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 [WoW] Lavyria/Demour - Die Schlacht um Orgrimmar

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LeKüken
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BeitragThema: [WoW] Lavyria/Demour - Die Schlacht um Orgrimmar   Mo 7 Jul - 12:45

„Wenn Ihr einem Orc gegenübersteht müsst Ihr Teile Eurer Ausbildung vergessen. Die Hiebe solcher Bestien blockt Ihr nicht ab, sondern Ihr weicht ihnen aus.“

Vor einer gefühlten Ewigkeit hatte Lavyria diese Ansprache verfolgt. Während des zweiten Krieges, als die orcische Horde in Quel’Thalas einfiel und begann, den ewigen Wald niederzubrennen. Damals hatte ein Hochelf seinem Trupp genaue Instruktionen gegeben, wie gegen die grünen Hühnen vorzugehen war. Lavyria dachte zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ansatzweise daran, selbst in den Krieg zu ziehen, schließlich war sie eine einfache Heilerin, sonst nichts. Nicht auszudenken was geschehen könnte, würde man ihr eine Waffe in die Hand drücken.

Nun, viele Jahre später, stand sie mit Schwert und Schild inmitten des Tals der Stärke von Orgrimmar und hielt sich die Ansprache ebenjenes Truppführers wie ein Mantra im Kopf. Schweiß lief ihr über die Stirn, als sie ihre Waffe etwas fester umfasste und sich auf den nächsten Schlagabtausch gefasst machte. Um sie herum: Chaos. Die loyalen Streitkräfte des Kriegshäuptlings prallten mit unnatürlichem Eifer und unglaublicher Zahl auf die Truppen der trollischen Rebellion, welche Seite an Seite mit der Allianz dafür kämpfte, die Tyrannei von Garrosh Hellscream zu beenden. Gutturales Gebrüll, Schmerzensschreie, das Aufeinanderprallen von Waffen. Irgendwo schlug eine Belagerungswaffe in die stabile Mauer der orcischen Hauptstadt ein, brachte den staubigen Boden und die auf ihm ruhenden Leichen zum erzittern. Lavyria festigte ihren Stand, machte den nächsten Feind im Schlachtgetümmel aus. Ein brauner Orc, der in seiner primitiven Rüstung ziemlich wichtig aussah. Der Blick der Elfe traf sich mi dem des Orcs. Ein Augenblick, in dem sich beide zum nächsten Opfer auserkoren.

Ein Kampfschrei folgte, der wohl jeden ungestählten Willen zum Zusammenbruch gebracht hätte. Der Orc hob seine zweihändige Axt, stürmte ungeachtet der Schlacht um ihn herum mit atemberaubender Geschwindigkeit auf Lavyria zu. Diese blieb auf ihrer Position, spannte ihren ganzen Leib an und wartete auf den richtigen Moment.

Ausweichen – Nicht blocken.  Ausweichen – Nicht blocken.

Dem Mantra folgend wich die Blutelfe dem vertikal geführten Hieb des Orcs zur Seite aus, nutzte die sich ihr bietende Gelegenheit und schlug mit ihrem Schwert auf seinen ungeschützten Rücken ein, noch während er sich von seinem Sturmangriff erholte. Der Schwertstreich selbst richtete keinen Schaden an der zwar primitiven, aber dennoch dicken Rüstung des Orcs an. Er hinderte ihn nur daran, zurück ins Gleichgewicht zu finden. Sofort setzte Lavyria nach. Tritt, ausgeholter Hieb, Schildschlag. Immer weiter taumelte der Orc unter dem Schlaghagel zurück, drehte sich schließlich halb im stolpern zu ihr um, drauf und dran, die Angriffe einfach zu ignorieren und seine Kontrahentin anzufallen. Mit einem präzisen Stich in die Kehle erstickte Lavyria dieses Vorhaben im Keim, badete ihre Klinge und Teile ihrer provisorischen Rüstung in dunklem Orcblut und wich erst dann zurück, als der Braune röchelnd zusammensank.

Einmal Durchatmen war der Sin’dorei vergönnt, bevor sie aus dem Augenwinkel einen niedersinkenden Schatten wahrnahm. Instinktiv wandte sie sich dem Ursprung der Dunkelheit zu und hob den Schild, nur um sich eine Millisekunde später selbst zu verfluchen.

Verdammt!

Unter dem Aufprall eines steinernen Kriegshammers bebte Lavyrias ganzer Körper, sodass sie gar nicht anders konnte als auf den staubigen Boden zurückzufallen. Ihr Schild wies nach dem Treffer mehr Delle als Muster auf, und wollte sich auf einmal gar nicht mehr heben lassen. Dem brutalen Schmerz nach war nämlich der schutzführende Arm mehrmals durch die Wucht des Hammers gebrochen worden, folglich unbrauchbar. Sterne und Tränen verdeckten der Blutelfe jegliche Sicht auf den grünen Riesen, der siegesgewiss auflachte und seinen Hammer ein zweites Mal hob, um das Leben der vergleichsweise mickrigen Elfe zu beenden. Durch Zuhilfenahme des hinterletzten Überlebenswillens rollte sich Lavyria zur Seite, entging somit dem ersten Hammerschlag, der sich neben ihr in den Boden bohrte.

„Halt still, kleine Elfe!“ brüllte der Grüne, „Es dauert auch nicht lang!“

Auch ein zweites Mal gelang der Sin’dorei das gerollte Kunststück, ehe der Orc dem Spielchen überdrüssig wurde, sie einfach packte und hochhob, als würde sie trotz ihrer Rüstung kaum mehr als ein Säckchen Silber wiegen. Der Ruck trieb Lavyria dabei das Schwert aus der Hand, sodass sie recht wehrlos an der Hand hing, die ihren Kopf ohne Probleme umfassen könnte. Doch der Orc griff „lediglich“ nach ihrer Kehle, drückte diese derart kräftig zusammen, dass ihr schlagartig schwarz vor Augen wurde. Alles verblasste, der Schlachtenlärm, der Herzschlag in ihrer Brust, ja, sogar die Gedanken setzten für einen Moment aus.

„DEEEEEMOOOOOOOUUUUUUUR!“

Plötzlich: Freiheit. Noch ehe Lavyria sich versah, fiel sie wieder zu Boden, was ihrem zertrümmerten Arm nicht gerade Linderung verschaffte. Verzweifelt nach Luft schnappend griff sie sich an die Kehle, kroch von dem grünen Orc weg, der auf einmal ziemlich belämmert dreinsah. Als die Elfe ihre Tränen weggebblinzelt hatte, erkannte sie auch warum. Der Hühne fiel diagonal auseinander, sauber in zwei Hälften geteilt, die Rüstung gespalten von einem einzigen Schwerthieb. Nachdem er in einer kleinen Blutfontäne zu Boden geklappt war, stand dort hinter ihm ein Verlassener mit fettigem Haar und einer zu seinem Status als Todesritter passenden Saronitrüstung mitsamt Runenklinge. Lavyria erkannte ihn sofort, spürte sowohl Hass wie auch Dankbarkeit über seine Anwesenheit in sich aufsteigen. Er trat auf sie zu, reichte ihr die gepanzerte Hand.

„Demour…“ keuchte die Sin’dorei nach wie vor atemlos, gleichsam feststellend.
„Zu Diensten, Milady. Wahre Perfektion rettet Euch gerade das Leben!“

Bevor Lavyria die Hand des Verlassenen greifen konnte, wurde dessen Aufmerksamkeit auf die umliegende Schlacht zurückgezogen. Er griff in seinen staubigen Umhang, enthüllte eine schmutzige Flasche, die er prüfend in der Hand wog. Schließlich holte er aus und warf sie in die Kampfesmenge.

„FRESST KRÄUTERSAUCE IHR DRECKIGEN BASTARDE!“ gab er dabei zum besten. Die folgenden Schmerzensschreie aus der relativen Ferne ließen in Lavyria die Vermutung aufkommen, dass es sich ganz und gar nicht um erwähnte Sauce handelte … oder um wahnsinnig schlecht zubereitete. Kurz darauf packte Demour sie dann, hob sie auf die Beine. So sehr ihr die verrottete Schulter des Untoten auch zuwider war, in diesem Augenblick war ihr jede Stütze recht, die es ihr ermöglichte, zielgerichtete Schritte zu gehen.

„Bringen wir Euch erstmal hier raus, Blutfeder. Danach könnt Ihr mir immer noch danken.“

Mit diesen Worten führte Demour die gerettete Elfe durch die Schlacht und die aufgesprengten Tore von Orgrimmar hinaus. Ob es nun Glück oder die bloße Präsenz des Verlassenen war, die verhinderte, dass sie nochmal angegriffen wurden, war Lavyria herzlich egal. Sie wollte einfach nur sitzen und einen Heiler – egal welcher Herkunft – für ihren Arm beanspruchen, der inzwischen schon komplett taub geworden war.

So schnell können sich die Dinge also ändern...

„Wo ist eigentlich diese andere Feder? Raxnochwas?“ fragte Demour ganz beiläufig, als würde gerade nicht die Schlacht um Orgrimmar toben.

Lavyria schwieg betreten.
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Vleit



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BeitragThema: Re: [WoW] Lavyria/Demour - Die Schlacht um Orgrimmar   Di 22 Jul - 20:14

DIE KRÄUTERSAUCE!

XD *littlebig lachflash*
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Vleit



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BeitragThema: Re: [WoW] Lavyria/Demour - Die Schlacht um Orgrimmar   Do 24 Jul - 18:25

Ich sitze hier mit tropfendem Zahn...*sabber und erwartungsfroh rüberschiel*
Verblüffend wie hungrig ich nach unserer schönen, kleinen, hoffnungsvoll verwurstelten WoW-Welt bin.

Nagut. Eigentlich nur nach den Chars und Yannis Schreibkunst rabbit 
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LeKüken
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BeitragThema: Re: [WoW] Lavyria/Demour - Die Schlacht um Orgrimmar   Sa 26 Jul - 10:14

Man(n) kann dir ja nichts abschlagen, Carmen!
Nächster Teil ist in Arbeit Wink
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LeKüken
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BeitragThema: Re: [WoW] Lavyria/Demour - Die Schlacht um Orgrimmar   Mo 8 Sep - 12:13

„Jiautsch!“
„Stillhalten, Blutfeder! Hier ist Perfektion zugange.“

Das Donnern von Belagerungswaffen wummerte in das primitive Trollzelt hinein, in das sich Erandon Demour und Lavyria Blutfeder zurückgezogen hatten, um die Wunden der Elfe zu lecken. Ja, genau das hatte der Verlassene anfangs wirklich versucht, bis die ehemalige Blutritterin ihm einen Faustschlag mit dem gesunden Arm verpasste. Seitdem beschränkte er sich auf seine Künste als Hobby-Apotheker, bediente sich diverser Salben und langen Nadeln, mit denen er unter die Haut des zerschmetterten Arms stach und die Knochen richtete. Lavyria wusste nicht, welche dunkle Magie dabei diesen Teil ihres Skeletts Stück für Stück wieder zusammensetzte, aber sie beschwerte sich auch nicht, da das warme Gefühl von ununterbrochener Durchblutung ihren Oberarm bereits wieder erfüllte. Der ekelhafte Schmerz gehörte eben einfach dazu, wenn man eine derartige Verletzung erlitt.

„Wie lange braucht diese Perfektion denn noch?“
„Euer Arm besteht gerade aus 57 kleinen Teilchen, Elfe. Was erwartet Ihr?“

Die Blutelfe war sich absolut sicher, dass Demour diese Behandlung in vollen Zügen genoss und deshalb nicht minder in die Länge zog. Wenn sich Untote noch an etwas erfreuten, dann an dem Leid anderer. Als Außenstehende hätte sie gewiss Druck auf ihn ausgeübt, die Behandlung so kurz und schmerzlos zu machen wie möglich, doch nun war sie selbst die Patientin und gönnte sich den Luxus des Protests schlicht aus Überzeugung nicht. Sin’dorei wussten nunmal, dass man durch Schmerz am besten aus seinen Fehlern lernte. Also schwieg Lavyria, ertrug die Pein mit geschlossenen Augen und gepresstem Kiefer. Wieder erzitterte der Boden unter dem dumpfen Aufschlag eines schweren Geschosses, untermalt von entfernten Schlachtrufen und den Kriegstrommeln Orgrimmars. Im Inneren der Stadt tobte nun die Schlacht, in der die Trollrebellion mit Unterstützung der Allianz mehr und mehr die Oberhand gewann.
Abgekapselt vom Kampf konnte Lavyria nicht anders als darüber nachzudenken, wie die Nachwehen dieser Schlacht wohl aussehen mochten. Gewannen Garrosh und seine Kor’Kron, würde Azeroth schutzlos einer Macht gegenüberstehen, die in ihrer Grausamkeit der Geißel kaum nachstand. Doch was, wenn der Kriegshäuptling gestürzt wurde? Die Horde würde am Boden sein, der Gnade der Allianz ausgeliefert. Und so edel wie die Menschen und ihre Verbündeten sich auch gaben, tief in ihrem Inneren waren sie verräterische Schweine. Ebenfalls eine Lektion, die sie als Sin‘dorei am besten verstand.

Eine herrlich hoffnungslose Situation, wenn man mal so darüber nachdenkt.

Ein Troll schob den Zelteingang beiseite und holte Lavyria dadurch unsanft aus ihren Gedanken. Er machte den Eindruck eines Hexendoktors, da er einen zeremoniellen Kilt trug, genauso wie eine Holzmaske, die er sich jedoch zum Sprechen auf den Kopf zurückgeschoben hatte.
„Hey, mann. Hier is’n Bleichgesicht das…“
Weiter kam er nicht. Neben ihm schob sich bereits ein schwarzhaariger Blutelf in das Zelt hinein, in einer gehobenen Blutritterrüstung steckend und mit einem Klapphocker nebst einer Ledertasche bewaffnet. Irgendwelche Flüche auf trollisch fluchend trat der Hexendoktor wieder zurück, woraufhin der Zelteingang zurückfiel und eine täuschend echte Illusion von Privatssphäre gewährte, obwohl jeder von außen lauschen konnte, wenn er denn wirklich wollte. Lavyria beobachtete mit steinerner Miene, wie ihr Artgenosse den Hocker aufstellte und sich ihr steif gegenübersetzte.

Dank Demour kam es nicht zu irgendeiner Form von Schweigen.
„Oh, wie unangenehm. Ich würde ja gerne respektvoll gehen, aber diese Knochen hier richten sich nicht von allein in solch großartiger Manier.“

Der Blutelf rümpfte dezent angewidert die Nase, gab jedoch keinen Kommentar zur Anwesenheit des Verlassenen ab. Stattdessen schenkte er Lavyria seine Aufmerksamkeit, musterte sie für einen Moment, wobei sie sich sicher war, dass sie in Hemd und Hose, so ganz ohne Rüstung, keinen sonderlich beeindruckenden Anblick bot. Sie machte das Beste draus, nahm die stolzeste Haltung ein, die ihr mit dem Verlassenen am Arm zur Verfügung stand.

„Was wollt Ihr von mir?“ fragte sie geradeheraus, da sie keinen Bedarf daran hatte, Floskeln mit einem von jenen Leuten auszutauschen, die sie vor drei Jahren noch ins Exil gejagt hatten. Weil der Orden der Blutritter die eigenen Fehler vertuschen wollte war Lavyria damals dazu gezwungen worden, ihre geliebte Heimat zu verlassen. Und damit noch nicht genug: Der Sonnenzornturm schickte anschließend Schattenläufer hinter ihr her, um sie zu töten und so jegliche verbleibende Spur auszuradieren. Ohne die Hilfe von Raxelle Schattenfeder wäre sie den Assassinen sicherlich auch tatsächlich zum Opfer gefallen.

„Eure Hilfe.“ antwortete der Blutelf ebenso unumwunden, wobei er seine Hände vor dem Schoß zusammenfaltete. „Eine unserer Aufklärungstruppen ging hinter den Reihen der Kor’Kron verloren und wird vom Feind gefangen gehalten. Wir sind außerordentlich interessiert daran, unsere Leute in Sicherheit zu bringen.“

Lavyria hob die rechte ihrer langen Augenbrauen in ungläubige Höhe an.
„MEINE Hilfe? Ihr beliebt zu scherzen. Vor einem Monat hätten Ihr und Eure Leute noch Freude daran gehabt, mich zu hängen.“

Die Andeutung eines Schmunzelns auf den Mundwinkeln des Mannes bestätigte ihre Worte, allerdings hatte sie keine Zeit, entsprechend nachzusetzen. Demours Nadeln bohrten sich nochmals tiefer in ihr ohnehin schon geschundenes Fleisch hinein, was ihr ein gepresstes Zischen entrang.
"Hups, jetzt habe ich ihn tiefer hineingedrückt." murmelte der Verlassene amüsiert. "Na gut, da passt er auch hin."

Den Verlust von verbaler Initiative nutzte der Blutelf sofort aus, um selbst wieder das Wort zu ergreifen. Dabei ignorierte er Demour anscheinend so gut es irgendwie ging.
„Natürlich nicht ohne Gegenleistung, Lady Blutfeder. Silbermond gewährt Euch vollständige Absolution von allen Straftaten und die Aufhebung Eurer Verbannung aus Quel’Thalas, solltet Ihr Euch dazu entschließen, uns zu helfen.“

Bei den Worten kam Lavyria die Galle hoch. Sie ballte die Hand des gesunden Armes zur Faust und widerstand nur mühsam dem Drang, auch die linke in dieser Geste folgen zu lassen. Dies hätte nur noch mehr Schmerzen zur Folge gehabt. Sogleich verschaffte sie ihrem Ärger Luft, spie dem Artgenossen entgegen.
„Straftaten? Ich habe mir niemals etwas zu Schulden kommen lassen! Euer Orden brauchte einen Sündenbock, das war alles. Mit Eurer gütigen ‚Absolution‘ würde ich diese Lüge doch nur anerkennen.“

„Seien wir mal ehrlich.“ Der Blutelf lehnte sich etwas auf seinem Hocker nach vorne und sah ihr dabei überzeugt in das noch funktionierende Auge. „Niemanden außer die Obrigkeit interessierte Euer Verfahren vor drei Jahren wirklich. Für die Bevölkerung und die meisten Ordensgenossen wart Ihr einfach von einem Tag auf den anderen verschwunden. Ist diese Lüge – und Eure Hilfe – nicht ein kleines Übel im Vergleich zu dem Privileg, den Immersangwald wiedersehen zu können? Wieder ein normales Leben unter Euresgleichen zu führen?“

Lavyria verzog hasserfüllt vor dieser Selbstgefälligkeit die Miene, beugte sich ebenfalls soweit sie konnte nach vorne, auch wenn die Nadeln dadurch nur noch unangenehmer in ihrem Fleisch saßen. Der Schmerz verlieh ihren Worten eine solche Inbrunst, dass sie auch genauso gut wie ein Drache hätte Feuer spucken können.
„Verschwindet.“

Leichtes Bedauern schlich sich auf die Miene des Elfen, als er resignierend nickte und aufstand. Ehe er seinen Hocker wieder zusammenklappte, griff er in die mitgebrachte Ledertasche und zog ein zusammengerolltes Pergament hervor, welches er Lavyria hinhielt. Sie nahm es nicht an, weshalb der Blutritter es schließlich vor ihren Füßen auf den Boden des Zeltes legte.
„Falls Ihr es Euch anders überlegt, zeigt dieses Pergament vor und bestätigt Eure Unterstützung, dann wird man Euch alles Versprochene gewähren.“

Das Schweigen der Exilantin begleitete ihn daraufhin, während er das Zelt verließ. Nur kurz fiel ihr Blick danach auf das Pergament zu ihren Füßen, dann erinnerte sie das ferne Wehklagen von Sterbenden auch schon wieder daran, weshalb sie überhaupt hier war.

„Wie lange noch, Demour?“
„Noch 34 Knochen. Entspannt Euch, Blutfeder.“
„So schnell wie möglich, egal wie weh es tut.“
„Mit Vergnügen… und Perfektion!“
„YAARGH!“
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BeitragThema: Re: [WoW] Lavyria/Demour - Die Schlacht um Orgrimmar   Mo 8 Sep - 22:44

Ein warmer Schwall Blut liess die blonde Sin'dorei blind zwei Schritte zurück taumeln. Sie spuckte den fremden Lebenssaft aus, wischte sich mit dem Ärmel übers Gesicht. Mit einem Ruck riss sie dem röchelnden Orc, welcher vor ihr in die Knie sank, den Pfeil aus der Kehle. Ihr blondes, langes Haar triefte nur so von Blut. Glücklicherweise hauptsächlich von Fremdem. Um sie herum tobte die blutige Schlacht. Nie hätte sie sich erträumen lassen, erneut gegen Orcs zu kämpfen. Zugegeben, ihr lief noch immer ein kalter Schauer über den Nacken, wenn sie einem dieser Hünen gegenüber stand.

Raxelle nahm sich einen kurzen Moment um durchzuatmen. Die Luft war geschwängert mit Schreien, Röcheln und dem Gestöhne der Verwundeten oder Sterbenden. Schon vor Stunden hatte sie Lavyria aus den Augen verloren. Sie war sich nicht ganz sicher, ob sie sich Sorgen machen sollte. Sie liess den Blick über die Schlacht schweifen, strich sich eine klebrige Haarsträhne aus dem Gesicht. Hier irgendwo musste sie doch sein!

Mit einem Ruck wurde die Blutelfe aus ihren Gedanken gerissen. Hart wurde sie zu Boden geschmettert, wo sie sich benommen aufrappelte. Eine kräftige Hand packte sie beim Kragen, riss sie auf die Knie. Obwohl sie für den Moment alles doppelt sah, erkannte sie sofort den stumpfen Streitkolben, welcher von ihrem Gegenüber bedrohlich zum Schlag ausholte. Ihr Puls raste, sie sah sich vor ihrem inneren Auge schon mit aufgeplatztem Schädel im Dreck Orgrimmars verrecken. Sie fühlte, wie ihre Finger sich um das gewaltige Handgelenk des Orcs krallten, ihrem Ende entgegensehend, als sie plötzlich von einem gleissenden Licht und unsagbarer Hitze, welcher ihr beinahe die Haare vom Schädel brannte, umhüllt wurde. Der Hüne liess die Blonde schreiend los und versuchte verzweifelt die gleissenden Flammen, welche ihn umhüllten, zu löschen.

Es dauerte ein paar Augenblicke, bis sich Schattenfeder von dem blendenden Licht erholte und die Umgebung wieder klar erfassen konnte. Ein wirklich übler Gestank machte sich in ihrer Nase breit. So übel, dass selbst der dreckigste Orc oder Troll das Weite suchen würde.

„Nah, wenn das nicht das Schattenfedervieh ist? Du darfst dich gern bedanken!“
Raxelle presste die Lippen zu einer schmalen Linie zusammen. DAS hatte ihr gerade noch gefehlt. Sie rappelte sich auf, klopfte den Dreck aus ihrer Rüstung. „Mir war nicht bewusst, dass die Verlassenen selbst die hässlichsten Kellerleichen in den Krieg schicken.“
Ein glucksendes Lachen entwischte der Verlassenen aus der löchrigen Kehle. „Keine Zeit für Schmeicheleien, Blutelfe. Irgendwo hier sollte mein dunkles Herz herumschwirren. Hast du ihn gesehen...?“
Die Blonde machte gar nicht erst Anstalten auf die Frage der Apothekerin einzugehen. Schliesslich hatte sie eigene Probleme. „Wenn du mich jetzt entschuldigst, ich habe Orcs zu töten.“ Mit diesen Worten wendete sie sich von der Verlassenen ab. Jene jedoch packte sie mit ihren knöchernen Fingern am Handgelenk, riss sie ruckartig zurück und schmetterte einen gleissenden Feuerball in das Gesicht des Orcs, welcher sich wohl mittlerweile löschen konnte.
„Blinde Pute. Dich konnte man noch nie alleine lassen. Und diese Schlacht ist definitiv der falsche Ort, um blutend in einer Ecke zu liegen und zu jammern. Ich mache dir einen Vorschl- DUCK DICH!“ Die Untote schleuderte eine kleine Glasflasche in die Richtung einer Gruppe Kor'Kron, welche offensichtlich auf die beiden aufmerksam wurde. Die Flasche zerplatzte, die Orcs schrien auf, während Haut und Fleisch von ihren Knochen schmolzen. Ein Troll rannte kreischend in die Richtung eines von blutigen Leichen überquellenden Tümpels und versuchte verzweifelt die giftigen Dämpfe von sich zu waschen. Jerya's gelbe Augäpfel verfolgten das Spektakel verhältnismässig ruhig, dann zuckte sie mit den Schultern. „Mit Verlusten in den eigenen Reihen muss man rechnen. Jetzt hilf mir Demour zu finden.“

Raxelle konnte gar nicht erst widersprechen. Die knöchernen Finger bohrten sich in ihren Oberarm und schleiften sie einfach mit. Ab und an konnte sie im Augenwinkel beobachten, wie sich Jerya auffällig im fauligen Schritt kratzte. Ihr Augenmerk war glücklicherweise hauptsächlich auf die Schlacht fokussiert, wie auch auf die Suche nach einer Blutelfe mit braunem Haar. Die Verlassene, welche sie einmal quer durch das Schlachtfeld schleifte, brabbelte wild vor sich hin, schimpfte regelmässig mit jemandem namens Bernd und schoss ab und an wie beiläufig irgendwelche Feuerbälle durch die Gegend. Schliesslich riss sich Raxelle mit einem Ruck von Jerya los. Das Eklige dabei: Die Hand blieb am Oberarm der Blutelfe hängen.

„Wohin zum Teufel willst du überhaupt, Madensack?!“, sie versuchte beiläufig die eklige Hand von sich zu schütteln.
„Tal der Ehre.“, Jerya schnappte sich ihre Hand und steckte sie sich wieder an den knöchernen Stumpf.
„Wozu?! Wer weiss, was dort noch für eine Armee lauert! Noch nie was von Taktik gehört?!“ Raxelle zog einen Pfeil aus dem Köcher und schoss ihn einem Orc zwischen die Augen, welcher nur wenige Schritte von ihnen entfernt mit einem Troll rangelte.
„Ich hab keinen Schimmer von Taktik. Deswegen muss ich ja Demour finden! Und du hilfst mir dabei! Nebenbei... Wo ist eigentlich das andere Federvieh...?“, sie griff sich in den Schritt ihrer von Fäulnis durchtränkten Robe. „Nicht jetzt, Bernd!“
Die Blutelfe schluckte ihren Ekel runter, rollte mit den Augen. „Ich weiss es nicht! Hab sie verloren, okay? Da waren verdammt viele Kor'Kron!“

Gerade wollte die Verlassene einen abfälligen Kommentar abgeben, da schoss eine Klinge durch ihren Brustkorb. Raxelle's Augen weiteten sich, Jerya kreischte wie am Spiess, an dem sie sich gerade befand. Sie griff nach hinten, packte den Angreifer und zog sich selbst durch die Stangenwaffe hindurch an den Feind heran. Vor lauter Schreck liess der Angreifer die Waffe los, Jerya drehte sich um, packte ihn bei der Kehle. „Das war voll unhöflich von dir, Grüngesicht!“ Ohne weiteres riss sie der Orcin die Kehle auf, zog sich die Waffe aus der Brust und wandte sich wieder Raxelle zu.

„Und nun?“
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BeitragThema: Re: [WoW] Lavyria/Demour - Die Schlacht um Orgrimmar   Di 30 Sep - 7:58

Ziemlich genau einen Tag später saß Lavyria Blutfeder in einem Gebäude Orgrimmars, das die Belagerung einigermaßen heil überstanden hatte. An sich ein Glücksfall, denn Garroshs Kor’kron-Truppen schreckten auch in ihren letzten Zügen genauso wenig davor zurück, Zivilisten und ihre Behausungen zu vernichten, wie in ihren ersten. Nun war der Kriegshäuptling gestürzt, seine Streitkräfte zerschlagen, in Gefangenschaft oder auf der Flucht. Zurück blieb eine blutende Stadt, die ihre Wunden lange würde lecken müssen, wenn sie eines Tages wieder in altem… „Glanz“ erblühen wollte.
Normalerweise wäre Lavyria voll und ganz mit dem Gedanken beschäftigt gewesen, wie sie diesen Wiederaufbau am besten unterstützen konnte, doch in diesem Augenblick war all ihre Aufmerksamkeit auf den Artgenossen fixiert, der vor ihr auf der anderen Seite des Tisches saß und mit einer Feder schwungvolle Schriftzeichen auf einem Pergament verewigte. Derselbe Mann, der ihr das Angebot der Absolution im Austausch für eine Befreiungsaktion machte. Theleanor Vano’dar. Blutrittermeister, wie sie inzwischen wusste.

„Ihr habt unseren Streitkräften einen großen Gefallen getan.“ begann er nach ewig langem Schweigen zu sprechen, „Und zweifellos nichts von Eurem Können eingebüßt.“

Nachdem Demour ihren Arm wieder zusammengeflickt hatte, war Lavyria in die Schlacht zurückgekehrt und trug dazu bei, Orgrimmar endgültig von den Kor’kron zu befreien. Zumindest überirdisch. Es stellte sich heraus, dass Garrosh Hellscream unterhalb der Stadt eine gewaltige Basis errichten ließ, in der er seine letzte Verteidigungslinie aufbaute. Das Ende der Schlacht um Orgrimmar war deshalb ein blutiger Kampf um jeden Meter Boden in unterirdischen Gewölben gewesen, wie Lavyria zugetragen wurde. Sie selbst war nach ihrer Wiedervereinigung mit Raxelle aufgebrochen, die gefangenen Sin’dorei zu retten. Erfolgreich, wenn man von drei Toten absah, die schon lange vor ihrer Ankunft in Käfigen verendeten. Immerhin blieb ihnen dadurch eine Beteiligung an dem Gemetzel erspart, das sowohl der Trollrebellion als auch der Allianz zahllose Leben kostete, bis der Kriegshäuptling endlich entmachtet war.

Vano’dar zog einen letzten Strich über das Pergament, steckte die Feder daraufhin ins Tintenfass zurück und schob den Wisch beiseite, um die Unterarme auf dem Tisch ablegen zu können. Er sah Lavyria mit einem sorgfältig einstudierten Lächeln an, was im Schein der einzelnen, bereits ansatzweise zerlaufenen Kerze gleichzeitig warm und irgendwie bösartig wirkte. Sie erwiderte die Geste nicht, behielt eine steinerne Miene aufrecht und die Hände ruhig im Schoß zusammengefaltet.

„Da ich Euch keine Nachbesprechung schuldig bin, würde ich gerne zur Sache kommen. Höflichkeitsfloskeln liegen mir bereits seit ein paar Jahren nicht mehr.“ Sie sprach von Herzen, auch wenn sie nebenbei vermeiden wollte zu erzählen, dass eigentlich Raxelle den Großteil der Arbeit bei dieser Befreiungsaktion übernommen hatte. Schließlich war sie es gewesen, die gegen die Orcs kämpfte, welche die Gefangenen bewachten.
„Natürlich.“ räumte Vano’dar ein und faltete die Hände auf dem Tisch ineinander. „Ihr wollt Eure Belohnung, nicht wahr?“

Lavyria griff in ihre Umhängetasche und zog das zusammengerollte Pergament hervor, das der Blutrittermeister ihr bei ihrer ersten Begegnung überreichte. Sie hatte es sich durchgelesen. Es enthielt eine wasserdichte Freisprechung von allen Belangen, die sie vor Jahren ins Exil getrieben hatten. Belange, die von der Politik Silbermonds erdacht wurden, um aus ihr einen Sündenbock zu machen. Wenn sie das Angebot annahm und dieses Pergament unterschrieb, akzeptierte sie damit die Lügen, die um sie herum erfunden worden waren, für den Preis, wieder in ihrer Heimat leben zu können. Sogar eine erneute Berufung in den Orden der Blutritter beinhaltete dieses Pergament.

Erst war sie sich nicht sicher gewesen, ob sie einwilligen sollte. Irgendwo hatte sie ja noch ihren Stolz und genug Würde, diesen Betrug nicht einfach so hinnehmen zu wollen. Dann jedoch sah sie die Gesichter der gefangenen Sin’dorei und fühlte sich an die Schrecken der Geißelinvasion erinnert, an das vergangene Leid, das die Blutelfen seitdem miteinander verband. Viele der damaligen Gräueltaten fanden in den Wochen unter Hellscreams Herrschaft eine schreckliche Wiederholung, und in den Gesichtern der davon befreiten Elfen erkannte Lavyria schließlich, dass sie sich immer noch mit ihrem Volk verbunden fühlte, dass sie es nicht im Stich lassen konnte, wenn es erneut nach ihr rief.

„Das ist keine ‚Belohnung‘ oder ‚Güte‘ von Euch.“ stellte sie in einem etwas leiseren Ton fest, rollte dabei das Pergament auf dem Tisch aus. „Es ist eine Verpflichtung. Eine Bürde, der ich mich erneut verschreibe.“

Scheinbar dezent verwirrt von dieser Antwort reichte Vano’dar ihr die Schreibfeder, womit sie in routinierter Schreibkunst ihre Unterschrift auf das Pergament setzte. Beides, das Schreiben und die Feder, reichte beziehungsweise schob sie dem Blutrittermeister daraufhin wieder zu. Dieser setzte sein Siegel darunter und legte es auf das andere Schriftstück, wohl, um es später zusammen in seiner schicken Aktentasche abzulegen. Recht bald erstarkte sein einstudiertes Lächeln wieder und verbannte die eben noch sichtbare Verwirrung wieder aus seiner Mimik.

„Wie Ihr das auch seht, Euer Volk schließt Euch wieder in die Arme. Innerhalb einer Woche werden unsere Schiffe wieder in Richtung Heimat ablegen, Ihr könnt Euch auf eines davon einschreiben lassen.“

Er stand auf und salutierte vor Lavyria, was im Unterschied zu seinem Lächeln einen weniger gekünstelten Eindruck machte. Im Gegenteil, die Geste wirkte richtig respektvoll, weshalb die Elfe sie nach leichtem Zögern erwiderte.

„Willkommen zurück im richtigen Leben, Lady Blutfeder.“
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BeitragThema: Re: [WoW] Lavyria/Demour - Die Schlacht um Orgrimmar   Do 27 Nov - 14:57

20 Tage nach der Schlacht um Orgrimmar
23:18 Uhr – Auf der „Sonnenstürmer“




„Ahh… Der Wind dreht. Ich schnuppere die warme Fäulnis meiner Heimat!“

Erandon Demour hatte keinerlei Probleme, mit seinen Worten gegen die beständige Hintergrundkulisse des Meeres zu bestehen. Zu ruhig war dafür der Wellengang, zu klar die Nacht, als dass allzu schwere Windböen die hallende Stimme des Untoten hätten davontragen können. Lavyria stand neben ihm, die Hände auf der Reling, den Blick auf die unendlichen Wasser in der Dunkelheit gerichtet. Kühl war es, wenn auch nicht unangenehm genug, um die Elfe zu motivieren, den Schutz der eigenen Koje oder auch nur eines etwas dickeren Mantels zu suchen.

„Eure Nase funktioniert noch erstaunlich gut. Wir sind keine zwei Tage mehr von der Küste Lordaerons entfernt.“ Sie wusste dies ganz genau, da sie sich jeden Tag mit den Matrosen unterhielt, die auf der Sonnenstürmer ihren Dienst abrichteten. Ansonsten gab es nicht viel interessantes an Bord des Schiffes zu tun, nicht zuletzt auch deshalb, weil Raxelle ihre anfängliche Drohung wahrgemacht und ihre Koje seit Beginn der Reise kaum verlassen hatte. Sie vertrug das Meer nicht wirklich gut, hatte sich beim ersten etwas heftigeren Wellengang beinahe erbrochen. Vielleicht kam es da wirklich ganz gelegen, dass Lavyria sich gezwungen sah, alternative Beschäftigungen heranzuziehen. Wie zum Beispiel Demour, welcher sich in letzter Sekunde für die Fahrt eingeschrieben hatte, indem er von seinem Knochengreifen an Bord sprang. Die Besatzung, ausschließlich aus Blutelfen bestehend, war wahrlich entzückt gewesen von seinem Auftritt.

„Ausgezeichnet!“ antwortete der Verlassene hochmotiviert, „Die Schutzzauber um meine Bananen verblassen bereits langsam, und ich habe keine Schriftrolle mehr, um den Zauber aufrecht zu erhalten.“
Lavyria hob eine ihrer langen Augenbrauen und sah ihren zweifelhaften Partner von der Seite an: „Bananen?“
„Ja. Nur die perfektesten, direkt aus dem Urwald von Feralas. Warum sonst sollte ich nach Kalimdor gereist sein?“
„Wegen Orgrimmar?“

Demour winkte ab, als hätte er es mit einer Närrin zu tun.
„Macht Euch nicht lächerlich, Blutfeder! Orgrimmar stand mir nur auf der Rückreise im Weg.“
„Ihr bleibt mir ein Rätsel.“ Hilflos -  aber grinsend – schüttelte Lavyria den Kopf. „Und wofür sollen die Bananen gut sein?“
„Natürlich um Nyr Vleit anzulocken!“ antwortete der Untote, als wäre die Antwort selbsterklärend.

Bei der Erwähnung dieses Namens schlich sich ein Stirnrunzeln bei der Elfe ein. Sie hatte ihn schon lange nicht mehr gehört, geschweige denn die Person gesehen, für den er stand. Vor Jahren, als der Krieg in Azeroth im Zeichen des Kataklysmus‘ am bittersten tobte, war Nyr Vleit ein Fels in der Brandung gewesen. Nicht nur für sie, sondern auch für alle anderen… damals. Lavyria kamen diese ganzen Geschichten gar nicht so weit weg vor. Quel’Jorsarei… Hilderil Schattenernter… Der ewige Drachenschwarm…
Ein Teil von ihr erwachte zum Leben. Der Teil, welcher herausfinden wollte, was aus den damaligen Weggefährten geschehen war. Der Teil, den sie bisher aus Furcht vor der Antwort verdrängt hatte. Vielleicht würde sich ja auch dieser Nebel beizeiten lichten, nun da sie in heimatliche Gefilde zurückkehrten.

„Warum wollt Ihr sie nach Jahren finden?“ fragte Lavyria schließlich interessiert. Der Verlassene neben ihr schien nur auf diese Frage gewartet zu haben. Er gestikulierte wild, während er sprach.
„Weil uns dunkle Zeiten bevorstehen, Blutfeder.“ Seine Stimme wurde verheißungsvoll, „Seit die brennende Legion Azeroth berührte, ist diese Welt verflucht. Wo ein Krieg aufhört, beginnt schon bald der Nächste. Und wenn Ihr glaubt, nach dem Lichkönig, Deathwing und Hellscream alles erlebt zu haben… irrt Ihr Euch gewaltig. Denn der nächste Schatten wartet bereits am Horizont geduldig auf seine Chance, diese Welt in den Grundfesten zu erschüttern.“

Wieder Worte, die Lavyria zum Nachdenken brachten. Sie war sich gar nicht so recht bewusst gewesen, dass sie selbst seit der Geißelinvasion keine wirkliche Friedenszeit mehr gesehen hatte. Ruhigere Zeiten, ja, doch wirklich Frieden? Nein. Eher galt solche Ruhe als Vorbereitung für den nächsten Konflikt in einer Welt, die nur noch für das Kriegshandwerk existierte.

„Und darum brauchen wir Bananen.“ endete Demour nach seiner kurzen, theatralischen Sprechpause.
„Damit uns Nyr Vleit vor den Schatten bewahrt, die da noch kommen werden.“ Die Weiterführung des Gedankens rang Lavyria schon wieder ein schlankes Grinsen ab.
„Ihr habt es verstanden, Blutfeder.“

So verblieben die beiden schweigend, versunken in der Beobachtung des schlafenden Meeres, welches im behaglichen Takt Wellen gegen den Bug des Schiffes schlug.
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BeitragThema: Re: [WoW] Lavyria/Demour - Die Schlacht um Orgrimmar   Di 2 Jun - 9:35

Eschental - Sägewerk des Warsong-Klans
Zwei Wochen vor der Schlacht im Orgrimmar...




"Und du bist dir sicher, dass das eine gute Idee ist?"
"Natürlich, Blutfeder! Das ist meine beste Idee, seit wir diesen Zeppelin gesprengt haben."
"Aber ich habe so ein Ding noch NIE vorher bedient."
"Das ist ein Kinderspiel, glaub mir."

Zweifelnd sah Lavyria Blutfeder den Goblin an, der neben ihr im Gebüsch hockte und mit einem Fernglas den Zielort in Augenschein nahm. Sie befanden sich an den Ausläufern des Ashenvale-Waldes, die noch nicht vom Schändungswahn der Warsong-Orcs heimgesucht wurden. Von daher bot die Umgebung angemessenen Sichtschutz und zeitgleich einen perfekten Ausblick auf das orcische Sägewerk, das eine gute Meile von ihnen entfernt Rauch und Holzspäne ausspuckte. Auf dem Weg dorthin zeugte eine zerstörte, geradezu öde Waldlandschaft vom Ressourcenwahn, den Garroshs 'wahre Horde' schon seit einigen Monaten an den Tag legte. Lavyria fühlte sich jäh an den zweiten Krieg erinnert, wo dieselben grünen Monster den Immersangwald in verbrannte Erde verwandelt hatten.

"Schau." sagte der Goblin, während er ihr das Fernglas reichte, "Die Karawane steht direkt vor dem Lieferzugang des Werks. Wenn diese Wagen ausgeschaltet werden, haben wir die Versorgungslinie stillgelegt. Das wird deine Aufgabe sein."

Lavyria hob das Fernglas an und inspizierte die gewiesene Richtung. Vier Wagen standen dort aufgereiht, befreit von ihren Kodo-Zugtieren, die derzeit an anderer Stelle gefüttert wurden. Dafür bewachten Kor'Kron die Transportmittel, zweibeinige Bollwerke aus Eisen und Stacheln, die Äxte und Streitkolben so groß wie sie selbst herumschleppten.

"Warum benutzen wir dafür nicht einfach Sprengstoff?" fragte sie leise an den Goblin gewandt und hielt dabei den Blick auf das Sägewerk gerichtet. Die Erwiderung des Grünlings kam mit deutlich hörbarem Bedauern.
"Der Rebellion gehen die Ressourcen aus, daher müssen wir an solchen Ecken sparen. Der unbenutzte Schredder dort neben dem Zugang wird reichen, sobald du ihn bemannt hast."
Lavyria seufzte: "Kann das nicht einer deiner Leute übernehmen?"
"Wenn du ein Schießeisen bedienen kannst? SOWAS brauche ich nämlich, um der Operation den Rücken zu decken!"

Begleitet von einem resignierenden Grummeln reichte sie das Fernglas an den mit einem Scharfschützengewehr bewaffneten Goblin zurück.

"Kannst du mir wenigstens vorher erklären, wie ich dieses Teil steuere?"
"Ah, das ist so kinderleicht, das hast du im Nu raus wenn du drin bist. Damit du reinpasst solltest du allerdings ein paar Dehnübungen machen."
"Dehnübungen?" Lavyria hob eine geschwungene Augenbraue.
"Richtig! Erst für die Arme. Leg die Hände auf den Rücken."

Die Blutelfe tat wie geheißen.
Eine Sekunde später schlossen sich leise klickend Handschellen um ihre Handgelenke.

"Was zum...?!"
"Gut gemacht, Drehkreuz." lobte der Goblin einen seiner Männer, der unbemerkt hinter Lavyria Stellung bezogen und ihr die Fesseln angelegt hatte.
"Vergesst es, da spiele ich nicht noch einmal mit!" protestierte Lavyria und versuchte, gegen die Handschellen anzukämpfen. Erfolglos. Ein giftiger Blick aus dazu passenden grünen Augen zu dem Goblin-Teamleiter, der entschuldigend mit den Schultern zuckte.
"Sorry meine Liebe, aber wenn wir keinen Sturmangriff über diese Meile führen wollen, brauchen wir 'ne Tarnung."

Dass er damit die Wahrheit aussprach dämpfte Lavyrias Zorn nur bedingt. Trotzdem schluckte sie ihn zusammen mit ihrem Stolz herunter und ließ sich von dem Grünling auf die Beine helfen. Gemeinsam mit ihm und einem halben Dutzend anderer Goblins verließen sie daraufhin die Deckung des Waldrandes und marschierten direkt auf das Sägewerk zu. Auf dem Weg achtete die Elfe darauf, über keine der sterbenden Wurzeln zu stolpern, die sich einst lebendig in einen grünen Waldboden gegraben haben mussten. Sie wusste: Dies war nicht ihr Wald, nicht ihr Zuhause. Und doch verspürte sie den Drang, zumindest dieses Mal die Verursacher dieser Verwüstung mit eigenen Händen aufzuhalten.

"Auf Anschlag halten, Ladys." murmelte der Teamleiter in seine Kommunikationseinheit, von der auch die suspendierte Blutritterin eines besaß, "Wenn diese Schuldner den Braten riechen, will ich ein paar sorgfältige Schüsse sehen."

Keiner der kleinen Wichte hatte sein Gewehr gezogen, um die stationierten Orcs nicht unnötig misstrauisch zu machen. Außerdem war da ja noch ein anderes halbes Dutzend, das im Gebüsch vor der Ödnis zurückblieb und Deckung gab. Die angewandten Methoden mochten Lavyria nicht gefallen - vor allem wegen ihrer Rolle dabei, doch sie konnte die Effizienz dahinter nicht abstreiten. So blöd es in ihrem Kopf auch klang: Die Goblins wussten, was sie taten.

"Jo!" rief der Teamleiter, als sie in die Nähe der Kor'Kron gelangten. Die Orcs hatten sie schon von der ersten Minute an gesichtet und seitdem sorgsam beobachtet. Einige Gewehre waren von den Wachposten des Sägewerks aus auf sie gerichtet worden, während die unmittelbar anwesenden Kor'Kron ihre riesigen Waffen demonstrativ in beiden Händen hielten. Lavyria verspürte beim Anblick dieser zweibeinigen Belagerungsbrecher ein mulmiges Gefühl in der Magengegend und war von der Gelassenheit beeindruckt, mit welcher der führende Goblin das Gespräch begann.

"Was willst du, Giftzwerg?" prollte jener Orc, der mit seiner Rüstung am ehesten an ein Stachelschwein erinnerte. Anscheinend der ranghöchste.
"Hab einen der Rebellen beim spionieren aufgefangen." erklärte der Teamleiter und wies dabei auf Lavyria, "Auf die gibt's doch ein Kopfgeld, oder nicht?"

Das Schwein richtete den Blick unter seinem gehörnten Helm auf die Elfe, musterte sie sichtlich angewidert.

"Sieht für eine Gefangene aber noch ziemlich gesund aus." meinte er unzufrieden.
Der Teamleiter seufzte: "Schon was von Chloroform gehört, Eberfr... Eh! Ich meine natürlich... Eure Großgrünigkeit?"
"Hrmpf." erwiderte der Orc noch, "Na gut, das Problem der Unversehrtheit kriegen wir auch noch auf eigene Faust gelöst."

Ein grinsendes Nicken zu seinen Kor'Kron setzte diese sofort in Bewegung. Zwei von ihnen packten Lavyria grob an den Schultern, schleiften sie mit sich in Richtung Sägewerk. Sie wehrte sich nicht, hielt nur den Atem an und schloss die Augen. Es war nun schon das dritte Mal, dass sie dieses Schauspiel durchführten. Und wie schon bei den beiden Malen davor wurde Lavyria die Befürchtung nicht los, die Goblins könnten sie verraten und tatsächlich in die Hände der Orcs übergeben. Die 35 Gold auf ihrem Kopf waren sicherlich reizvoll für so ein gieriges Volk.

Hinter ihrem Rücken konnte sie - dank der durchdringenden Stimme des Stachelschweins - noch die weitere Konversation verfolgen.

"Die Bezahlung wird in Orgrimmar abgewickelt, Goblin." letzteren Teil spie der Orc förmlich aus. "Ich gebe Euch einen entsprechenden Befehl mit, dann könnt Ihr verschwinden."
Eine kurze Pause, bevor der Teamleiter laut und deutlich sprach.
"Der Deal steht."

Auf den vorher abgesprochenen Code hin knallten entfernte Schüsse vom Waldrand aus und initiierten den Überfall auf das Sägewerk. Die Schützen auf den erhöhten Wachposten wurden mit einzelnen Treffern ausgeschaltet, genauso wie die beiden Kor'Kron, die Lavyria ins Innere schleppen sollten. Ohne eine Sekunde zu verlieren setzte sich die Elfe in Bewegung, spurtete zum Schredder...
... nur um dort zu bemerken, dass ihre Hände noch am Rücken gefesselt waren.

"Drehkreuz!" brüllte sie gegen den entfachten Kampfeslärm an, der vom Gebrüll der Orcs und dem Krach von feuernden Schießeisen dominiert wurde. Ein kurzer Überblick bestätigte, dass die Kor'Kron in ihren Rüstungen Schwierigkeiten hatten, die kleinen Goblins zu treffen. Dafür gelang es Letzteren kaum, nennenswerten Schaden anzurichten, nachdem die panzerbrechenden Geschosse vom Waldrand aus verebbten. Bald würde Verstärkung aus dem Inneren des Sägewerks eintreffen, dann musste sich der Goblintrupp zurückziehen.

"Sorry Blutfeder, Schönheitsfehler im Plan." beteuerte Drehkreuz, nachdem er zu Lavyria aufgeschlossen hatte. Sogleich machte er sich daran, ihre Handschellen zu öffnen.
"Dieses 'Sorry' höre ich heute verdammt oft." murrte sie nur als Antwort darauf.
"Sorry!"

Mit einem breiten Grinsen wandte sich der Goblin wieder dem Kampfgeschehen zu, während Lavyria am Bein des Schredders hoch kletterte. Dabei musste sie einmal den Kopf einziehen, als ein noch lebender Orc-Schütze sie ins Visier nahm. Er traf knapp beben ihrem Ohr die Panzerung der Maschine, und wurde dafür im nächsten Moment von einem der Goblins ausgeschaltet. Rasch kletterte Lavyria daraufhin die letzten Ecken zum Steuerpult hinauf, nahm auf dem viel zu kleinen Sitz Platz und sah hilflos hin und her.

Da waren drei dutzend Knöpfe, halb so viele Hebel und eine Hula-Puppe. Und mit nichts davon wusste die Elfe irgendetwas anzufangen.
"Leute..." murmelte sie in ihre Kommunikationseinheit, die sie von ihrem Gürtel zog, "... Ich habe keine Ahnung, was ich hier machen soll."

Die antwortende Goblin-Stimme konnte Lavyria nicht einordnen, da sie durch die Technik viel zu sehr verzerrt wurde. Außerdem klangen für sie sowieso alle Goblins - seien es Männlein oder Weiblein - relativ gleich.

"Drück den roten Knopf zum Starten!"
Eine andere Stimme protestierte: "Nein, den Grünen! Der rote wird sie umbringen!"
"Ihr Trottel!" kam es von einer dritten Quelle, "Sie muss den Steuerhebel nach vorne drücken, die Alternativtaste gedrückt halten und dann den Sicherheitsschlüssel entfernen!"

Ein Streit entbrannte, der Lavyria das Gefühl gab, der eigentliche Überfall wäre für die Goblins auf einmal unwichtig geworden. "So viel zum Thema Effizienz..." murmelte sie, steckte die Kommunikationseinheit weg und atmete einmal tief durch. "Okay... Auf gut Glück."

Sie hielt die Luft an, drückte den grünen Knopf... und war unheimlich erleichtert, als der Schredder lediglich mit einem Beben zum Leben erwachte. Einen Augenblick später fiel ihr die ständige Vibration der Maschine negativ am Hintern auf, zumal ihr Kiefer dadurch unkontrolliert klapperte. Mit zusammengebissenen Zähnen streckte sie die Hand nach dem größten und am bequemsten zu erreichenden Hebel aus, drückte diesen nach vorne.

Zischen. Der Schredder machte einen großen Satz nach vorne, stabilisierte sich vollautomatisch und landete mit seinen Standbeinen direkt auf einem der Kor'Kron, dessen gerüsteter Leib mit einem vernehmlichen Knirschen nachgab. Lavyria kreischte, erst vor Schreck und dann aus überraschter Begeisterung. Als nächstes probierte sie eine frei bewegbare Kupplung aus, die den Schredder neu ausrichtete. Dabei warfen seine starren Arme zwei weitere Orcs um, die sich nicht rechtzeitig aus der Reichweite der Maschine entfernt hatten.

"Wow... Das macht ja wirklich Spaß..." erkannte Lavyria für sich und musste dem Drang widerstehen, nicht noch mehr von den Steuerungen auszuprobieren. Stattdessen richtete sie den Schredder auf die Karawane aus, drückte den Hebel ein wenig sanfter nach vorne. Anstatt einen ganzen Satz zu machen, nahm die zweibeinige Maschine einen kontrollierten Gang vorwärts auf. Dies geschah wieder vollkommen automatisch, sodass die Elfe derweil nach einem Weg suchte, die Kreissäge am rechten Arm des Schredders zu bedienen.

Dadurch sah sie nicht, wie einer der Kor'Kron seine gewaltige Zweihandaxt hob und mit gutturalem Gebrüll auf ihren mechanischen Untersatz zustürmte. Erst die leichte Erschütterung, als die Waffe sich ins Innere des Standbeins fraß, ließ Lavyria wieder aufsehen und aus dem Affekt kreative thalassische Beleidigungen in Richtung des Orcs ausstoßen.

Dann bemerkte sie, dass das getroffene Bein des Schredders nicht mehr nachziehen wollte. Unter dem Schwung des eigenen Antriebes kippte er stattdessen langsam nach vorne, auf die Karawane zu.

"Oh verdammt!"

In dem Bewusstsein, dass nur noch Sekunden sie vor dem Zusammenstoß trennten, hämmerte Lavyria auf die Knöpfe des Steuerpults ein. Wieder ein Zischen. Dann löste sich ihr viel zu kleiner Sitz schlagartig aus dem Schredder, wurde durch die Schräglage quer durch die Luft katapultiert. Brechender Luftwiderstand faltete Lavyrias Ohren, zerrte an ihrem Haarknoten und brachte ihre Augen zum Tränen, während sie einfach nur panisch brüllen konnte. Das Sägewerk entfernte sich, genauso wie der Boden selbst. Unter ihr waren Sekunden später nur noch die Baumkronen des Eschentals, die sich nach dem Zenit ihres Fluchtfluges auch schnell wieder näherten.

Zu schnell.

"HIIIIYYAAAAAAARGH!"

Knacken und Rascheln beim Eintritt in das Blätterwerk der Bäume. Lavyria spürte, wie jeder noch so geringe Widerstand an ihr zog, ihrem Körper Schnittwunden beibrachte und ihr schließlich gar das Bewusstsein raubte, als ihr Kopf gegen einen zu dicken Ast prallte.





"Sir, ich glaube sie wird wach."
"Schade. Kupferlunte, prägen Sie sich das Bild ein und sorgen Sie dafür, dass es auf eine Leinwand kommt."
"Ja, Sir!"

Die Stimmen waren anfangs nicht mehr als ein Hallen in Lavyrias Kopf und füllten die Leere kaum, die sich dort breitgemacht hatte. Als das Hallen jedoch intensiver wurde, weckte es ihre Sinne nach und nach auf. Warmer Schmerz, Taubheit, die Schwierigkeit zu Atmen. Routiniert begannen die Gedanken der Elfe mit einer Selbstanalyse, welche recht schnell mehrere gebrochene Rippen, mitunter tiefe Fleischwunden und vielleicht auch eine leichte Gehirnerschütterung diagnostizierte. Es brauchte eine ganze Weile, damit sie sich überhaupt daran erinnerte, wie sie das Bewusstsein verloren hatte.

"Ugh..."
"Sir, sollten wir sie dort runter holen?"
"Warten Sie noch, Drehkreuz."

Vorsichtig öffnete Lavyria die Augen und war erst einmal verwirrt. Warum stand der Goblintrupp an der Decke? Dann bemerkte sie, dass sie selbst gute zwei Meter kopfüber über dem Boden hing. Irgendwie hatte sich ihr Fuß in einer Astgabel verkeilt. Das erklärte immerhin auch den zerrenden Schmerz an ihrem Oberschenkel.

"Gute Arbeit, Blutfeder." lobte der Teamleiter mit einem breiten, scharfzahnigen Grinsen, "Der Schredder ist direkt auf die Karawane gefallen. Den Abgang üben wir aber noch."

Es kostete Lavyria einige Vorbereitung, die Stimme zu heben. Ihre Kehle war trocken und in ihrem Kopf hatte sich viel zu viel Blut angesammelt. Vielleicht doch keine Gehirnerschütterung?

"... Gut..." ächzte sie schließlich leise, "... Gut... Aber..."
"Hrm?"
"... Warum... grinst ihr alle... so?"

Das Grinsen der versammelten Mannschaft wurde noch breiter, irgendwie unheimlich. Eine hungrige Murloc-Meute konnte nicht viel Unterschied dazu haben. Eine Ahnung ließ Lavyria den Blick senken - oder heben, je nachdem wie man es sehen wollte. Zuerst fiel ihr auf, dass ihr Hemd einige Astreihen weiter oben hing, in einem wahrlich zerfetzten Zustand.
Dann, dass ihr Oberkörper ansonsten nicht mehr viel zur Bedeckung von Blöße übrig hatte.

Amüsiertes, geradezu kindisches Giggeln zog sich durch die versammelten Goblins. Die aufsteigende Wut bestrafte Lavyria sogleich mit üblen Kopfschmerzen, unter denen sie nur gepresst sprechen konnte.

"Lasst... mich sofort... runter..."
"Wenn du schon so lieb fragst."
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[WoW] Lavyria/Demour - Die Schlacht um Orgrimmar
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