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 [WoW] Lavyria - Wahnsinn

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LeKüken
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BeitragThema: [WoW] Lavyria - Wahnsinn   So 20 Nov - 21:29

Lavyria hielt sich die Hände vor die Augen. Sie wollte nicht mehr sehen, was vor ihr stand.

„Du … bist schuld … Lavyria … Blutfeder …“

Die Blutritterin wusste ganz genau wer da sprach. Sie dachte eigentlich er wäre tot gewesen, aber dem war wohl nicht so. Alle waren sie da. Alwaros, Serla, ihr Vater, Lellia, ihr Bruder, ihre Tochter Alivyl. Alle die, die sie verloren hatte.

Zusätzlich zu den schützenden Händen kniff Lavyria die Augen zu.

„Geht weg! Ich will nicht mehr!“

Sie wiegte sich leicht hin und her. Gleich würde sicher alles vorbei sein. Das sagte sie sich jetzt schon seit… Wie lange? Sicher mehrere Tage. Durch diesen Alptraum war es ihr nicht gelungen zu schlafen. Sie konnte bei der Anwesenheit der vermeintlich Toten nicht schlafen.

„Sei … fair … Lavyria … Komm zu uns … Jetzt!“
„Nein! Lasst mich in Ruhe!“

Lavyria schluchzte hilflos. Sie hatte das Gefühl für Zeit verloren. Eine Minute könnte genauso gut eine Stunde sein, die sie zusammengekauert auf ihrem Kinderbett saß und sich hin und her wiegte. Eine Hand legte sich auf ihren Fuß.

Sie zog weg. Die eiskalte Berührung brachte sie aus irgendeinem Grund an den Rand der Tränen.

„Lavyria…“
„Weg! Weg!“

Sie kauerte sich an die Wand, an der das Bett stand. Vielleicht würden die anderen so nicht zu ihr gelangen. Lavyria war schuld, dass sie alle gestorben waren. Das wusste sie. Vielleicht hatte sie diese Strafe verdient, von ihnen bis an den Wahnsinn getrieben zu werden.

Sie vergrub den Kopf im Schoß, und wiegte sich an die Wand gelehnt wieder hin und her.

Wie es wohl war, wahnsinnig zu sein?



____________________________________________________




Kithai stand vom Bett auf. Ihre Tochter Lavyria hatte den Fuß unter einem Aufschrei weggezogen, und sich zur Wand distanziert. Ihre Mutter konnte ihr nicht helfen, und das machte die in die Jahre gekommene Elfe fertig. Sie konnte nicht das sehen, was der Tochter so Angst machte.

„Lavyria…“
„Weg! Weg!“

Kithai sah traurig zu Lavyria, die sich an der Wand wieder zusammenkauerte. Sie wimmerte nun schon seit Tagen etwas von ihrem verstorbenen Mann, ihrem Bruder und anderen Personen. Essen tat sie beinahe nur unter Zwang. Die Mutter ging zum Türrahmen, und machte sich daran die Vorhänge wieder vorzuziehen.

Kurz bevor sie damit fertig war sah sie zurück.

Lavyria wiegte sich leise wimmernd an der Wand hin und her.

Kithai drückte wieder einige Tränen heraus, bevor sie den Vorhang zuzog.

Warum konnte ihr kleines Mädchen nicht die Freude am Leben wiederfinden?

Warum musste alles nur so dunkel sein.


„Lavyria?“

Die Angesprochene wagte es nicht, sich unter ihrer Decke zu verraten. Hier würden sie die vermeintlich Toten nicht finden. Unter der Decke war sie sicher. Zitterte sie etwa? Hatte sie sich entdecken lassen?

„Ich bin’s. Cheida.“

Wieder eine Tote mehr, die nach ihrer Schuld trachtete? Ja, sicher war es so. Garantiert ist auch ihre alte Freundin gestorben, als sie versucht hatte zu retten was noch von der Einheit zu retten war. Wieder mehr Schuld, die sich auf ihren Schultern breitmachte. Alle sind sie gestorben, nur wegen ihr.

„Lavyria, komm raus. Ich bitte dich.“

Die Schuldige hielt es nicht länger aus. Sie schrie, lauter als geplant.

„Nein! Geht weg! Ich will euch alle nicht mehr hören, nicht mehr sehen! GAR NICHTS! Geht einfach weg und lasst mich in Frieden!“
„Ich bin alleine hier.“

Lavyria hielt inne, und dachte nach. Konnte sie ihrer Freundin trauen? Vielleicht war sie als Tote ja kein so böser Geist wie die anderen. Vielleicht war sie ja anders? Sie schaute scheu unter der Decke hervor. Ihre blonde Freundin saß lächelnd auf dem Bett.

Und hinter ihr standen böse grinsend die vermeintlich Toten.

„Komm… Lavyria… Zu uns!“

Lavyria kreischte und verzog sich wieder unter die Decke.

„Lasst mich! Bitte…“

Sie weinte, und wiegte sich unter der Decke hin und her. Sie war hungrig, durstig und fühlte sich schmutzig. Aber das alles war nichts im Gegensatz zu dem brennenden Gefühl der Angst. Die Toten würden sie nicht verlassen. Sie würden so lange warten bis sie sich ihnen anschloss. Sie kauerte sich beim Wiegen unter der Decke zusammen.

„Lavyria, ich bin alleine. Glaub mir doch.“
„Du lügst. Du willst mich holen, genau wie alle anderen. Aber ich werde nicht kommen.“

Lavyria stellte auf einmal das weinen ein, und lachte langatmig. Sie wollte gar nicht lachen, und doch tat sie es. Es befreite, einfach nur zu lachen.

„Aber ich werde nicht kommen! Ich werde für immer hier bleiben. Ja ja! Und ihr werdet nichts dagegen tun können!“

Sie spürte wie das Gewicht der sitzenden Cheida das Bett verließ. Sie hatte aufgegeben, und war aufgestanden. Lavyira hörte die Schritte, die das Zimmer verließen.

Sie hatte diesmal gewonnen! Und sie würde weiter gewinnen!

Ein Glück, dass sie nicht wahnsinnig war. Wie könnte sie sonst gegen die Toten gewinnen?




______________________________________________________

Cheida zog die Vorhänge hinter sich zu, und sah in das tränennasse Gesicht von Kithai, Lavyrias Mutter.

„Und?“ schluchzte Kithai, „Hast du was erreicht?“
„Nein. Es ist hoffnungslos, wenn sie nur in ihrer eigenen Welt sieht und lebt.“

Kithai heulte auf, und vergrub ihr Gesicht in den Händen. Die blonde Elfe stand etwas hilflos daneben. Konnte sie doch nicht viel tun, außer der Mutter einer geistig verwirrten Elfe Beistand leisten.

Sie griff Kithai sachte am Arm, führte sie vom Zimmer Lavyrias weg und brachte sie in das elterliche Schlafzimmer. Früher hatte sie sich mit Lavyria immer unter dem Bett versteckt, um Lavyrias Eltern bei ihren Gesprächen zu lauschen.

Heute war die Welt bei weitem nicht mehr so hell wie damals.

Cheida führte Kithai auf das Bett, und deckte sie zu als sie sich zitternd hingelegt hatte. Sie setzte sich an den Bettrand, und blieb dort so lange sitzen bis die verzweifelte Mutter endlich in den befreienden Schlaf eingetreten war. Erst eine halbe Ewigkeit danach stand sie auf, und unterdrückte den Drang sich selbst auf die Schulter zu klopfen.

Sie war in diesem Haus wohl die einzige bisher, die ihre innere Unruhe nicht zeigte. Familienbande machten bei so etwas wohl viel aus.

Die blonde Elfe zog die Vorhänge vor dem Elternschlafzimmer zu, und sah noch einmal in das Kinderzimmer ihrer Freundin. Immer noch hockte Lavyria zitternd unter der Decke, und wimmerte in sich hinein. Traurig verließ Cheida das Haus, und suchte das Weite.

Als sie endlich weit genug weg war, entlud sie ihren dringend benötigten Schrei der Hilflosigkeit.


6 Tage später




Blau.

Cheida schlug in ihr Spiegelbild im Wasser.
Kurz hatte sich die Elfe die Hoffnung gemacht, es wäre nur Einbildung gewesen. Aber sie hatte nur lange genug auf ihr Abbild starren müssen. Da war es wieder gewesen. Das blaue Flackern.

Enttäuscht erhob sie sich und ging zum Hause Lavyrias. Die Erkenntnisse in Ahn’Qiraj waren klar gewesen. Ihre alte Freundin bedurfte eine Menge Hilfe. Und sie würde sich selbst verdammen, wenn sie diese Hilfe verweigern würde. Zielstrebig bahnte sich Cheida ihren Weg durch den Wald direkt in Richtung des einen großen Hauses, über dem der Schatten des Wahnsinns lag.

Vertraut schob die blonde Elfe die Vorhänge beiseite, die bei den Elfen üblich genauere Einsicht verhinderten. Dass die anderen Orcs feste Türen benutzten zeigte nur, wie misstrauisch sie waren.

Die Sin’dorei spielten wenigstens vor, dass sie ein einträchtiges Volk waren.

Eine schmale Treppe führte nach oben zu den Schlafzimmern. Kithai war anscheinend nicht anwesend, sonst hätte sie wohl die Schritte gehört die sich durch das Haus kämpften. Offensichtlich war in diesem Haus lange nicht mehr aufgeräumt worden. Cheida bog rechts ab zu Lavyrias Zimmer, und staunte nicht schlecht.

Lavyria saß aufrecht auf einem Stuhl, und sah mit doch recht geistlosen Augen zu einem Schrank an der Wand. Ihre Haltung war aufrecht wie immer. Manch einer mochte nun in den Augen lesen können, was die Blutritterin beschäftigte. Cheida konnte das nicht.

„Lavyria?“

Die Angesprochene sagte nichts. Sie starrte weiter zu dem Schrank, die Hände im Schoß versteckt. Die blonde trat an sie heran, und fuchtelte einmal vor ihrem Gesicht herum.

Keine Reaktion.

Schnell kontrollierte Cheida die üblichen Dinge. Atmung, Blässe, Statur. Alles schien in einem normalen Rahmen zu sein. Natürlich hatte Lavyria offensichtlich lange nicht geschlafen. Und man sah die getrocknete Trauer an ihren Wangen. Eine beängstigende Ruhe legte sich über den Raum, wodurch Cheida beinahe erschrak als endlich eine Antwort von Lavyria kam.

„Ich habe immer alles aufbewahrt. Mein Schrank ist voll. Ich habe nie versucht meine Schuld zu verleugnen. Ihr könnt mir nichts vorwerfen.“
An dem Tonfall konnte die Blonde bemerken, dass nicht mit ihr gesprochen wurde. Seufzend trat sie zurück. Lavyria war wieder in ihrer eigenen Welt am leben. Cheida folgte dem Blick der Blutritterin. Alles gesammelt?

Die Neugier überwiegte den Respekt vor Privateigentum.

Sie trat zu dem Schrank und schlug langsam die Türen auf. Ein ungewohnter Inhalt zeigte seine Pracht. Diverse Schwerter, Schmuckstücke und Pergamente. Cheida erkannte ein altes Schwert, geschmiedet von Alwaros. Lavyrias verstorbenem Gefährten.

Die Pergamente waren offensichtlich diverse Briefwechsel. Die blonde zögerte, bevor sie es dabei beließ und sich den anderen Dingen zuwandte. Ein Amulett von Lavyrias Tochter. Ein Holzschwert, welches Lavyrias Vater einst zum Geburtstag ihrer Tochter geschnitzt hatte um ihr den Schwertkampf nahezulegen…

„Wir wussten, du würdest zurückkehren.“

Cheida riss die Augen weit auf. Die Stimme in ihrem Kopf war vertraut. Und doch nicht. Sie konnte sich nicht erinnern, wann sie sie gehört hatte.
Das konnte eigentlich nur eines bedeuten.

Ihr Blick wanderte auf den Schrankboden, wo zwei dunkelblaue Schwertgriffe ihren Platz gefunden hatten. Ohne nachzudenken schnappte sich die Elfe beide Griffe und musterte sie.

„Endlich sind wir wieder vereint.“

Aus den Griffen fuhren eisblaue Klingen. Der Kälte an ihren Händen nach bestanden sie aus genau dem Material, nach dem sie aussahen. Aus Eis. Staunend betrachtete die Elfe beide Kunstwerke, die ihren Weg in ihre Hände gefunden hatten.

Hinter Cheida wisperte Lavyria leise. Trotzdem konnte man jedes Wort verstehen.

„Ich hatte meine beste Freundin an die Geißel verloren. Es ist nicht so lange her… Da fand ich sie wieder. Verändert. Meine Freundin kehrte nie zurück. Diese Klingen spiegeln das wieder, wozu sie wurde. Ich hoffe ich finde meine Freundin irgendwann wieder.“

Cheida zögerte, und dreht sich langsam um.

„Wa… Warum kehrte deine Freundin nie zurück?“
„Sie ist die einzige hier, die mich anlächelt und mir sagt dass ich keine Angst haben soll vor dem was kommt. Ich vertraue ihr. Ich habe keine Angst.“

Die blonde trat zurück, stieß gegen die Schranktür worauf diese zuklappte, und sackte beinahe zusammen. Die Eisklingen fuhren zurück, wodurch die Griffe recht sinnlos in ihren Händen lagen. Ein kurzer Moment der Fassungsgewinnung, dann beeilte sich die Elfe damit das Zimmer zu verlassen.

Und die Stimme ertönte wieder in ihrem Kopf.

„Wir sind wieder vereint. Es wird alles wieder seine Richtigkeit finden.

Bald…“





____________________________________________________

Lavyria sah lächelnd in das Gesicht der blonden Elfe. Alles war ganz dunkel, nur diese Elfe nicht.

„Lavyria, ich bin bei dir. Es ist nicht schwer. Komm. Komm zu uns, dann werden wir alle in Frieden leben können.“

Cheida war die erste der vermeintlich Toten gewesen, die nett zu ihr war. Und Lavyria fühlte sich wohl, endlich wieder mit ihrer Kindheitsfreundin vereint zu sein.

„Ich weiß, Chei. Ich fühle mich nur noch nicht bereit.“

Kurz sah Lavyria die Miene von Cheida herabsinken in eine Verärgerung. Sicher eine Täuschung, denn direkt darauf lächelte sie und trat hinter die Blutritterin, die zum Glück nicht wahnsinnig war.

„Kein Problem meine Liebe. Ich mache dir die Haare zurecht, und du entspannst dich bis du bereit bist.“

Lavyria tat wie geheißen, und entspannte sich etwas. Sie spürte die sanften Bewegungen an ihren Haaren, als sie seit langem mal wieder zurechtgemacht wurden. Ja, es war wie damals. Und so langsam begannen auch die anderen Toten etwas freundlicher auszusehen. Alwaros, Serla, Lellia und ihr Vater. Alle lächelten sie an.

„Wir freuen uns, wenn du bald bei uns bist.“

Die Blutritterin grinste in sich hinein.

„Ich bin nicht wahnsinnig. Nein nein nein nein nein. Ich bin nur bei meiner Familie. Ja ja ja…“
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