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 [WoW] Nyr Vleit - Labyrinth

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Vleit



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BeitragThema: [WoW] Nyr Vleit - Labyrinth   Mo 15 Jun - 22:10

Die folgende, wirre Ansammlung von Text ist mein Probelauf dafür, einen kleinen Einblick in die Gedankenwelt Vleits zu geben. Da der Char nicht der gesprächigste ist, kann ich mich auf diese Weise austoben.
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Der Tod ist nicht das Ende.

Ich kann nicht sagen, ob ich mich im Leben allzu sehr mit dieser Tatsache auseinandergesetzt hatte, denn ich besitze keinerlei Erinnerung an das, was vorher war. Dieses Versäumnis nachzuholen ist dringend erforderlich. Seit ich in die Gesellschaft der Sterblichen zurückgekehrt bin, werde ich täglich damit konfrontiert. Denn die Blicke, die mir zugeworfen werden, sind wegen jenem Punkt bestenfalls gleichgültig oder abweisend. Der Tod ist nicht das Ende. Die Lebenden vergessen nie, mir diese Tatsache stets auf ein Neues ins Gedächtnis zu rufen.

Ich glaube, dass ich deswegen nicht allzu traurig bin. Wegen meinem Untod - nicht wegen den abweisenden Gesten Sterblicher. Das liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit daran, dass ich nicht weiß, wie sich Trauer anfühlen muss. Ist es vielleicht ein bitteres Ziehen im Magen, oder geht mit dieser Emotion keine körperlich negative Reaktion einher?

Meine Unfähigkeit, Gefühle zu empfinden oder zuzuordnen, ist offensichtlich auf meinen Tod zurückzuführen. Ich starb - doch die Konsequenzen dieses Augenblicks sind zu facettenreich, um sie in diesen zwei Worten abzuhandeln. Vielleicht ist der Vergleich mit einer chemischen Reaktion hilfreich. Die Zusammenführung zweier - oder beliebig vieler - Chemikalien kann eine Farbänderung von Wasser bewirken. Das ist die offensichtliche Reaktion, eine Veränderung die selbst ein Kind bezeugen kann. Die genaue Wirkung der chemikalischen Stoffe, also dem, was vor aller Augen hinter den Kulissen stattfindet, ist weitaus schwieriger zu entschlüsseln.

Bislang bin ich niemandem begegnet, weder Lebenden noch Untoten, der dieses Geheimnis lüften konnte. Ich bin noch niemandem begegnet, der sich mit diesen Fragen insgesamt je auseinander gesetzt hätte. Der Untod wird allgemeinhin als unerwünschter und bedrohlicher Nebeneffekt angesehen. Das zumindest ist die verbreitete Ansicht der Sterblichen, und die bis in die Gegenwart reichende Vergangenheit gibt ihnen darin vermehrt Recht.

Doch aus welchem Grund ist das der Fall? Den wandelnden Toten fehlt es an Gefühl. Besäßen sie diese - oder könnten sie jene deuten, falls empfunden - wäre es für sie unmöglich, all diese Gräueltaten zu vollbringen. Dessen bin ich mir mittlerweile sicher.

Meinesgleichen weist ähnliche Verhaltensmuster wie ein stereotyper sterblicher Mörder auf: Totale Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal des Opfers und der seelischen Qual der Hinterbliebenen. Unempfindlichkeit gegenüber offensichtlichem Leid. Die Einbildung von Befriedigung im Angesicht des Todesmoments des Opfers. Überschwänglicher Genuß der Macht über Leben und Tod. Blutlust und Gier.

Kann diese Grausamkeit nur ein zum Scheitern verurteilter Versuch sein, Emotionen wachzurufen, um sich selbst Leben vorzugaukeln? Ein fehlgeleiteter und höchstwahrscheinlich unbewusster Ausdruck der Verzweiflung, alle Menschlichkeit verloren zu haben?

Oder befinden sich meine Gedanken auf einem Irrweg, verdammt dazu ewig umherzustreifen und unfähig zur Erkenntnis...
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Vleit



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BeitragThema: Re: [WoW] Nyr Vleit - Labyrinth   Mo 15 Jun - 22:11

Verrat ist subjektiv.
Vertrauen ist subjektiv.
Gut und Böse sind ebenfalls subjektive Begriffe, die der Interpretation des Einzelnen unterliegen.

Während ich unter Arrest in der Energiezelle stand und die fortschreitende Nacht Ruhe einkehren ließ, dachte ich erneut über diese zutreffende Erkenntnis nach.

Manche Erkenntnisse über den Auslöser bestimmter Verhaltensmuster der Lebenden unterstützen meine Bemühungen, die Komplexität einer sterblichen Gesellschaft zu begreifen und zu verinnerlichen. Andere stellen eine Dauerbelastung der im steten Aufbau befindlichen Zusammenarbeit dar. Auch das ist ein subjektives Empfinden meinerseits, da ich Grund zu der Annahme habe, dass wenige Untote ein Interesse an den ihnen vernachlässigbar erscheinenden Eigenarten der Sterblichen haben.

Missverständnisse sind unvermeidbar und Teil des Umgangs mit der häufig irrationalen Reaktionskette, die mich in diese Zelle brachte. Nach einem Wortwechsel mit Vaeran Dämmerpfeil war ich in der Lage, Bruchstücke des Hergangs zu rekonstruieren und im Zuge dessen einen Großteil meiner Irritation durch Verständnis zu ersetzen, das jedoch ohne Relation zu Logik steht. Bedauerlicherweise ist einseitiges Verständnis nicht geeignet, um der Basis eines gestörten Vertrauensverhältnisses zu Balance zu verhelfen.

Nicht nur unter dem Aspekt, dass ich mich der Notwendigkeit von Lavyrias Nähe unterworfen habe, muss ich ausloten, wie tief Missverständnisse die Fähigkeit zur Zusammenarbeit und Akzeptanz korrumpiert haben. Wird ihre Einheit unter dem Effekt der Schattenseelen verzehrt werden - was unweigerlich Lavyrias Tod zur Folge haben wird, da ihre Loyalität und Pflichtbewusstsein über Vernunft und Logik hinausgehen -, steht den Rufern Tür und Tor zu den Ländern der Sterblichen offen.

Ohne Lebende kann es keine Toten geben.
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[WoW] Nyr Vleit - Labyrinth
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