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 [WoW] Zhynnios - Rückkehr

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LeKüken
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BeitragThema: [WoW] Zhynnios - Rückkehr   So 20 Nov - 21:26

Zhynnios liebte es zu fliegen. Seine Schwingen trugen ihn in rasantem Tempo durch die Lüfte, während er Loopings flog und einen Sturzflug nach dem anderen wagte. Ein unbeschreibliches Gefühl, auch noch nach dem hundertsten Mal. Zurzeit überflog er den Lordamere See im Silberwald. Seine Weggefährtin Cheida, liebevoll Futter genannt, war durch eine magische Transportkugel in ihre Heimatstadt gereist. Allerdings schien sie verändert.

Vor wenigen Tagen hatte Futter endlich ihren Welpen gefunden. In einer Gefängnisinsel in der Nähe von Tol Barad wurde das blutjunge Weibchen festgehalten. Der Wahnsinnige der sie dort versteckt hatte verdaute nun langsam im Magen des Netherdrachen. Zhynnios mochte den Geschmack von Elfenblut. Sein Blick wanderte über den großen Silberwald. Er hatte Hunger. Also flog er vom See aus weiter ins Landesinnere.

Futter war seit der Befreiung ihres Welpen etwas lockerer geworden. Sie hatte in einer Kiste gewühlt, und alte Kleider angezogen. Zhynnios fand den Anblick anfangs merkwürdig. Statt der abweisenden schwarzen Lederrüstung hatte Futter etwas freiere rote Lederteile angezogen. Nun war sie immer noch gewappnet gegen Angriffe, aber schöner anzusehen… für andere ihrer Art. Der Drache schmatzte. Fleisch zu zeigen war für ihn eher ein Begriff von „Friss mich!".

Der hungrige Drache musste nicht länger auf seine Mahlzeit warten. Unter ihm hetzte ein Rudel Hundemenschen einer Gruppe Leichen hinterher. Diese Leichen die laufen konnten waren faszinierend. In der Scherbenwelt hatte es so etwas nie so richtig gegeben. Außer natürlich Auchindoun, aber das waren für Drachen stets Gerüchte gewesen.

Keiner passte nämlich in die Katakomben dort hinein.

Ohne sich weiter mit dem Gedanken zu beschäftigen setzte Zhynnios zum Sturzflug an, und schnappte sich mit Maul und Krallen gleich drei Hundemenschen. Diese jaulten angsterfüllt. Der Netherdrache mochte das Gefühl von Macht nicht, wenn er seine Beute in der Gewalt hatte. Sie war falsch. Der Siegesrausch war etwas verdientes, nicht der erfolgreiche Beutezug. Jedenfalls nicht für ihn. Die Beute hatte schließlich selten wirklich eine Chance.

Mit einem Biss wurde der Hundemensch im Maul zerbissen und verschwand im Rachen des Drachen. Die beiden verbleibenden in den Krallen wurden schnell zerdrückt, damit dieses schreckliche Jaulen aufhörte. Dann wurden sie flink nachgeschoben. Leider waren diese drei nicht genug für Zhynnios. Also setzte er dem Rudel erneut nach.

Er war schon immer ein verfressener Netherdrache gewesen. Wo andere seines Schwarms in Nethersturm später für einen Tag ein Lager Blutelfen verspeisten, hatte er drei heimgesucht. Nicht dass diese Elfen wirklich ein Verlust waren, wie ihm Futter später berichtete. Trotzdem war es eine schlechte Angewohnheit. Während er diesen Erinnerungen nachhing verschlang Zhynnios nach und nach das gesamte Hundemenschrudel. Die Leichen jubelten und erhoben die Waffen als Zeichen des Respekts vor dem Drachen, welcher bereits wieder gen See flog.

Futter wollte in einigen Stunden zurück sein. Allerdings hatte Zhynnios ein verdammt schlechtes Zeitgefühl. Hatte er nun drei Stunden oder eine zwei gejagt? Sicherheitshalber würde er noch ein paar Runden fliegen, bevor er zu der Stadt zurückkehrte die als Unterstadt bekannt war. Dabei lag die Stadt doch oben! Ein weiteres Rätsel, dem sich der Drache beizeiten annehmen musste. Oder er fragte einfach Futter.

Wo er schon bei seiner Weggefährtin war, dachte Zhynnios weiter über sie nach. Sie hatte etwas von „Rückkehr“ und „Eingewöhnung“ gesprochen. War sie lange von Zuhause weg gewesen? Und was noch viel wichtiger war: Trugen sie dort alle etwas fleischlichere Kleider? Zhynnios schüttelte sich. Er durfte niemals in diese Stadt folgen. Sonst würde er nur wieder Hunger bekommen.

Andererseits fühlte sich der Netherdrache erstaunlich vertraut mit Futter. Er konnte ihre Rückkehr nicht einfach ignorieren. Er würde sie beobachten, unterstützen und überwachen. Zhynnios hatte Ahnung. Wenn Weibchen sich in ihrem Schwarm beweisen wollten legten sie Eier. Futter durfte keine Eier legen. Sie war viel zu klein und zierlich dafür. Sicherlich gab es in ihrer Heimatstadt bessere Brutmütter dafür.

Wieder grübelte der Drache über die Zeit. Diesmal war es wohl besser zum Rückflug anzusetzen. Mit nur wenigen Flügelschlägen gelangte Zhynnios über die Transportkugel in der fehlbenannten Unterstadt. Futter wartete bereits, als er landete.

„Wo warst du, Großer? Ich warte bereits seit zwei Stunden!"

Zhynnios speite ihr genervt seinen Atem ins Gesicht, sodass die blonden Haare fleißig wehten.

Vielleicht wäre eine Taschenuhr angebracht. Natürlich für Drachen.




Wie dumm konnte ein einzelner Drache sein?

Zhynnios stand in Gestalt eines Goblins auf dem Basar von Silbermond.

Wie dumm musste er gewesen sein, um hierherzugelangen?

Die Blutelfen gingen ihren Geschäften nach. Es war schätzungsweise Mittag, aber seit der Verspätung wagte der getarnte Netherdrache es nicht mehr die Zeit zu schätzen. Also trat er auf den nächsten Mann zu. Ein Verkäufer von allen möglichen Fleischsorten. Zhynnios musste schwer schlucken, um nicht wieder ans essen zu denken. In der Hoffnung dass kein Speichel sein Kinn herunterlief tippte der Drache in Goblingestalt dem Elfen an den rechten Oberschenkel, und zeigte dabei lächelnd spitze Zähne. Der Blutelf schien angewidert.

„Was willst DU denn?"
„Wie spät ist es?"

Zhynnios hasste diese Arroganz. Gelegentlich warf er Futter von seinem Rücken, wenn sie ebenfalls so daherredete. Das hatte immer geholfen um ihr diesen Ton abzuschneiden. Genervt, aber dennoch höflich lächelte der getarnte Drache weiter.

„Etwa halb eins. Essenszeit, aber nicht für dich. Verschwinde! Ich warte auf echte Kunden."

Nun reichte es dem Netherdrachen. Mit einer Kraft die für einen Goblin sicher ungewöhnlich, für einen Drachen allerdings völlig normal war, packte er den Kerl am Bein und warf ihn so kurzerhand zu Boden. Ein flinker Sprung auf seine Brust, und seine Schnauze berührte beinahe die des Elfen.

„Ich fresse DICH gleich wenn du keinen höflicheren Ton anschlägst, Nachtisch!"

Der Mann war erschrocken, natürlich. Aber so langsam blickten auch andere Passanten den Goblin an. Die meisten von der Gewalt des kleinen Wesens geschockt, die anderen wütend. Man musste kein Genie sein, um zu erraten dass es hier gleich Ärger geben würde. Der Goblin sprang vom Elfen herunter, und suchte zwischen den Beinen der Schaulustigen das Weite.

Seltsamerweise wurde er nicht verfolgt.

Es war wie vermutet. In dieser Stadt, Silbermond, bekam er von der Fleischbeschauung dauernd unglaublichen Hunger. Entweder trugen die Elfen hier so dünne Roben, dass der Anblick ihres Fleisches ihm das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ, oder sie boten Leckereien an die eigentlich genau denselben Effekt hatten.

Zusammengefasst: Alles hier machte ihn hungrig. Er brauchte Ablenkung auf seiner wahren Mission hier. Futter folgen. Er hatte sich geschworen auf sie Acht zu geben, und genau das würde er tun. Inzwischen war der Goblin in einer dunklen Gasse angelangt. Orientierungslos sah er zu einem der Wegweiser, nur um genervt zu grummeln. Er sollte wirklich mal Thalassisch lernen.

Ohne Plan wohin wanderte Zhynnios durch die Gasse. Er durfte sich hier keinen Fehltritt erlauben. Zu viele Beobachter. Der Goblin sah nach links. Rote Vorhänge verwehrten den Blick in das Innere eines der auffälligsten Gebäude in diesem schlichten Ort. Kurz wurde sich auf die Zunge gebissen, und nach oben gesehen. Diese Gasse war nicht aus Zufall verdunkelt. Riesige gespannte Schirme ließen kaum Licht herunter. Um Futter zu finden musste er wohl in das Gebäude gehen, um wenigstens einen Überblick zu bekommen wo er war.

Bemüht locker trat der vermeintliche Goblin also durch die Vorhänge hinein. Ein merkwürdiger Geruch stieg in seine Nase. Er gefiel Zhynnios nicht. Rauschmittel und Schweiß. Der Raum im dem er sich befand war im bläulichen Licht von verzauberten Fackeln gehalten. Auf den Sesseln und Betten, die um kleine Tische aufgestellt waren, ließen sich einige Männer von Frauen umgarnen. Mehrere Gänge führten tiefer in das Gebäude hinein. Zhynnios bezweifelte, dass er in die Gänge wirklich wollte.
Eine Elfenfrau trat auf den Goblin zu. Sie war in dünne Seidenroben gekleidet, die mehr zeigten als verdeckten. Gespielt lächelnd beugte sie sich zu dem Goblin herunter.

„Na, wer hat sich denn hier in unsere kleine Ecke verirrt? Du siehst richtig süß aus."

Der Goblin musterte die Frau einmal, schmatzte dann und antwortete recht gelassen.

„Und du siehst sehr lecker aus."

Die Elfe schien das wohl nicht verstanden zu haben. Sie lächelte breiter, bedankte sich für das Kompliment und legte eine Hand auf den Kopf des kleinen Grünlings.

„Wir werden viel Spaß haben. Suchst du nach jemandem bestimmten?"
„Oh, wie gut dass ihr fragt, Leckerei! Ich suche eine Blonde Elfe. Mit einer Augenbinde. Sie sieht nach…"

Zhynnios brauchte einige Augenblicke.

„… Futter aus."

Die Miene der Elfenfrau wurde von jeglicher Freude befreit, und füllte sich stattdessen mit Ernst.

„Komm mit."

Sie führte Zhynnios in einen der Gänge. Tiefer in das nun enttarnte Bordell hinein. Der Gang führte die beiden tiefer und tiefer. Sicherlich unter die Erde. Das bläuliche Licht wurde von rotem abgelöst, auch von verzauberten Fackeln stammend. Nach einigen Minuten des Gehens hörten Zhynnios‘ feine Ohren… Kampfeslärm.

Nur noch wenige Momente sollte die Geduld des Drachen strapaziert werden. Endlich kamen sie in einem kreisrunden Raum an, in dessen Mitte eine Sandgrube aufgestellt war. Um diese Grube herum waren Stühle verschiedenster Höhe aufgestellt, damit auch jeder guten Blick auf das Geschehen hatte. Nicht alle Stühle waren besetzt, trotzdem war der Raum gut gefüllt. Neben dem Kampfeslärm hörte Zhynnios das klimpern von Münzen, und Gefluche.

Die Elfe hatten den Goblin inzwischen verlassen. Sie war zurück in den Gang getreten, wohl um wieder ihren Aufgaben nachzugehen. Zhynnios ging nicht von der Stelle, bis ein dunkles Horn ertönte.

„Der Kampf Grünschnabel gegen roter Kampfkolloss hat sein Ende gefunden. Der Kampfkolloss gewinnt, und kommt eine Runde weiter."

Nun riskierte der Goblin einen Blick in die Grube. Der Sand war an mehreren Stellen vom Blute durchtränkt, und zwei Männer in weißen Roben trugen einen blutigen Körper weg. Zurück blieb ein wahrer Hühne von einem Elfen. Er war sicher mehr als zwei Meter groß, mit einer dementsprechend großen Axt bewaffnet. Um seinen nackten, durchtrainierten Oberkörper hefteten sich zwei Gürtel mit Tränken. Die dünne Stoffhose wurde von schlichten Sandalen begleitet. Angriffslustig schrie der rothaarige Krieger dem Puplikum entgegen. Wieder war das deutliche klimpern von Münzen zu hören.

Hier wurde gewettet. Um Kämpfe.

Das war eine Arena.

„Und nun, verehrtes Publikum, ergötzt euch an der Macht vom roten Kampfkolloss. Seht zu, wie er sich im nächsten Kampf behauptet. Sein Feind könnte kleiner nicht sein. Eine einfache Frau! Doch Vorsicht! Könnt ihr besiegen, was ihr nicht trefft? Bejubelt den tanzenden Schatten!"

Zhynnios trat zwischen den Beinen der Stühle näher an die Grube heran, bis er knapp hineinsehen konnte. Dort trat eine blonde Elfe mit Augenbinde in die Sandgrube.

„Futter!" schrie der getarnte Netherdrache.

Sein Ruf ging im allgemeinen Jubel unter, als der Kampf begann.



Die blonde Elfe trat recht nah an den Kolloss heran. Die blinde musterte den Hühnen scheinbar recht gleichgültig, und nickte ihm dann zu. Der Hühne nickte zurück. Beide reichten sich die Hand, umgriffen die des Gegenübers, und drückten. Der blonden machte der Griff offensichtlich zu schaffen. Sie biss gut sichtbar die Zähne zusammen. Der Hühne lachte, das Publikum ließ sich anstecken. Die erste Demütigung für den tanzenden Schatten.

Der Kampf begann, und der Jubel erstarb augenblicklich.

Gerade hatte der Kampfkolloss seine schwere Axt gehoben, und wollte sie auf die Elfe herunter schwingen als sich die Grube mit Rauch füllte. Undurchdringlich nahm der Rauch dem kompletten Publikum die Sicht auf das Geschehen. Unschlüssig saßen die Zuschauer auf ihren Stühlen, als die Stimme erklang.

Der als Goblin getarnte Zhynnios erkannte die Stimme sofort.

„Also, mein großer, starker Freund. Wollen wir tanzen?"

Mehrmals knallte es im undurchdringlichen Rauch. Ein Schrei ließ die gesamte Zuschauerriege zusammenzucken. War der Kolloss schwer getroffen? Niemand wusste es. Nicht einmal Zhynnios konnte mit seinen scharfen Augen irgendetwas im Rauch erspähen. Lange Minuten der Stille. Die ersten begannen auf ihren Stühlen unruhig zu werden. Dann verzog sich der Rauch langsam.

Der Kampfkolloss war auf ein Knie gesunken. Zahlreiche kleine Messer steckten in seinen Armen, seiner Brust, seinen Beinen. Er atmete schwer. Sicherlich war er kurz vorm verbluten. Die blonde Elfe tanzte spielerisch vor ihm hin und her, bevor sie genau vor ihm stehenblieb. Sie verbeugte sich lachend.

„Danke für diesen Tanz, Großer."

Mit einer ausschweifenden Bewegung warf sie ein weiteres Messer aus ihrem Umhang in Richtung des Hühnenelfen.

Und traf ihn genau zwischen den Augen.

Als der Elf nach hinten umfiel, sahen die Zuschauer erst verwirrt, dann anerkennend… und schließlich jubelnd auf die blonde Elfe hinab. Diese verbeugte sich vor dem Publikum nochmals, und verschwand dann ohne weitere Umschweife aus der Grube.

„Verehrte Gäste, das war unser letzter Kampf bis zur Abendzeit! Der tanzende Schatten geht als Sieger hervor, und wird euch heute Abend als Champion begrüßen!"

Zhynnios wollte so lange nicht warten. Er belegte sich mit einem einfachen Tarnzauber, und sprang in die Grube. Die Elfen in Weiß brachten mit großer Mühe den toten Kampfkolloss aus der Arena, als der Goblin dem Weg der blonden Elfe nachging. Der dunkle Gang wurde nur gelegentlich von magischen Kristallen erhellt. Er endete mit einer Tür, auf der eine goldene Schriftverzierung angebracht war.

„Zimmer des Champions" murmelte der getarnte Drache, als er eintrat.

Im Zimmer war es erstaunlich sauber und fein eingerichtet. Gemütliche Möbel, ein großer Spiegel, Kleiderschränke und ein Bett zum ruhen. Esstisch samt Stühle für den Champion und seine Gäste fehlten nicht. Alles war im typischen blutelfischen Stil. Im Sessel machte es sich die blonde Elfe gerade gemütlich, als der Goblin nähertrat.

„Wer da?" ertönte es etwas müde vom Sessel.
„Futter. Ich bin’s. Was machst du hier?"

Futter sah den kleinen Grünling an, der vor sie trat. Erst war es Verwirrung, dann Freude die ihre Züge einnahm.

„Zhyn! Wie hast du mich gefunden?"
„Zufall. Du hast meine Frage nicht beantwortet."

Futter seufzte langgezogen. Sie kratzte sich überlegend hinterm Ohr, und sah Zhynnios einfach unverwandt an.

„Ich… tue das was ich damals auch schon tat. Ich ziehe umher, und verdiene mir etwas Gold durch Auftritte wie diesem hier. Messerkünstlerin, Arenakämpferin… Auf die Dauer macht es nur wenig Unterschied. Man verdient seinen Lebensunterhalt."
„Ich habe dich nicht als eine Elfe in Erinnerung, die sich mit etwas so billigem zufriedengibt."

Bei seinen Worten sah sich der Drache in Goblingestalt um. Eigentlich hatte es Futter hier gar nicht schlecht. Auch sie schien zu diesem Schluss zu kommen, da sie grinste.

„Zufriedenheit… Tja. Es ist mein Leben außerhalb der Einheit. Die letzten Monate waren stürmisch, nun wird es Zeit zum Alltag zurückzukehren. Ich verdiene mir mein Gold, und mache kulturell höheres in meiner Freizeit."
„Höheres?"
„Ich gehe in die Bibliothek, suche die archäologischen Archive auf…"
„Also nichts von Belang."

Futter sah den Goblin mit einem Seufzer an. Die Miene des Grünen verzog sich enttäuscht.

„Ich dachte, ich hätte eine Partnerin mit Stolz gefunden. Nicht eine, die sich für ein paar Goldmünzen zur Schau stellt."
„Zhyn, ich…"

Futter konnte Zhynnios nur hinterher sehen, wie er aus dem Zimmer verschwand und die Tür zuschlug. Mit einem überlegenen Orientierungssinn schaffte es der Netherdrache einfach aus den Gängen des Gebäudes, und trat in die verdunkelte Gasse zurück. Wütend stampfte er auf dem Boden herum.

Sein Bild war erschüttert. Futter war nicht besser als eine Hure, die sich preisgab für Gold. Ohne Stolz, ohne Grenze. Für was war er bisher eingestanden? Hatte Altruis das alles nicht gewusst?

Lustlos ging der Goblin die Gasse weiter entlang.

Wieder ohne Plan.



Zhynnios war ziemlich stolz auf sich, als er durch den Immersangwald ging. Einige Falken stießen aus den Bäumen, während die restlichen Tiere des Waldes ihrem Alltag nachgingen. Idylle in ihrer Perfektion. Die letzten Tage waren voller schwerer Gedanken gewesen. Mangels einer Alternative hatte der als Goblin getarnte Drache sich in den Wald begeben, und lebte dort seitdem recht gut. Frisch am heutigen Morgen hatte er einige Gedanken an Futter abgeworfen, die er stehen gelassen hatte.

Warum er stolz war? Er hatte in den letzten Tagen keine einzige Elfe gefressen. Nun… fast nicht. Manchmal waren lagen in den Ruinen der einstigen Stadthälfte Silbermond die Leichen der Getriebenen, die zu schwach gewesen waren um am Leben zu bleiben. Manchmal hatte sich Zhynnios einige davon geschnappt und verputzt. Irgendwas brauchte er schließlich im Magen. Er hatte bedenklich abgenommen. Das wurde seinem Ruf nicht gerecht, und er würde das nicht zulassen.

Der Goblin schnüffelte. Er witterte frisches Fleisch. Hatte ein Luchs wieder seine Beute gefangen? Der Grünling ging der Geruchsspur nach, immer weiter, bis er an eine etwas kleiner gewachsene Elfenfrau mit ihrem fahrbaren Untersatz geriet. Sie verkaufte Fleischwaren des Waldes. Luchs, Drachenfalke, Hase… Alles war vorhanden. Zhynnios lief das Wasser im Mund zusammen. Kurz wurde überlegt, dann trat er an die Frau heran. Sein Lächeln mit den spitzen Zähnen höflich führend.

„Verzeiht, Fleischsack… Ährm… gutaussehende Frau. Was würde ein Korb eurer Ware kosten?"

Zhynnios war von seinen eigenen Worten überrascht. So freundlich war er wohl noch nie gewesen. Die Elfe hatte seinen Versprecher wohl zum Glück überhört. Lächelnd trat sie auf ihn zu, und zeigte auf ihre Waren.

„Beste Qualität, mein kleiner Freund. Ein Korb würde euch lächerliche fünfzig Silber kosten."

Da fiel dem Drachen auf dass er gar kein Geld bei sich hatte. Da half nur eines. Die direkte Methode. Also packte er grob den Arm der Elfe, zog sie mit seiner Kraft auf Augenhöhe und zischte leise.

„Gib mir einen Korb Fleisch, oder ich vernasche dich!"

Selbstzufrieden betrachtete der Drache in Goblingestalt wie die Elfe zusammenschreckte, und sich eilig aufmachte einen Korb mit allerlei Fleisch zu füllen. Endlich einmal eine Elfe, die sich davor fürchtete gefressen zu werden. Komisch dass sie ihm wenn sie glaubte er bemerke es nicht einen sehr angeekelten Blick zuwarf.

Was konnte man denn an „vernaschen" falsch verstehen?

Mit dem fertigen Korb in der Hand huschte der Goblin ins Gebüsch, und ließ die Elfe ohne weitere Bemerkungen hinter sich. Erst als er eine sichere Entfernung abgeschätzt hatte setzte sich Zhynnios auf das Gras, und fing an das äußerst schmackhafte Fleisch aus dem Korb zu verputzen. Es war perfekt, gerade nach einer Hungerzeit.

Gerade als er das letzte Stück in seinen Rachen werfen wollte, vernahm der Drache eine vertraute Stimme. Hier, so abgelegen im Wald? Wieder huschte der Grüne durch das Gebüsch, bis er die Quelle der Stimme entdeckte. Futter. Erstaunt verleibte er sich das letzte Stück Fleisch ein, und sperrte seine Lauscher auf, um sie und diese schwarzhaarige Elfe genau hören zu können.

„… er verschwunden. Einfach so. Ich konnte ihn nicht wiederfinden."

Die schwarzhaarige nickte bei Futters Worten langsam, und sah sie forschend an.

„Ich verstehe ihn etwas."
„Was?"
„Ich meine… fühlst du dich wieder wie früher? Ich nicht. Ich fühle mich frei, zu tun was ich will. Aber ich weiß wie ich mich früher gefühlt habe. Befleckt und verkauft. Passend, dass man sich selbst leicht verkaufen ließ."

Futter wandte sich beleidigt ab.

„Ich verkaufe mich nicht, Schwester. Ich verdiene Gold, und zeige den Leuten meine Kunst. Ist die Schauspielerin etwa auch nur das Imitat einer Hure?"

Die schwarzhaarige lachte.

„Gut, ich bin still. Wenn du wirklich so denkst dann ist alles in Ordnung. Warum sind wir also hier?"
„Ich suche ihn."
„Jetzt hat’s einen Sinn, jetzt wo du wieder sehen kannst, hrm?"

Beide Elfen grinsten, und gingen tiefer in den Wald hinein. Zhynnios folgte durch das Gebüsch, die beiden nicht aus den Augen verlierend. Die schwarzhaarige war in einfache braune Lederkleidung gehüllt, und hatte einen passenden Hut auf dem Kopf. Das schwarze Haar reichte knapp bis zum Rücken. Sie sah Futter sehr ähnlich, auch wenn sie nicht ganz so blass war. Futter dagegen sah aus wie immer, wenn man von ihrer ins Gesicht gezogenen Kapuze absah.

Zhynnios beeilte sich etwas, um einen Blick von vorne riskieren zu können. Dummerweise war ihm dabei ein kleiner Ast im weg. Das war ihm in den vergangenen Tagen oft passiert. Er konnte sich einfach nicht an diese lächerlich kurzen Beinchen gewöhnen, die sich sogar am niedrigen Gras verfangen konnten.

Der Goblin stürzte lautstark.

Die Elfen sahen sofort in seine Richtung. Zhynnios verfluchte leise ihre guten Ohren, und fragte sich zugleich ob das nicht sogar ein schwerhöriger Taure vernommen hätte. Gerade wollte der Goblin wieder in die Büsche sprinten, als er am Kragen gepackt wurde. Die schwarzhaarige hielt ihn grinsend vor ihr Gesicht.

„Na, wen haben wir denn hier? Ich glaube das ist unser Kandidat für’s nächste Goblinballspiel."

Futter dagegen sah den Goblin entgeistert, aber auch erleichtert an. Grüne Augen sahen ihn unter der Kapuze an. Diese Augen hatte Zhynnios noch nie gesehen. Sie waren… schön.

„Heliana! Lass ihn runter! Das ist Zhyn!"
„Oh!"

Die schwarzhaarige ließ den Goblin unsanft auf das Gras plumpsen. Genervt zischte dieser, und sprang auf. Futter wurde mit einer langen Musterung versehen, bevor Zhynnios trotzig die Arme vor der Brust verschränkte.

„Da habt ihr euch erschreckt, was? Mein Plan geht auf."

Futter grinste, und hockte sich hin. Sie sah ihm in die Augen.

„Unglaublich erschreckt, ja…"

Kurz dachte die blonde Elfe nach, und sprach dann weiter.

„… ich höre mit meinem Leben so wie ich es führe auf, wenn du es willst. Meine arbeitstechnische Freiheit ist mir nicht so wichtig wie meine Freundschaft zu dir, Großer."

Die schwarzhaarige Elfe sah verwundert auf den Goblin herab. Dies wurde durch den Titel „Großer“ nicht wirklich gebessert. Zhynnios musste grinsen bei ihrem Anblick, dann sah er wieder zu Futter.

„Belassen wir es bei folgendem… Du bleibst in deiner Grube. Aber ich bestehe darauf dein Partner zu sein. Ich mag diese Gestalt, und glaubwürdig scheint es sicher auch zu sein, wenn ein Goblin das macht."
„Einverstanden. Aber woher der Sinneswandel?"
„Ich erwarte, dass du deinen Artgenossen die Arroganz aus dem Gesicht schlägst. Seit ich in diesen Landen bin, habe ich nur eine freundliche Fleischverkäuferin gefunden."

Futter nickte ein wenig verwirrt. Sie konnte ja nicht ahnen, wie sehr Zhynnios diese Arroganz auf den Nervenfaden biss. Dann auch noch die einzige halbwegs normale Freundin zu verlieren war ungünstig, zumal der Drache einfach gern sah wie diese Elfen grob gesagt auf’s Maul bekamen.

Natürlich würde er nie jemandem davon etwas sagen.
Jedenfalls keinem Elfen.

Zhynnios begrinste sich weiter, als er den beiden Elfen in die Stadt folgte.



Zhynnios saß in seiner Goblingestalt in der hintersten Stuhlreihe. Trotz der Entfernung konnte er den Elfen in der prachtvollen Robe gut erkennen, der sich in der Sandgrube profilierte. Nach einer kurzen Ansage trat Futter in die Grube. Langsam, mit beinahe bedächtigen Schritten. Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, sodass man nur die grünen Augen und das Kinn sehen konnte.

Futter und der Elf schüttelten sich die Hände. Futter ließ nicht mehr los.

Gebannt starrte das Publikum auf die beiden Kontrahenten. Die Zeit hätte stillstehen können, es hätte das gleiche Bild abgegeben. Dann endlich lösten sich die Hände. Futter zog ihre beiden Schwerter, nur um sie von sich zu werfen. Flüstern ging durch die Zuschauerreihen. Gab der tanzende Schatten auf bevor es begonnen hat?

Nur der Goblin zeigte sein zahnreiches Grinsen. Er wusste genau was in Futter vorging. Er hatte nur darauf gewartet.


Mit einem Mal war Cheida wie weggeblasen von der Sandgrube. Wenige Sekunden zogen sich wie Stunden. Ihre Hand löste sich von der des Mannes, und suchte gemeinsam mit ihrer anderen nach den Schwertern. Gerade hatte sie die Waffen gepackt, da ließ sie sie ungewollt zitternd los. Sie wusste genau was jetzt passierte. Aber sie hatte es nie wahrhaben wollen. Dass der Traum sie einholte.

Und innerhalb einer Sekunde war sie Zeugin des Moments, der ihr Leben verändert hatte.

Das Haus stand in Flammen. Die weißhaarige Elfe stand in ihrem Arbeitszimmer, und sammelte Pergamente zusammen. Da passierten drei Gestalten den Gang vor dem Zimmer. Zwei schwarzhaarige, ein junger Mann und ein kleines Mädchen. Und eine junge blonde Frau. Die Blonde blieb stehen während die anderen weiterrannten, und erfasste mit ihren blauen Augen ängstlich ihre Mutter, Anarielle Sonnensang. Gerade wollte die Mutter zu ihrem Kind eilen, da stürzte ein Balken auf die Magistrix.
Eingeklemmt war sie unfähig sich zu bewegen.

Die junge Cheida schrie, und wollte zu Hilfe rennen. Aber Anarielle hielt sie auf. Mit Worten. Man konnte gar nicht anders, man musste ihr zuhören.

„Cheida, bleib bei deinen Geschwistern. Bitte. Tu es für mich. Und für alle, die dich kennen und dich jemals kennenlernen werden."

Die junge Cheida trat zurück in den Gang. Ihre Mutter lächelte.

„Lebe weiter, sorg dafür dass die Familie nicht umsonst gestorben ist. Sorge für Gleichheit, Cheida. Gib allen eine Chance, glücklich zu sein. Lass sie ihre Träume leben, und niemals fürchten was ihnen zu Unrecht geschieht!"

Die gegenwärtige Cheida war gezwungen diesen Moment hilflos mit anzusehen. Sie konnte sich nicht rühren. Ein brennen in ihren Augen. Sie wollte weinen.

Anarielle lächelte breiter.

„Sei stark, Cheinesse."

Dann stürzte die Decke des Zimmers ein, und begrub die Magistrix unter sich. Cheida, sowohl die junge als auch die alte, drückten dicke Tränen heraus. Dann kam der schwarzhaarige Mann zurück, und griff die junge Version am Arm.

„Chei, wir müssen raus hier!"

Die Erinnerung verschwamm vor Cheidas Augen. Sie wusste, was geschehen würde. Sie und ihre Geschwister würden leichenlose Gräber aufstellen, und im Wald einem grausamen Mann in die Hände fallen.

Dann war sie wieder in der Wirklichkeit. Der Elf in der Sandgrube hob die Hand, und Feuer umspielte seine Hände. Ein ohrenbetäubendes Brüllen erklang, und Cheida verlor bereits wieder den Blick für die Wirklichkeit.

Sie sah nur noch Dunkelheit. Und hörte Stimmen. Es war ihre eigene, und die von Lavyria.

„Ich verspreche es dir, Lavyria. Ich lasse dich nicht sterben."

Kurze Stille.

„Danke."

Dann durfte Cheida endlich wieder etwas sehen. Ein dunkler Raum. Die Elfe erschrak. Diesen Raum hatte sie in jedem ihrer Träume gesehen. Eine dunkle Gestalt trat auf sie zu. Mit einer Kapuze wurde das Gesicht verhüllt, sodass nur die eisblauen Augen darunter hervorschauten. Bevor die blonde irgendetwas machen konnte, erhob die Gestalt das Wort.

„Cheida. Ich bin’s. Du erinnerst dich nicht mehr an mich. Ich bin eine Perversion von dir. Du hast dir gewünscht, mit mir zu sprechen, nicht?"
„J-ja."
„Hier bin ich also. Die Erinnerung, nach der du dich so lange gesehnt hast."

Cheida wusste keine Worte. Diese Gestalt war alles was sie gesucht hatte. Die Erinnerung an die Zeit, an die sie sich nicht erinnern konnte. Die Jahre nach der Invasion, bis nach dem Fall des Lichkönigs. Sie stammelte etwas unverständliches, bevor sie eine genaue Frage hinbekam.

„Was bist du?"
„Die Frage ist wohl eher, was du bist. Ich bin nur ein Vorstadium auf das, was ist. Alles was du bist, entstand aus mir. Und jetzt bin ich hinfällig. Ausgelebt. Du bist das Neue."
„Und was bin ich?"
„Alles was ich war habe ich dir verliehen, Cheida. Wir beide wissen, dass man sich von der Vergangenheit losreißen muss. Wenn ich einmal etwas Weises getan habe, dann daran zu glauben dass es etwas nach dem Jetzt gibt. Immer. Wir beide wissen, dass du fertig bist. Du weißt mit was."

Die blonde Elfe nickte.

„Ich habe verstanden."

Die Kapuzengestalt verpuffte, und Cheida riss die Augen auf. Sie war in ihrer Hütte in den Pestländern. Zhynnios saß in seiner Goblingestalt neben ihr.

„Hallo Futter. Dein Auftritt war gelinde gesagt ein Schuss in den Ofen. Hätte ich mich nicht verwandelt wärst du nun gebrutzelt."
„Danke, Großer. Ich war nicht… bei mir."

Die klaren Worte waren nach den verwirrenden Augenblicken seltsam. Auch der offensichtliche Zeitunterschied. Für sie waren es nur Minuten gewesen. Wie lange war sie in Wirklichkeit weg gewesen?
Zhynnios kam ihrer Frage zuvor.

„Ein Tag. Ich habe Massen aufgescheucht, als ich dich wegbrachte. Wir sollten uns für eine Weile von Silbermond fernhalten."

Cheida nickte, und Zhynnios stand auf.

„Ich muss los. Ich habe noch eine Verabredung."

Die Elfe wollte hinterfragen, doch da war der Goblin bereits aus dem Zimmer gestürmt. Er wird seine Gründe haben. Nach einem tiefen Atemzug erhob sich Cheida aus dem Bett, und trat ans Fenster. Dutzende wenn nicht hunderte Gedanken kreisten durch ihren Kopf. Am Ende wusste sie nicht einmal mehr, wie lange sie durch das Fenster auf die Lande starrte.

„Ich bin Cheinesse Cheida Sonnensang. Und ich gab ein Versprechen, welches ich einhalten werde."

Die Worte sprudelten einfach so aus ihr heraus. Erst nachdem sie ihre Lippen verlassen hatten, wurde sich die Elfe der Bedeutung dieser Worte bewusst. Sie wusste endlich ganz genau, was sie jetzt zu tun hatte.

Die blonde nahm die Arkebuse vom Nachttisch, und stürmte aus der Hütte.
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