis zum Boden von ihrem Seil herunter und zog danach einmal kräftig daran, um den Riemen am Ursprung zu lösen. Das Seil kam der Professorin daraufhin entgegen und fiel ihr bereitwillig in die Hände.
„Ich schon. Wir wollen hier nichts wecken, was besser in Ruhe gelassen wird.“ Erwiderte Saylanne kritisch, „Wie immer bist du rücksichtslos im Angesicht des Unbekannten.“

Cailah rollte mit den Augen und ging weiter, bis zum Ende dieses Bruchstücks, das einmal mehr in die Tiefe führte. Sie spähte hinab und verzog die Miene.
„Jetzt spielt es ohnehin keine Rolle mehr.“
Als Saylanne an ihre Seite aufgeschlossen hatte, entwich ihr noch ein viel tieferes Seufzen.
„… Eine Sackgasse…?“ murmelte sie enttäuscht.
„Sieht so aus.“

Nach der ersten Ernüchterung konnte Cailah in schneller Abfolge beobachten, wie sich die Stirn der Professorin furchte, nur um sich in neuer Entschlossenheit zu glätten. Saylanne griff an ihren Expeditionsgürtel, zog eine Stange heraus und riss sie in der Mitte auseinander. Ein Signalfeuer, das durch die plötzliche Reibung an beiden Enden entzündet wurde. Noch während Cailah zwei Schritte zur Seite ging, damit ihre Robe nicht aus Versehen Feuer fing, warf Saylanne die beiden Stangenhälften in den dunklen Abgrund hinein.
Die Flammen, so grell sie auch waren, verloren sich schnell in der Finsternis.

Cailah schnaubte: „Mit solchen Lichtchen werden wir auch nicht schlauer. Lasst mich Euch auf die Sprünge helfen, Professorin.“
Sie hob die Hände und ignorierte den Protest ihrer Vorgesetzten, während sie zwischen ihren Fingern einen grell-leuchtenden Feuerball formte. Ein Grinsen breitete sich auf ihren Lippen aus, als sie die Macht des Zaubers spürte, der von ihren Fingern in ihre Arme floss, sich als angeregtes Kribbeln bemerkbar machte, nur um schlussendlich in ihrer Brust aufzusteigen wie ein wohliges Gefühl.
„Cailah, nein!“

Der Feuerball fand seinen Weg in die Tiefe. Doch obwohl er die erste Hälfte seiner Strecke wesentlich besser beleuchtete als die vorangegangenen Signalfeuer, verschluckte es ihn doch nach derselben Strecke in der Dunkelheit.
Beide Frauen starrten für einen Moment in den Abgrund hinein. Unschlüssig.

„Sieh.“ deutete Saylanne dann nach oben, hin zu den Bleiglasfenstern. „Findest du es nicht auch merkwürdig, dass diese Fenster uns den ganzen bisherigen Weg begleitet haben, nur um hier aufzuhören?“
Auf diesen Hinweis hin betrachtete sich Cailah die letzten beiden Fenster genauer, die oberhalb ihrer Köpfe durch die Schwärze schwebten und ihr sanftes Licht ausstrahlten. Sie erkannte die Darstellungen schnell. Eines der Fenster bildete Freya ab, die Wächterin der Natur. Sie hielt eine Blume in der Hand und lächelte warm. Das andere Fenster zeigte Hodir, den Herren des Eises, mit seiner stoischen Haltung und seinem festen Gesichtsausdruck.
„Merkwürdig.“ bestätigte Cailah schließlich die Beobachtung.
Saylanne sah zu ihr hinüber: „Wir sollten kehrt machen. Es gibt andere Gewölbe in dieser Stadt, ohne dass wir einen riskanten Abstieg in diese…“

Noch bevor die Professorin enden konnte, wallte ein Rumoren in der Tiefe auf. Es klang wie ein tiefes Stöhnen, wie ein Bergriese, der unsanft aus seinem Schlaf erwachte. Beide Frauen spähten noch einmal in die Dunkelheit hinab. Mit Schrecken bemerkte Cailah, dass die Finsternis irgendwie ‚näher‘ wirkte als noch vor einer Minute.
„… Kehrtmachen klingt nach einer ganz hervorragenden Idee.“ bestätigte sie einmal mehr und wandte sich dann auch schon ab.

Saylanne war schneller auf ihrer Flucht, nicht zuletzt dank des besser geeigneten Schuhwerks. Doch das half nicht, denn bevor die Professorin den Rand des Bruchstücks überhaupt erreichen und nach ihrem Seil greifen konnte, wurde sie am Knöchel erfasst. Cailah kreischte erschrocken, als sie das Tentakel sah, das ihre Vorgesetzte ergriff und quer über das Bruchstück zog, wieder in Richtung der Dunkelheit, die sich weiter und weiter ausbreitete.
Schnell fasste Cailah wieder klaren Gedanken. Sie stürzte Saylanne hinterher und warf zwei schnelle Frostblitze in Richtung des Tentakels. Doch wo sie eigentlich das schleimige Fleisch hätten durchdringen müssen, pufften lediglich finstere Wolken auf und verschluckten die Zauber. Ungehindert zog das Tentakel Saylanne über den Rand des Bruchstücks, wo die Professorin sich gerade noch so an der Kante festklammern konnte, nur um über der Dunkelheit zu baumeln. Der kräftige Zug des Tentakels machte den Halt dabei sichtlich schwer.

Cailah stellte sich am Rande des Bruchstücks auf und sah hinab in die Tiefe. Sie wollte weitere Zauber wirken, wusste jedoch dass das kaum Effekt haben würde. Saylanne hinaufziehen zu wollen war ebenfalls zum Scheitern verurteilt.
„Die Glocke!“ rief Saylanne schließlich, und verhalf Cailah damit zu dem Geistesblitz, den sie brauchte. Sie griff mit ihrer Magie aus und hob damit die Glocke zusammen mit dem Stößel von Saylannes Gurt an, um beides direkt in die eigenen Hände zu befördern. Hektisch führte Cailah daraufhin den Stößel ins Innere der Glocke. Sie musste ihn nur einhaken und dann…

„ABER WARUM?“

Der Gedanke kam plötzlich und brachte Cailah zum Innehalten. Ja… Warum eigentlich? Warum sollte sie Saylanne retten? Ein Schandfleck für das hohe Volk der Elfen. Sie konnte ja nicht einmal zaubern. Ihre Position als Professorin war kaum gerecht. Sie, Cailah, sollte diese Stellung haben. Das hatte sie verdient.

„Cailah!“ schrie Saylanne, als sie das Zögern ihrer Assistentin bemerkte. Ihre Finger rutschten immer weiter vom Rand ab, nachdem das Tentakel nochmals kräftig an ihrem Knöchel zog.

Cailah senkte die Glocke langsam in ihrer Hand. Es wurde immer klarer. Saylanne zu retten hätte keinen Sinn. Mit ihrem Seil war sie viel zu langsam, um vor der Dunkelheit zu fliehen. Und nachdem sie sich derart abschätzig über Magie geäußert hatte stand es ihr wohl kaum zu, von ihrer Assistentin mit ebendieser Magie gerettet zu werden. Ja, so war es. So war es richtig.

Sie nahm den Stößel wieder aus der Glocke heraus und sah zu der Professorin hinab. Ihre Worte waren ruhig vor Gewissheit.
„Macht es nicht schwerer als es sein muss, Saylanne.“
Die Augen der Professorin weiteten sich. „Mach jetzt keinen Unsinn und hilf mir! BITTE!“
Ohne jede Eile befestigte Cailah die Glocke und den Stößel an ihrem eigenen Gürtel und beobachtete, wie Saylannes Halt am Bruchstück schwand.

„CAILAH!“

Die Professorin fiel. Ihr Schreien verlor sich recht bald in der Finsternis, und so auch ihr Hall. Eine merkwürdige Stille legte sich in den gebrochenen Gang. Kein Rumoren mehr, kein Schreien. Cailah atmete leise aus und…
… fiel vor dem Rand auf die Knie.
Was hatte sie getan?
Ihre Augen weiteten sich im Angesicht von Verständnis. Die Furcht kehrte geballt zurück und schmerzte förmlich in ihrer Brust während sie realisierte, dass sie nun allein in dieser Sackgasse war.

Wie hatte sie das tun können? Saylanne hatte sie stets gerecht behandelt, während andere in der Akademie sie für ihr Adelsblut mit Vorurteilen bedachten. Sie hatte nie gestritten, immer nur verstanden und erklärt. Eine reife Frau, die sich alles in ihrem Leben erarbeitet hatte. Eine Respektsperson. Ein Vorbild.
Und nun war sie tot. Cailah atmete wieder aus. Zittrig diesmal. Was war in sie gefahren?

Sie sah wieder auf zu den Fenstern und erstarrte.
Sowohl Freya als auch Hodir grinsten nun breit auf sie hinab, mit wahnsinnigen Blicken.

Cailah raufte sich die Haare und schrie verzweifelt in die Dunkelheit hinab. Sie schrie so lange, bis ihre Stimme versagte. Die bebende Furcht in ihrer Brust wurde nun begleitet von einem tiefen Schlund der Reue, der sich in ihre Magengegend grub und Übelkeit in ihr aufstiegen ließ. Sie wollte sich übergeben, doch es gelang ihr nicht. Sie wollte sich selbst in die Dunkelheit stürzen um Buße zu tun, doch ihr fehlte der Mut.

Das Rumoren aus der Tiefe kehrte zurück. Cailah schreckte vom Abgrund zurück, rappelte sich auf die Füße und lief endlich davon. Ihre Instinkte übernahmen jede Handlung von diesem Moment an. Sie griff nach der magischen Kraft aus, um sich erneut vom Boden anzuheben und die Bruchstücke empor zu schweben. Eines nach dem anderen. Das Rumoren wurde lauter. Jeder Wächter auf den Fenstern zeigte nun dieses irre Grinsen. Die Angst davor trieb Cailah Tränen in die Augen. Wohin es ging, das wusste sie nicht mehr. Sie stieg einfach auf. Bruchstück für Bruchstück. Bis der Gang wieder intakt war, das Rumoren weit hinter ihr lag.

Sie rannte durch die Hallen Ulduars, vorbei an Irdenen, vorbei an Vertretern der Forscherliga. Manchmal hörte sie Rufe hinter sich, sie möge doch anhalten. Doch sie hörte nicht zu. Sie stolperte, fing sich. Dann warf sie ihre hohen Schuhe ab und setzte ihre Flucht barfuß fort. Der Stein war kalt. Cailah rannte weiter. Irgendwann sahen die Gänge alle gleich aus. Die Hallen. Die Statuen. Alles gleich. Sie hatte sich verirrt. Ganz bestimmt. Wo war sie? Wie fand sie zurück? War das ein Alptraum? Wo war das Rumoren? Das Grinsen, dieses fürchterliche Grinsen…

Dann wurde sie gepackt. Cailah stieß einen heiseren Schrei aus, als sich warme Hände auf ihre Schultern legten. Dann hielt sie inne. Kein Angriff. Blinzeln.
„Cailah…“ Lahras Alah’nar nahm sie fest in seinen Blick. Er wirkte beunruhigt, vor allem ob der Beobachtung, die sich ihm sofort aufdrängen musste. „… Was ist passiert? Wo ist Eure Vorgesetzte?“

Cailah sah dem Magus für einen Moment entgegen. Dann brach sie in Tränen aus und wimmerte unkontrolliert.
„S-Sie ist… t-tot…“
Während Lahras‘ Augen sich weiteten, wollte Cailah wieder ansetzen. Sie wollte ihm erklären, dass es ihre Schuld war. Dass sie nicht Herrin ihrer eigenen Sinne gewesen war. Doch sie hielt sich selbst auf. Er würde ihr nicht glauben. Er würde sie verachten. Er würde dafür sorgen, dass sie in die Kerker des Sonnenzornturms geworfen wurde, um nie wieder das Licht der Sonne zu erblicken.

Also schluckte Cailah, und sagte nichts weiter. Sie ließ sich von ihren Tränen vereinnahmen und weinte. Es dauerte nicht lange, bis Lahras sie einfach in seine Arme zog und ihren Kopf an seine Schulter drückte.
„E-Es tut mir so leid…“ wimmerte sie leise.
„Ich weiß.“ murmelte Lahras noch.


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[WoW] Lahras/Cailah/Saylanne - Der Fall Ulduars
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